Autoren-Tipp: Einkünfte aus dem Schreiben und Hartz 4 / Arbeitslosengeld II

Beim Blick auf die Bestsellerlisten vergisst man schnell, dass der Beruf des Autors immer noch zu den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten gehört. Das Durchschnittseinkommen der in der Künstlersozialkasse im Bereich “Wort” Versicherten lag 2014 bei rund 19.000 Euro; bei Autorinnen sogar bei nur 16.000 Euro, das sind etwas über 1000 Euro im Monat. Wenn das der Durchschnitt ist, muss es auch zahlreiche Schreibende geben, die weniger einnehmen – und damit in den Bereich der Grundsicherung durch Hartz 4 respektive Arbeitslosengeld II fallen.

Was müssen Autoren tun, die bereits ALG II beziehen oder einen Antrag stellen wollen? Grundsätzlich dürfen Sie auch Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit beziehen (und die freiberufliche Tätigkeit des Schreibens gehört hier dazu). Es gibt aber keinen Arbeitgeber, der ein bestimmtes Einkommen bescheinigen könnte. Diese Funktion übernehmen Sie selbst. Als Einkommen angerechnet wird die Differenz zwischen den erzielten Einnahmen und Ihren Ausgaben, soweit diese “notwendig und angemessen” waren. Hier müssen Sie von Seiten Ihres Sachbearbeiters mit mehr Strenge als beim Finanzamt rechnen – es soll natürlich vermieden werden, dass Sie irgendwelchen Luxus einfach als Betriebsausgabe ansetzen, etwa eine Kreuzfahrt im Amazonas als Recherchereise…

Zur Abrechnung Ihres Einkommens dient die Anlage EKS (Erklärung zum Einkommen Selbständiger). Dabei handelt es sich gewissermaßen um eine Spezialversion der Einnahme-Überschuss-Rechnung, die Sie Ihrem Finanzamt vorlegen würden. Es gibt dabei ein paar Besonderheiten – so wird für Pkw-Nutzung weniger angerechnet als vom Finanzamt, und Sie können keine Abschreibungen geltend machen, denn dabei handelt es sich nicht um Ausgaben. Ihre Ausgaben müssen zum einen durch Rechnungen belegt sein und zum anderen zu Ihrer Tätigkeit passen: Wenn Sie nur schreiben, werden Sie etwa nicht den allerneuesten Mac Pro benötigen, ein günstiges Notebook genügt.

Der erste Schritt – vor Aufnahme Ihrer freiberuflichen Tätigkeit – sollte in der Abgabe einer Veränderungsmitteilung bestehen. Hier geben Sie die neue Tätigkeit an, allerdings mit einem sehr niedrigen Gewinn, etwa 1 Euro im Monat. Sie wissen ja vorab noch nicht, ob Ihr Buch ein Erfolg wird. Mit der Meldung sind Sie auf der sicheren Seite. Aber Achtung: falls Sie dann doch hohe Einnahmen haben, müssen Sie mit einer teilweisen oder kompletten Rückzahlung ihrer ALG-II-Bezüge rechnen.

Zum Ende des Bewilligungszeitraums folgt dann die Abrechnung. Was haben Sie wirklich eingenommen? Vom monatlichen Gewinn werden Ihnen zunächst 100 Euro Grundfreibetrag abgezogen. Von der Differenz bleiben Ihnen bis 1000 Euro Gewinn 20 Prozent, der Rest wird auf Ihre Bezüge angerechnet. Wenn Sie also 800 Euro Gewinn hatten, dürfen Sie 100 + 140 = 240 Euro behalten, 560 Euro werden Ihnen angerechnet. Bei Einnahmen zwischen 1000 und 1200 Euro sinkt der Freibetrag auf 10 Prozent.

Problematisch ist der einmalige Bezug einer größeren Honorarsumme (z.B. Garantiehonorar vom Verlag). Eine solche Einnahme wird bei selbständiger Tätigkeit normalerweise über den kompletten Bewilligungs-Zeitraum verteilt angerechnet und kann dann je nach Höhe der Summe all ihre Ansprüche zunichte machen. Falls der Verlag die Summe in zwei Tranchen zahlt (etwa bei Manuskript-Abgabe und bei Erscheinen des Buches) kann es sogar passieren, dass gleich zwei Bewilligungs-Zeiträume betroffen sind. Hier kann es sich sogar auszahlen, eine Vorauszahlung bei Manuskriptabgabe nicht im Vertrag stehen zu haben.

Wie sieht es beim Finanzamt aus? Wenn Ihr Gewinn aus freiberuflichen Einnahmen im Jahr unter 8652 Euro liegt (aktueller Stand, das wären also 721 Euro im Monat), dann sind keine Steuern fällig. Hier können Sie etwas mehr absetzen als beim Arbeitsamt. Umsatzsteuerpflichtig werden Sie erst ab 17.500 Euro Umsatz (nicht Gewinn) pro Jahr. Die Bezüge aus dem Arbeitslosengeld II sind grundsätzlich steuerfrei.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Comments

  • Ich habe zu diesem Thema eine Frage: Es liest sich so, als ob ein Alg2 Bezieher entweder
    dem Finanzamt oder dem Jobcenter Auskünfte erteilen muss.
    Soweit ich weiß, muss man aber beides -die Anlage für Selbstständige beim Jobcenter und die entsprechenden Unterlagen beim Finanzamt abgeben. Oder habe ich da was falsch verstanden, bzw. falsche Info´s?

  • Wie ist das denn, wenn man zum Beispiel als Rentner schreibt? Da muss ich mein zusätzliches Einkommen ja nun auch angeben. Ist bisher minimal. Aber könnte ich bei der nächsten Steuererklärung beispielsweise die Anschaffung eines neuen PCs angeben? Ich überlege mir das tatsächlich, da ich bislang nur einen Laptop nutze und hoffe, mir mit der Einrichtung eines ordentlichen Arbeitsplatzes auch gesundheiltlich etwas Gutes zu tun (derzeit massive Nacken- und Schulterschmerzen). Wie stehn da die Aussichten. Hat jemand Erfahrung?
    LG – Elke
    P.S. Wieso muss ich oben eigentlich Namen etc. praktisch immer im Blindflug eingeben? Ich sehe nie, was ich tippe. Und meine E-Mailadresse, die sich aus meiner Webadresse ergibt, wird auch nicht genommen.

  • Es müssen pro Bewilligungszeitraum zwei EKS ausgefüllt werden: Eine vorläufige, in der man die vermuteten Einnahmen und Ausgaben während des nächsten Bewilligungszeitraumes angeben muss, und eine abschließende für den letzten, vergangenen Bewilligungszeitraum, in dem die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben angibt.

    Das Unschöne daran: Die geschätzten Einnahmen der vorläufigen EKS werden auf die Bezüge für den nächsten Bewilligungszeitraum angerechnet. Verdient man weniger erhält man zwar am Ende des Zeitaums eine Nachzahlung, muss aber ein halbes Jahr mit weniger Geld überbrücken.
    Natürlich kann man niedrige erwartete Einnahmen angeben – will man sich aber komplett selbstständig machen, will das Jobcenter sehen, dass die Einnahmen kontinuierlich steigen und man nach ca. zwei Jahren soviel verdient, dass man keine Unterstützung mehr benötigt (fernab jeglicher unternehmerischer Realität, aber sei es drum…). Trägt die Selbstständigkeit sich nicht, muss man dem Arbeitsmarkt weiterhin voll zur Verfügung stehen.

    In der Regel werden kleinere Anschaffungen akzeptiert. Dass man sich z.B. hin und wieder neue Druckerpatronen kaufen muss ist klar und macht idR keine Probleme. Nur größere Anschaffungen (neuer Drucker, neuer Computer, neuer Schreibtischstuhl…) sollte man sich definitiv vorher genehmigen lassen. Im Falle eines Computers ist es ratsam im Amt einfach anzugeben, dass der aktuell genutzte Computer Schwierigkeiten macht und man ggf. in die Situation kommt, sich schnell einen neuen kaufen zu müssen.

  • PS: Es gibt gar keinen neuen Mac Pro. Schon seit Jahren nicht. 😉

  • Anschaffungen ab 100 € müssen beantragt werden. Alles darunter nicht. Anträge für Druckertinte, Briefumschläge etc. würden auch endgültig die Selbständigkeit von Aufstockern verhindern – es ist so auch schon mühsam genug.

    Wann eine Anschaffung angemessen ist, darüber sollte man mit dem Jobcenter immer streiten, auch vor Gericht. Das Jobcenter hat ausschließlich aktuelle Zahlen im Blick, also: Wie können wir die Ausgaben JETZT klein halten. Heißt: Wir genehmigen erst einmal gar nichts. Was mittel- oder langfristig für den Selbständigen und sein Einkommen sinnvoll ist (und damit den Aufstockungsbetrag verringern und vielleicht sogar den Selbständigen aus dem Leistungsbezug befreien kann), interessiert nicht. Das steht der Idee der Investition diametral gegenüber, ohne die Selbständigkeit nicht funktioniert – auch nicht die von Autoren, die noch mit wenig auskommen können, im Gegensatz zu Selbständen, die Räumlichkeiten, Fahrzeuge oder teure Maschinen etc. brauchen.

    Richter an Sozialgerichten sehen das zum Glück oft anders.

    Der Kampf um die Angemessenheit von Ausgaben ist auch deshalb sinnvoll, weil die obige Rechnung zum Selbstbehalt auf dem GEWINN basiert, nicht den Einnahmen:

    Beispiel:
    Einnahmen: 900 € (Max. 1100 bei Alleinstehenden, darüber endet der Leistungsbezug, gerechnet pro Monat!)
    Ausgaben: 200 €
    Gewinn: 700 €
    Zuverdienst: 100 € + (20% von 600 €) = 220 €

    Ohne anrechenbare/anerkannte Ausgaben betrüge der Zuverdienst 100 € + (20 % von 900 €) = 280 €, aber davon müssten dann die Ausgaben bestritten werden. Rest also 80 €.

    Zu den Ausgaben zählen auch Rentenpflichtversicherungen, Kosten für Telefon/Internet (i. d. R. zur Hälfte anerkannt wegen auch privater Nutzung).

  • ein wichtiger Tipp: Wenn Arbeitsmaterialien angeschafft werden müssen IMMER vorher bein Amt beantragen! (Ob es dort eine Untergrenze gibt, weiß ich nicht, besser einmal zu viel fragen.)
    Einem Kollegie, Hartz IV Aufsstocker, war während eines Auftrags der Rechner kaputt gegangen – Wochenende, Deadline am Montag. Er hat sich schnell einen neuen Rechner gekauft, um seinen Text termingerecht abzuliefern.
    Das Amt hat nicht einen Cent davon als Betriebskosten anerkannt, da er eigenmächtig gehandelt hatte. Das Honorar aus dem Aufrrag wurde natürlich wie übrlich abgerechnet.

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