Was ist der optimale Tag zum Veröffentlichen meines Buches?

Heute. Okay, morgen, wenn es heute zu spät wird oder die Fußball-Nationalmannschaft spielt.

Lange Antwort: Es gibt keinen optimalen Veröffentlichungstermin. Natürlich verkaufen sich Bücher an manchen Tagen besser und an anderen Tagen schlechter. Aber Bücher, die nicht veröffentlicht sind, verkaufen sich gar nicht. Egal, mit welchem Tag Sie vergleichen, ein nicht erhältliches Buch wird sich an jedem Tag schlechter verkaufen.

Sollte ich einen Tag wählen, an dem viele Bücher verkauft werden?

Klingt gut – aber: Selbst wenn alle Fans sofort zugreifen, wird Ihr Buch es dann deutlich schwerer haben, einen oberen Rang zu erklimmen. Wer Sie noch nicht kennt, findet Ihr Buch dann nicht.

Dann wähle ich einen Tag, wo nichts los ist?

Theoretisch eine prima Idee. Ihre Fans kaufen Ihr Buch, es rutscht nach oben, wird sichtbar… Tja, und dann gibt es nicht genug Leser*innen, damit Sie auch etwas davon haben. Sie sind zwar kurzzeitig recht weit oben, doch da Sie in der Summe nicht so viel verkaufen wie an einem guten Tag, rutscht Ihr Buch auch schnell wieder ab. Ins Bestseller-Ranking fließen ja auch die Zahlen der Vortage mit ein, und dabei ist es dem Algorithmus egal, ob das generell gute oder schlechte Tage sind.

Amazon wechselt die Titel bei Prime Reading – da warte ich lieber?

Bei der Ersteinführung hat die Gratis-Flatrate Prime Reading tatsächlich die Charts durcheinander gewirbelt. Danach haben sich alle gewundert: Die Verkaufszahlen waren etwa gleich geblieben, die gelesenen Seiten leicht gesunken. Prime Reading zeigt schön, wie unwichtig die Bestsellerliste eigentlich ist. Lassen Sie sich also nicht davon abhalten, Ihr Buch zu veröffentlichen, wenn gerade ein neuer Zyklus ansteht. Die Auswirkungen sind inzwischen auch gar nicht mehr so dramatisch.

Kurz vor einer Buchmesse wäre vielleicht ein schöner Termin?

Ja, weil sich dann die Aufmerksamkeit auf Bücher richtet. Und wenn Sie die einzige Autor*in auf der Welt wären, würden alle Augen auf Sie blicken. Dem ist aber leider nicht so. Viele andere Titel werben zu Buchmessen um Aufmerksamkeit.

Wäre wegen der AllStar-Boni nicht der Monatsanfang am besten?

Korrekt ist: die gelesenen Seiten werden zur Berechnung des AllStar-Bonus immer über einen Kalendermonat addiert. Sollte ich da nicht am Monatsanfang bessere Chancen haben? Die Spekulation würde vielleicht aufgehen, wenn Sie genau wüssten, wann Ihr Buch viel gelesen wird. Aber meist dauert es etwas, bis die KindleUnlimited-Leser*innen zugreifen und bis dann auch ihre Seiten übermittelt werden. Und wenn alle deshalb am Monatsanfang veröffentlichen, ist dort der Wettbewerb besonders groß, sodass Sie vielleicht gar nicht so viele Seiten zugerechnet bekommen, wie Sie gehofft haben.

Im Sommerloch, da müsste doch sogar ich Chancen haben!

Richtig, in warmen, sonnigen Sommermonaten verkaufen sich Bücher eher schlecht (auch im Februar oder November übrigens). Das gilt aber für alle Titel. Warum sollte sich ausgerechnet Ihres besser verkaufen? Und selbst wenn Sie den allgemeinen Trend schlagen – zu Weihnachten hätten Sie weitaus mehr von Ihrer Top-100-Platzierung …

Weihnachten – das ist also der optimale Zeitpunkt?

Zu Weihnachten wurden in den vergangenen Jahren stets viele E-Reader verschenkt, also gab es spätestens ab 25. Dezember eine Vermehrfachung der E-Book-Verkaufszahlen, die meist bis Mitte Januar anhielt. Wenn Sie es schaffen, hier einen Spitzenplatz zu belegen, klingelt der Geldbeutel. Allerdings ist der Effekt erstens inzwischen deutlich geringer und er ist zweitens kein Geheimnis zwischen uns beiden. Nicht nur andere Selfpublisher, auch die Verlage wissen darum und kämpfen gerade rund um das Geschenkefest um gute Platzierungen. Und da rechnen Sie sich ausgerechnet mit Ihrer Neuerscheinung gute Chancen aus?

Was bei einer Veröffentlichung wirklich wichtig ist

Glauben Sie mir nun, dass es keinen perfekten Zeitpunkt gibt? Veröffentlichen Sie Ihr Buch, wenn es fertig ist. Aber beachten Sie dabei die richtige Veröffentlichungs-Strategie, die auf die Amazon-Algorithmen Rücksicht nimmt.

  • Tag 1 – Veröffentlichung (Freischaltung dauert meist maximal 24 Stunden)
  • Tag 2 – Sie kaufen ein Exemplar, prüfen, ob es nicht irgendwelche dummen Fehler enthält. Wenn ja: zurück zu Tag 1. Wenn nein: Sie warten, bis das E-Book einen Verkaufsrang hat. Das kann 48-72 Stunden dauern.
  • Tag 4 – Der Verkaufsrang ist da. Jetzt (nicht vorher) weisen Sie Ihre Fans darauf hin, dass Ihr Buch existiert. Anderenfalls verlieren Sie Käufe für das Ranking. Starten Sie außerdem mit einer Leserunde bei Lovelybooks oder einer anderen Aktion, um Rezensionen zu erhalten (idealerweise haben Sie dazu eine gedruckte Version vorbereitet). Geben Sie sich dafür zwei Wochen Zeit (mindestens).
  • Tag 20 – Ihr Buch sollte nun auch einige Rezensionen angesammelt haben, außerdem sollte auch die “Kunden kauften auch”-Rubrik gefüllt sein. Falls Sie mit der durch die Käufe Ihrer Fans nach dem Versand Ihres Newsletters erreichten Platzierung noch nicht zufrieden sind, starten Sie jetzt mit einer Marketing-Aktion. Für Neulinge empfehle ich eine Gratisaktion, ansonsten eine Preisaktion. Schalten Sie rechtzeitig Werbung auf den einschlägigen E-Book-Portalen!

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

10 Kommentare

  1. Liest sich alles gut und schön, aber es wird mit nahezu keinem Wort auf die gute alte Art eingegangen, ein Buch vor allem in gedruckter Form zu veröffentlichen und die eBook-Variante maximal nebenher anzubieten.

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