Amazon und die Umsatzsteuer – eine Handreichung

Auf Amazon-Honorare müssen Sie als Autorin oder Autor keine Umsatzsteuer zahlen. Das ist praktisch, aber Menschen, die sich mit der Autorentätigkeit nicht auskennen, manchmal schwer zu erklären. Denn für Honorare von Tolino, BoD oder Neobooks gilt das nicht (siehe auch “Mit Schreiben Geld verdienen und versteuern – die zehn wichtigsten Fragen“). Im folgenden deshalb eine Handreichung, die Sie Zweiflern (dem neuen Steuerberater, dem skeptischen Finanzbeamten) in die Hand drücken können.

Das Autorendasein bei Amazon besteht aus zwei Schritten. Der Kunde schließt, wenn er etwas bei Amazon kauft, einen Vertrag mit Amazon. Entsprechend zahlt er, wenn er Ihr E-Book bei Amazon kauft, auch die Umsatzsteuer darauf. Und zwar in einer Höhe, die von seinem Herkunftsland abhängt (Deutschland 19 Prozent, Österreich 20 Prozent…). Der Verkäufer, also Amazon (genauer gesagt: die Amazon Media S.a.r.l. in Luxemburg), reicht diesen Anteil der Einnahmen an sein zuständiges Finanzamt weiter. Damit haben Sie als Autor nichts zu tun, darum müssen Sie sich nicht kümmern, und dieser Schritt geht auch nur Amazons Finanzamt etwas an. Sie bemerken als AutorIn diesen Schritt nur daran, dass Ihr Honorar pro Buch leicht schwankt, weil unterschiedliche Umsatzsteuersätze abgezogen wurden.

Der zweite Schritt ist Ihre Honorarabrechnung. Amazon, die Firma, mit der Sie einen Vertrag geschlossen haben, sitzt in Luxemburg, in der Europäischen Union. Damit tritt für Ihre an Amazon erbrachten Leistungen eine so genannte Umkehrung der Steuerschuldnerschaft in Kraft (geregelt in § 13b UStG), EU-weit „Reverse Charge“ genannt. Das heißt, nicht Sie sind die Umsatzsteuer auf Ihr Honorar (gilt als “sonstige Leistung”) schuldig, sondern Amazon. Die Firma muss also – anders als Tolino & Co. in Deutschland – auf alle an Sie ausgezahlten Honorare Umsatzsteuer an das eigene Finanzamt abführen. Sie bekommen Ihr Honorar immer netto ausgezahlt, ganz egal, ob es um E-Book-Verkäufe, AllStar-Boni oder KU-Tantiemen geht, weil eben Amazon der Steuerschuldner ist. Damit Ihr Finanzamt den Sachverhalt leichter verstehen kann, sollten Sie eine entsprechende Rechnung an Amazon erstellen.

Dabei ist auch völlig unerheblich (!), auf welchem Weg das Geld Sie erreicht, also wer auf Ihrem Kontoauszug als “Absender” der Zahlung angegeben ist. Sie haben Ihren Vertrag mit der Amazon Media S.a.r.l. in Luxemburg, mit niemand anderem, und diese Firma schuldet Ihnen das Honorar. Wenn ich Ihnen Geld schulde, aber meinen Kumpel Benni bitte, Ihnen das Geld zu überweisen, bleibe trotzdem ich Ihr Vertragspartner – genauso ist es im Fall von Amazon. Egal ob Amazon Italien oder Spanien Ihnen das Geld überweist – Ihr Vertragspartner ist die Amazon Media S.a.r.l. in Luxemburg, und an die stellen Sie Ihre Rechnung für die gesamte Summe.

Das gilt im übrigen auch für Kleinunternehmer: Die Kleinunternehmer-Eigenschaft gibt es international gar nicht, sie gilt nur innerhalb Deutschlands.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

14 Comments

  • Hallo der Kurs auf ebook-vermarkten.de bzgl Steuer ausfüllen gilt das auch für tshirt Print on demand und steht dort auch drin, wie man als Kleinunternehmer damit umgeht ? Lg Alex.

  • Eine sehr verständliche und vor allem ausführliche Darlegung des Sachverhaltes! An dieser Stelle möchte ich einfach nur Danke sagen für die, von Ihnen kostenlosen zur Verfügung gestellten Informationen, die so manchem Neuanfänger das Leben deutlich einfacher machen. Weiter so!

  • Vielen herzlichen Dank für die super verständliche Erklärung des Sachverhaltes.
    Wie sieht das eigentlich mit Einnahmen aus Drittländern aus (Verkäufe in die USA), behandle ich diese Einnahmen genauso wie in Ihrem Artikel beschrieben und stelle alles Amazon Luxemburg in Rechnung?
    Es handelt sich hierbei ja nicht um Reverse Charge.
    Welcher Hinweis muss denn hierbei auf die Rechnung und wie bucht man das Ganze? Lieferung an Drittländer oder Dienstleistung an Drittländer? Vielen Dank im Voraus für Ihr Feedback.

  • Das ist sehr verständlich dargestellt, jedoch suche ich seit Tagen eine Information, wo ich diese Umsätze in der Umsatzsteuervoranmeldung verorten bzw. ganz konkret eintragen muss (Freiberufler erhält Amazon tantieme). Hier gibt es im Web unterschiedlichste Aussage:

    1. Steuerpflichtige sonstige Leistungen eines im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmers (§13b ABS. 1 UstG)
    2. Andere Leistungen (§13b Abs. 2 Nr.1,2,4, bis 11 UstG)
    3. steuerpflichtige Umsätze, für die der Leistungsempfänger die Steuer schuldet (§ 13b Abs. 5 Satz UStG)
    4. Nicht steuerbare sonstige Leistungen § 18b Satz 1 Nr. 2 UStG

    In Sachen Reverse Charge ist der 13b ja relevant, nur welche Unterkategorie gilt. Der 18b erscheint ebenfalls plausibel. Über Hilfe an dieser Stelle würde ich mich sehr freuen. Die Seite wie auch das Buch sind für angehende Autoren wirklich prima. Ganz herzlichen Dank vorab.

    • Schade, dass sich niemand meldet auf Romys Frage. Wie es ist bei Tantiemen aus den USA, wenn man über Amazon.com sein Buch anbietet. Ist auch dann Amazon Media S.a.r.l. in Luxemburg mein “Vertragspartner”?

  • Hallo Herr Matting,
    Die ausgezahlten Amazon-Honorare müssen ja in der Umsatzsteuervoranmeldung, sowie in der Zusammenfassenden Meldung als „Nicht steuerbare sonstige Leistungen gem. § 18b Satz 1 Nr. 2 UStG “ angegeben werden. Bei Soll-Versteuerung ist ja eigentlich das Leistungsdatum und nicht das Zahlungsdatum relevant. Gilt das auch in diesem Fall? Also beispielsweise müsste man die Honorare für Januar in die Umsatzsteuervoranmeldung für Januar eintragen, obwohl diese erst im März ausgezahlt werden?
    Oder habe ich da einen Denkfehler?

    Vielen Dank für Ihre tollen Beiträge und beste Grüße
    Joshua

    • Bei der Sollversteuerung geht es um den Zeitpukt der Rechnungslegung. Die Rechnung an Amazon kann ja erst nach erfolgter Abrechnung durch Amazon gestellt werden. Ansonsten würde ich eh immer Istversteuerung beantragen, das können Freiberufler immer.

  • Ein sehr hilfreicher Artikel. Vielen Dank!

  • Hallo Herr Matting,
    verstehe ich das richtig: Ich brauche auch keine Umsatzsteuer zu zahlen, wenn ich (KDP-Autor) meine Bücher in Frankreich und Spanien verkaufe ?
    Beste Grüße

    Thomas

    • Nein, das ist nicht richtig. AMAZON (!!!) verkauft Bücher in Frankreich oder Spanien. Ob und welche Steuern die da zahlen, ist deren Sache. Ein KDP-Autor liefert urheberrechtlich geschützte Texte (eine “sonstige Leistung”) an Amazon Media in Luxemburg. Was Amazon daraus macht, geht wieder nur Amazon etwas an. Für das fällige Honorar muss Amazon nach Reverse Charge in Luxemburg die Umsatzsteuer abführen.

  • Hallo Herr Matting,

    vielen herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag. Er schildert einen erstmal kompliziert klingenden Sachverhalt so, dass er einfach vom Laien verstanden werden kann. DANKE dafür! Eine Frage, die von meiner Seite noch offen wäre, ist: Verhält es sich analog mit der Umsatzsteuer bei Print on Demand Büchern, die ich über bei Amazon.de verkaufe?

    Vielen Dank für eine kurze Info und herzliche Grüße
    Bea

    • Hallo, ganz genauso. Und Achtung, der Irrtum beginnt schon bei “die ich über bei Amazon.de verkaufe” – Amazon verkauft die Bücher, nicht die Autorin! Das ist des Pudels Kern.

  • Lieber Matthias,

    ich habe nun für 2017 meinen Steuerbescheid erhalten und musste – oh Schock! – saftig Umsatzsteuer zahlen, da ich ein paar Euro über der Grenze war. Was tue ich denn jetzt? Kann ich noch im Nachhinein eine Rechnung an Amazon schreiben und das Geld, dass ich zahlen musste, “zurückverlangen”? Oder ist es jetzt zu spät? Und wie bringe ich das meinem Finanzamt bei?

    Es wird oft beschrieben, wie man eine Rechnung an Amazon schreibt, aber wann genau muss das passieren? Jährlich? Für jeden Monat einzeln? Bevor man seine Steuererklärung macht? Und wie bekommt mein Finanzamt das mit, dass Amazon die Umsatzsteuer für mich zahlt? Muss ich denen das sagen oder wird das elektronisch übermittelt? Wie läuft das ab von der Rechnung bis zum Erhalt des Steuerbescheids? Vielleicht könntest du das einmal in einem Artikel erklären – sofern nicht schon geschehen und ich habe ihn übersehen. Dann Asche auf mein Haupt. 🙂

    Liebe Grüße
    Diana

    • Zum Beibringen ist ja diese Handreichung hier gedacht! Lies sie am besten auch noch mal. Ob und wie man eine falsch eingereichte Steuererklärung korrigieren kann, weiß ich nicht, dazu musst du einen Steuerberater fragen. Die Rechnungen schreibst du regelmäßig und reichst sie mit der Erklärung ein. Damit bekommt das FA mit, dass Amazon für die USt. zuständig ist. Ich habe dazu auch einen Kurs auf ebook-vermarkten.de

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