Muss ich als freier Autor ein Gewerbe anmelden? Wo Sie sich melden müssen

Kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort: Der Beruf des Autors ist einer der klassischen freien Berufe. Die Anmeldung eines Gewerbes ist nicht nötig, um ihn auszuüben – sie kann sogar schädlich sein. Als freier Autor haben Sie nämlich prinzipiell Zugriff auf die Leistungen der Künstlersozialkasse (KSK), die Ihnen wie ein Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge zur Sozialversicherung zahlt. Das gilt aber nur, wenn Sie nicht in nennenswertem Umfang Einkommen aus einem Gewerbebetrieb beziehen. Außerdem müssen Gewerbetreibende, deren Gewinn einen Freibetrag überschreitet, zusätzlich Gewerbesteuer zahlen. Auch eine Mitgliedschaft in der IHK ist mit Gewerbeanmeldung obligatorisch.

Was Sie als freier Autor tun müssen

Wenn Sie Ihre Tätigkeit aufnehmen, melden Sie sie beim Finanzamt (nicht Gewerbeamt) an. Ihr freundlicher Beamter wird Ihnen dann sagen, was er von Ihnen erwartet – mindestens das Ausfüllen eines “Fragebogens zur steuerlichen Erfassung”. Außerdem können, je nach zu erwartenden Einnahmen, regelmäßige Umsatzsteuer-Voranmeldungen hinzukommen.

Mindestens müssen Sie aber zusammen mit Ihrer Einkommenssteuer-Erklärung (zu der dann auch die Anlagen S und EÜR gehören) eine Umsatzsteuer-Erklärung abgeben. Bei Einnahmen aus dem Ausland (Amazon!) brauchen Sie zusätzlich eine Zusammenfassende Meldung (ZM), die Sie online beim BZfS abgeben.

Wenn Ihre Einnahmen unter 17.500 Euro (vergangenes Jahr) und voraussichtlich 50.000 Euro (aktuelles Jahr) liegen, können Sie die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen. Sie brauchen dann keine Umsatzsteuer zu berechnen, können aber auch von Ihnen bezahlte Umsatzsteuer nicht zurückfordern.

Wann Sie doch ein Gewerbe anmelden müssen

Das Verlegen von Büchern anderer Autoren ist keine freiberufliche Tätigkeit mehr. Auch der Verkauf eigener Bücher in Ihrem eigenen Shop ist grundsätzlich gewerblich. Als Freiberufler können Sie das nur in minimalem Umfang betreiben – der Verkauf von Büchern auf einer Lesung wird z.B. in der Regel toleriert. Im Zweifel fragen Sie Ihren Finanzbeamten. Keine Sorge, er oder sie hat Beratungspflicht und wird Ihnen daraus keinen Strick drehen.

Wenn Sie einen Verlag anmelden, kann das nur in Form einer Gewerbeanmeldung geschehen. Ob das ratsam ist, müssen Sie selbst entscheiden. KSK-Mitglied können Sie dann voraussichtlich nicht mehr werden (Abgaben an die KSK leisten müssen Sie aber unabhängig davon). Es ist problemlos möglich, parallel Einnahmen aus freiberuflicher und gewerblicher Tätigkeit zu erzielen und zu versteuern. Natürlich müssen Sie dann für beide Einkommensarten separat abrechnen.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

51 Comments

  • Eine Frage in die Runde: Beim Lesen der Beiträge ist mir aufgefallen, dass schriftstellerische Tätigkeit grundsätzlich freiberuflich ist, allerdings fand ich nichts zum Zeitpunkt der Anmeldung beim FA. Die schriftstellerische Tätigkeit selber beginne ich ja quasi mit der ersten Zeile (auch wenn nie ein Buch draus wird, weiß man ja vorher nicht genau) und nicht erst mit dem ersten Euro, der fließt. Wann also ist die Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit beim FA erforderlich? Evtl. auch beim Arbeitgeber, viele haben derartige Klauseln in den Arbeitsverträgen. Bin ich per Definition erst dann Autorin, wenn ich ein Buch veröffentliche und Geld dafür bekomme? Besten Dank für eine Rückmeldung.

  • Vielen Dank für die guten Informationen und die lebendigen Diskussionen. Ich habe in diesem Zusammenhang folgende Frage: Wie wird ein Gemeinschaftsbuch mit vielen Autoren gewertet? Wir sind eine Bildungseinrichtung, haben im Rahmen eines EU Projekts ein Buch mit 40 Autoren geschrieben und vertreiben das Buch im Selbstverlag. Primär ging es um das Verbreiten des Wissens (was man für die EU sowieso öffentlich und kostenlos zur Verfügung stellen muss), aber wir haben darüber hinaus ein paar hundert Bücher drucken lassen, die wir verkaufen. Auf unserer Webseite vertreiben wir keine anderen Produkte als unsere eigenen, aber: ist es das ein eigenes Produkt, wenn noch andere Menschen mitgeschrieben haben? Oder gelten wir in diesem Fall als Verleger und müssen ein Gewerbe anmelden? Über eine Einschätzung würde ich mich freuen. Danke.

    • Als “Einrichtung” kann man kein Autor sein. Das Urheberrecht ist an Personen gebunden.

  • Hallo Matthias,

    danke für den Beitrag, sehr interessant. Ich habe einen speziellen Fall, für den ich deine Einschätzung brauche:

    Ich schreibe auf einer Online-Publishing-Plattform und veröffentliche dort meine Artikel. Auf Basis von Engagement durch User (sprich wie viel Zeit sie auf meinen Artikeln verbringen) werde ich von der Plattform dafür vergütet.

    Ich betreibe die Seite natürlich nicht. Ich habe ein Profil, auf dem man meine veröffentlichten Artikel sehen kann, wenn man mir folgt. Aber in dem Sinne keinen eigenen Block. Meine Artikel sind hinter einer Paywall, auf die nur zahlende User Zugriff haben.

    Muss ich für die Einnahmen ein Gewerbe anmelden? Oder gilt das als freiberuflicher Autor?

    Jeder der User kann auf dieser Plattform eigene Artikel veröffentlichen.

    Viele Grüße
    Robin

    • Na jemand der schreibt, ist natürlich ein Autor. Da ist nichts speziell an dem Fall 🙂

  • Hallo und danke für den interessanten Artikel. Wenn ich mein Buch bei KDP-Amazon veröffentlichen möchte, agiere ich dann noch als Freiberufler, wenn ich einen Coverdesigner das Cover machen lasse? Und mein Buch auf anderen Plattformen bewerbe? Oder muss ich dafür ein Gewerbe anmelden?
    Gibt es noch etwas bei Coverdesignern zu beachten? Herzlichen Dank.

  • Danke für den sehr interessanten Artikel. Wie schaut es mit dem Status Freiberufler aus, wenn man seine Sachbücher (Ebooks) über digistore24 vertreibt? Zählt man dann als als Verkäufer von Produkten und muss somit ein Gewerbe anmelden? Vielen Dank vorab! 🙂

    • Ja, Digistore tritt nicht als Verkäufer auf. Man ist also selbst der Verkäufer.

  • Imho ist die herangehensweise nicht korrekt. Sowohl Amazon als auch Tolino behandel einen als Verleger und nicht als Autor. Man ist sozusagen der Händler. Ähnlich einer Person, die auf Ebay etwas verkäuft.

    Deswegen halte ich die Aussage oben für falsch und ziemlich irreführend.

    >Diese Vereinbarung enthält die Nutzungsbedingungen für Ihre Teilnahme an dem KDP Programm zur Eigenveröffentlichung5.1.1 Lieferung. Sie haben uns auf Ihre Kosten jedes Buch zur Verfügung zu stellen, das Sie im Rahmen des Programms vertreiben möchten.5.3.1 Bereitstellen Ihres Listenpreises.. Der von Ihnen bereitgestellte Listenpreis2.1 Nutzungs- und Vertriebsrecht
    Mit der Veröffentlichung des jeweiligen eBooks räumt der Verleger tolino media zum Zwecke des Verkaufs und der Vermarktung des eBooks das nicht-exklusive, übertragbare Nutzungs- und Vertriebsrecht an Dritte, insbesondere die Vertriebspartner, in unbearbeiteter und bearbeiteter Form ein. Diese Rechte sind weltweit und zeitlich unbefristet und lediglich nach Maßgabe dieser AGB widerrufbar.<

    • Die Interpretation ist falsch. Der Autor kann gar nicht der Händler sein, weil er die Kunden nicht kennt. Das ist eben bei Ebay anders. Die Vergabe von Nutzungsrechten ist ganz typisch für Autoren. Ein Verleger ist man nur, insofern es um Texte Dritter geht (was bei KDP und Tolino Media natürlich möglich ist). DAS wäre dann gewerblich. Aber auch dann wird der Verleger NIE zum Händler. Ein Händler kennt seine Kunden, das ist dort nicht der Fall.

      • Tut mir leid Matthias Matting. Aber diese Aussage ist falsch. Es würde mich freuen, wenn du ins Autorenweltforum kommst, um das Thema zu diskuttiern.

        Deine Annahme geht von falschen Vorrausetzungen aus. Mann muss den Endkunden nicht kennen. Woher nimmst du diese Definition von Handel? Es ist ein Warenkreislauf. Amazon sagt in seinen AGBs sogar selbst, dass man als SPler der Verlag ist. Siehe meine Beispiele.

        Bei Amazon bestimme ich den Preis, den Ort und die Zeit. Entsprechend bin ich gewerblich als Händler tätig. Amazon ist nur die Plattform, die zwischen mir und dem Endkunden steht. Das nimmt mich aber nicht aus dem Handel heraus.

        Außerdem ist deine Aussage, dass SPler per se Freiberufler sind. Auch das ist falsch. Jeder normle SPler verkauft neben Amazon auch auf anderen Plattforem.
        Dadurch tritt der Effekt des Abfärbens in Kraft. Schon allein deswegen werden alle Umsätze als gewerblich gelten.

        • Markus, deine Behauptungen sind schlichtweg falsch. Das sehen Finanzamt, KSK usw. alle so. Autoren sind keine Händler, das ist geradezu grober Unfug, das muss ich so sagen. Amazon, Thalia usw. sind Händler.

          • Natürlich sind Autoren keine Händler. Das habe ich nie behauptet. Es geht um Selfpuplisher.

            Selfpuplisher sind Gewerbetreibende, weil sie in erster Linie ihre Werke selbst verkaufen. Das sehen die Finanzämter, das Gewerbeamt und KSK ebenso. Ich habe keine Ahnung woher du diese Weisheit nimmst, dass das anders ist.

            Könntest du mir bitte die Regelung zeigen, auf die du dich beziehst?
            Es geht hier um die Autoren, die ihre Werke selbst auf diversen Plattformen verkaufen und die auch ihre Bücher bei Lesungen selbst verkaufen. Nicht um Verlagsautoren!

          • Das ist nun mal dein Irrtum. Selfpublisher verkaufen über Amazon, Thalia usw. keine Bücher. Sie verkaufen aus ihrem persönlichen Urheberrecht abgeleitete Nutzungsrechte. Wie jeder Autor. Das ist so. Es gibt kein einziges valides Argument dagegen, und es wird von allen Stellen, die es betrifft, auch so akzeptiert. Es sei denn, siehe Artikel, du stellst dich damit persönlich auf den Markt. Aber selbst dann ikommt es noch auf den Umfang an.

          • Deine Aussage zu “verkaufen aus ihrem persönlichen Urheberrecht abgeleitete Nutzungsrechte” stimmt in der Theorie. Nur leider ist sie hier falsch.

            Nur leider steht davon nichts in dem Vertrag, den man mit Amazon abschließt. Es ist zwar redlich, dass du dich darauf berufst, nur leider hat das nichts mit Amazon-Kdp zu tun.

            Du kannst mich auch sehr gern vom Gegenteil überzeugen und mir die entsprechenden Passagen zeigen.

            Wie in meinem ersten Post bewiesen, geht Amazon von einem anderen Sachverhalt aus. Und zwar, dass man als Person selbst veröffentlicht.

          • Tolino widersprich sogar noch deutlicher deiner seltsamen Rechtsauffassung.
            (…)Verleger“ bezeichnet selbstverlegende Autoren sowie Vertreter eines Autors. Dies beinhaltet somit jede Person, die sich registriert und die Leistungen von tolino media nutzt. (…)

          • Es ist völlig irrelevant, was in irgendwelchen AGB steht. AGB sind Vereinbarungen zwischen zwei Parteien, nicht mehr und nicht weniger, sie definieren nicht geltendes Recht (tatsächlich verstoßen sie sogar oft dagegen, Zitate daraus belegen deshalb rein gar nichts). Selfpublisher verkaufen nun mal keine Bücher, das tun andere für sie, genau wie bei jedem anderen Autor. Relevant ist, was faktisch passiert: die Übertragung von Nutzungsrechten, nur damit können Amazon oder Thalia oder wer auch immer Bücher und E-Books mit den Inhalten des Autors verkaufen. Deshalb teilen deine Theorie auch weder Finanzämter noch KSK.

            Neobooks, die sehr ähnliche AGB wie Tolino haben, hat mir das auch schriftlich bestätigt: “Auf der Grundlage der neuen AGBs vertreibt neobooks die Werke nicht als Vertreter in Namen und auf Rechnung der Autoren, sondern als Kommissionsagent im Namen von neobooks. Gegenüber den Endkunden tritt der Autor nicht in Erscheinung, sondern nur neobooks … Aus alledem folgt, dass der Autor selbst auch nach den neuen AGBs tatsächlich keine Verlagstätigkeit ausübt, sondern diese von i-lab erbracht wird. Insoweit haben sich durch die neuen AGBs und die Umstellung auf das Kommissionsmodell keine Änderungen ergeben… Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass die Erlöse der Autoren aus dem Verkauf ihrer ebooks über neobooks für Zwecke der Besteuerung weiterhin als Einkünfte aus selbständiger (schriftstellerischer ) Tätigkeit zu qualifizieren sein sollten und der Verkauf der ebooks über neobooks für den jeweiligen Autor keine gewerbliche Tätigkeit und keinen anmeldepflichtigen Gewerbebetrieb für den Autor begründen”.

            Ein Glück auch. Ansonsten kostet diese Diskussion nur wertvolle Lebenszeit. An dieser Stelle ist sie denn auch hiermit offiziell beendet. Danke für deine interessante Meinung, auch wenn ich sie ganz und gar nicht teile.

      • Das Problem ist, dass viele SPler aufgrund deiner Aritkel glauben, sie wären Freiberufler, obwohl sie munter auf allen möglichen Plattformen ihre Bücher und eBooks verkaufen und eben deswegen Gewerbetreibende sind.

        Ich will dich hier nicht irgendwie deswegen blöd anmachen. Ich mag deine Artikel. Meines erachtens hast du mit deinen Beiträgen aber für erhebliche Verwirrung gesorgt.

        Du vermengst Verlagsautoren und SPler und das klappt aus steuerrechtlicher und gewerberechtlicher SIcht nicht.

        • Ihre Rechtsauffassung hierbei ist leider völlig falsch. Wie Herr Matting völlig richtig schreibt, ist der Schriftsteller ein Angehöriger der Freien Berufe. Diese sind in § 1 Abs. 2 Satz 2 Partnerschaftsgesellschaftsgesetz – PartGG legal definiert. https://www.gesetze-im-internet.de/partgg/__1.html
          Dabei ist es natürlich völlig unerheblich, wie der Autor seine Werke verkauft. Ob er dies über einen Dritten (=Verlag) erledigen lässt, oder ob er dies selbst tut (selfpublishing). Das ändert an seiner Eigenschaft als Freiberufler nichts. Wieviel man mit dem Verkauf seiner Werke verdient ist ebenfalls unerheblich. Genauso unerheblich ist natürlich, was irgendeine Plattform in seine AGB schreibt.
          Sehr viele Journalisten z.B. sind als Freie Journalisten tätig und fallen auch unter die Freien Berufe nach §1 PartGG. Sie verkaufen ihre Storys an Medienverlage, die diese dann in ihren Publikationen veröffentlichen. Auch diese Journalisten sind natürlich keine Gewerbetreibenden, obwohl sie im Grunde nichts anderes tun, als die Autoren auf den Plattformen bei Amazon und Co.
          Ein “Freier Beruf” bedeutet ja nicht, dass man damit kein Geld verdienen darf, oder dass man nicht selbstständig sein darf. Auch Ärzte mit eigener Praxis und Rechtsanwälte mit eigener Kanzlei, die beträchtliche Gewinne machen unter Umständen, gehören selbstverständlich nicht zu den Gewerbetreibenden.

    • Wer freiberuflich tätig ist, schafft Werte. Zum Beispiel Dienstleistungen oder Kunstwerke, die als Ware einen Markt betreten (sollen). Der Maler Bilder, der Bildhauer Plastiken, der Autor Texte usw. Der Architekt Projektentwürfe, der Sachverständige Gutachten… So lange diese Ergebnisse freiberuflicher (schöpferischer) Tätigkeit allein deshalb zur Verfügung gestellt werden, um diese Wertschöpfung auf dem Markt (als Wert) zu realisieren, befindet sich der Freiberufler auch ohne Gewerbeanmeldung auf der rechten Seite. Auf freiberuflicher Basis ein Bild zu schaffen, das dem Markt vorenthalten wird, wäre schließlich Unsinn, soll die Tätigkeit sinnvollerweise dem Lebensunterhalt dienen. Es wäre keine freiberufliche Tätigkeit, sondern Hobby oder was auch immer.

      Der Autor, der sein Manuskript auf dem Markt anbietet – unabhängig, ob er es in eine materielle Form gepackt hat; also selbst zu einem Buch gemacht, oder als Beitrag in einer Zeitschrift veröffentlicht – bleibt ein klassischer Freiberufler. Selbst dann, wenn er für die Umsetzung seines Projektes inhaltlich (z.B. Zukauf von Fotos für einen Bildband) oder für die technische Umsetzung (z.B. Druck eines Buches, ohne das es kaum geht) Fremdleistungen in Anspruch genommen hat.

      Grenzwertig kann es werden, wenn ein Autor viel produziert, die Herstellung und Vermarktung der so entstandenen Bücher selbst übernimmt und dafür einen E-Shop einrichtet. Die Finanzämter (und noch mehr IHKs, Verbraucherzentralen u.a.) sehen für Shops grundsätzlich Bedingungen erfüllt, die eine Gewerbeanmeldung verlangen; m.E. aber ist diese nicht zwingend notwendig, wenn tatsächlich nur eigene Werke angeboten werden. Eine klare(re) Rechtssprechung hierzu wäre wünschenswert.

      Sobald ich jedoch für Dritte (Fremdautoren) die Organisation von Herstellung von Büchern und die Organisation deren Verkaufes organisiere, ist dies nicht mehr mit Freiberuflichkeit zu vereinbaren. Denn hier kommt zum Element der schöpferischen Begabung (die ein zwingendes Kriterium für Freiberuflichkeit ist) das Element des gewerblichen Angebotes von handwerklichen bzw. organisatorischen Dienstleistungen. Und das Element Handel.

      Bleibt ein Autor mit seinen verlegerischen Aktivitäten also bei seinen eigenen Schöpfungen, so wird m.E. jedes Finanzamt die Freiberuflichkeit anerkennen. Erweitert er sein Tätigkeitsfeld um das Element Handel (z.B. Shop, in dem Dinge|Bücher von Dritten angeboten werden) oder um das Element (z.B. technische, organisatorische) Dienstleistungen rund um das Verlagswesen, so ist eine Gewerbeanmeldung m.E. unumgänglich.

      Die Frage nach Vertriebswegen ist meiner Meinung nach Fliegenfängerei, wenngleich in der Praxis auch immer wieder ein Ansatzpunkt zur Polemik. Bücher werden nunmal vornehmlich über KNV, Libri, Umbreit und Co. an die Verbrauer gebracht. Amazon ist meines Wissens nach auch jemand, der sich dem Buchvertrieb verschrieben hat. Es wäre doch schlimm, wenn ein Maler sein Bild nicht in einer etablierten Verkaufsgalerie anbieten dürfte, ohne ein Gewerbe anzumelden… 😉

  • Hallo!
    Wie verhält es sich, wenn ich auf Amazon (KDP) Werke verkaufe, die von einem Ghostwriter geschrieben wurden? Ich muss den Ghostwriter ja für seine Leistung bezahlen…

    • Das ist eine verlegerische (gewerbliche) Tätigkeit. Nur selbst schreiben ist freiberuflich.

  • Hallo,
    wie ist es, sollte ich bevor ich das erste Buch bei Amazon zum Verkauf anbiete, mich beim Finanzamt melden? Oder langt es bei der ersten Auszahlung von Amazon.
    Um dann den Finanzamt zu zeigen wie die ca. Prognose der Gewinne ist, das ich noch unter der Freigrenze liegen werde?

    Vielen Dank.
    Schöne Grüße M. Walter

    • Ganz genau genommen vor Aufnahme der Tätigkeit. Eine Freigrenze gibt es nicht.

  • Sehr geehrter Herr Manning,
    ich beabsichtige, als Beamter im Ruhestand mit dem Schreiben von Thrillern zu beginnen und danke Ihnen zuvörderst für die umfassenden hilfreichen Informationen, die Sie gratis zur Verfügung stellen. Soeben habe ich mir die gedruckte Ausgabe Ihrer Selfpublisherbibel bestellt, habe aber das dringende Bedürfnis, eine Frage schnellstmöglich vorab zu klären: Solange ich nur schreibe, bin ich noch Freiberufler, nicht Gewerbetreibender. Muss ich ein Gewerbe anmelden, wenn ich über Kindle Direct Publishing ein e-Book bei Amazon anbiete? Falls auch dann noch nicht, wird es denn nötig werden, wenn ich parallel dazu meinen Thriller über Amazon Create Space als Print-on-demand-Buch anbiete?
    Vielleicht bin ich nicht der einzige Anfänger, dem eine kurze und klare Antwort in dieser Sache weiter helfen würde.
    Mit Dank und freundlichen Grüßen
    Hans Peter Schlinkmann

    • Nein, es ist nicht nötig, ein Gewerbe anzumelden, siehe auch im Artikel, wann es doch nötig wird (und nur dann ist es nötig).

  • Vielen Dank für den Artikel. Nur eine Sache verstehe ich irgendwie nicht: ” Auch der Verkauf eigener Bücher in Ihrem eigenen Shop ist grundsätzlich gewerblich.”
    Wieso ist der Verkauf meiner eigenen Bücher ein Gewerbe, wenn ich sie selbst verkaufen, aber eine freiberufliche Tätigkeit, wenn ich sie über Amazon oder NeoBooks verkaufe? Ist das wieder so was mit Bürokratie? Für mich verkaufe ich immer mein “geistiges Produkt” aus meiner freiberuflichen Tätigkeit. Oder zähle ich bei meinem eigenen Shop als “Verleger” / “Verkäufer” und bei Amazon als irgendetwas anderes? Und ist es ein Unterschied, ob ich bei Amazon KDP / KU mein Buch anbiete oder selbst einen Amazon-“Shop” hätte, aber bei einem Ebook alles über Amazon läuft? Ich habe nämlich auch gesehen, dass man jetzt über Plattformen wie Etsy auch seine Ebooks verkaufen kann unjd da frage ich mich, ob das “mein eigener Shop” ist oder wie bei Amazon, da ja Abrechung etc. über Etsy läuft.
    Alles gar nicht so einfach, wenn man alles richtig machen will? Aber ich fände es natürlich einfacher, wenn ich nur eine Steuererklärung als Freiberüflerin machen müsste, will mich aber auch nicht einschränken müssen bei den Plattformen.

    LG Kati

    • Der Unterschied ist, was man verkauft: Produkte (Bücher im eigenen Shop) oder Rechte (KDP / Distributor). Nur letzteres ist freiberuflich. Sobald man selbst zum Verkäufer von Produkten wird (also auch im eigenen Amazon-Shop) ist es ein Gewerbe.

      • Danke. Jetzt habe auch ich es endlich verstanden.

  • Eine Frage: wenn ich nur über Amazon (KDP Print oder Create Space) verkaufe, bin ich immer noch nur ein Freiberufler? Und wenn ich noch dazu auf eigener Webseite mein Buch verkaufe, dann brauche ich eine Gewerbe – aber lohnt es sich (und geht es?) die zwei Einnahmen irgendwie zu trennen (angenommen beides wird tief unter der 17500EUR Kleinunternehmer-Grenze liegen)?

    • Ja, das kann und muss man dann trennen. Eins ist freiberuflich, das andere gewerblich.

      • Hallo,
        vielen Dank erst einmal für die ganzen tollen Infos auf dieser Website!
        Weiter oben wurde darüber geschrieben, dass man als Autor sowohl Freiberufler als auch Gewerbetreibender sein kann und die Einnahmen jeweils trennen muss. Bedeutet das dann auch, dass ich auf beiden Wegen die Kleinunternehmer-Grenze von 17.500€ ausschöpfen kann? Dann könnte ich ja theoretisch 34.998€ als Kleinunternehmer verdienen, wenn es jeweils zur Hälfte als Freiberufler und in meinem eigenen Shop verdient wird.
        Wie wurden in so einem Fall denn Anschaffungen gewertet? Z.B. ein neuer PC, auf dem ich meine Bücher schreibe?

        • Nein, man hat nur einmal 17.500 €, das gilt über alle Tätigkeiten.

  • Ich habe doch noch eine Frage. Wenn ich als Autor Freiberufler bin und für die Vermarktung einen Verlag als Kleingewerbe habe, darf ich mir dann 1x jährlich oder eher Monatlich entsprechend dem Gewinn, anteilig ein Honorar an mich selbst überweisen? Und: Muss ich dann als Verlag an die KSK für dieses Honorar zahlen?

  • Zitat: »Das Verlegen von Büchern anderer Autoren ist keine freiberufliche Tätigkeit mehr. Auch der Verkauf eigener Bücher in Ihrem eigenen Shop ist grundsätzlich gewerblich. Als Freiberufler können Sie das nur in minimalem Umfang betreiben«. … Dazwischen liegt sehr viel, was mir nicht klar ist. Wenn man KEINE fremden Bücher verlegt, wenn man KEINEN eigenen Shop hat, aber über Amazon und an alle Verkauft, die einen im Internet finden und anschreiben, sowie die Bücher bei Kochevents und Vorträgen anbietet … ist das dann gewerblich? Dazu dann gleich noch eine Frage: Wenn ich die Bücher über ein Gewerbe verkaufe und Freiberufler als Autorin bin – meine Bücher sind ja bereits geschrieben – dann verdiene ich ja als Freiberufler gar nichts mehr – ich habe nicht vor weitere Bücher zu schreiben. Momentan ist es ein Nebenerwerb und die Verkauften Bücher sind sozusagen nach Abzug der Druckkosten mein Honorar.

    • Es hängt immer vom Umfang im Vergleich zur freiberuflichen Tätigkeit ab, eine feste Grenze, ab wann es gewerblich ist, gibt es nicht. Finanzamt fragen!

      • Vielen Danke für die schnelle Auskunft.

  • Hi, habe schon viel gutes Input über die Seite hier bekommen und frage mich jetzt Folgendes:
    Ich bin Selfpublisher, bei der KSK angemeldet und verkaufe ausschließlich über Amazon. Zahle meine Steuern als Kleinunternehmer, habe kein Gewerbe (weil verkaufe nur wenig TB-Exemplare von mir aus).
    Würde jetzt gerne zur Buch Berlin nächstes fahren und einen Stand aufmachen, mit zwei Bekannten (wobei die Anmeldung über mich laufen soll).
    Muss ich dafür ein Gewerbe anmelden? Ich habe im Kopf, mal gelesen zu haben, dass man, so lange man nicht den Hauptgewinn aus solchen Einnahmen erzielt (was mir nicht passieren wird), kein Gewerbe angemeldet werden muss. Ist das richtig? Oder gibt es einen Hinweis, dem ich folgen kann? Ich wäre dankbar für alles, wir wolle das nächstes Jahr evtl. machen 🙂
    Danke vorab! 🙂

  • Super Beitrag!! Wenn ich mein eBook über einen Webshop wie STRATO verkaufe, muss ich ebenfalls kein Gewerbe anmelden, richtig?

  • Interessanter Artikel, Danke dafür.
    Ich blicke aber leider noch immer nicht durch den Dschungel hindurch. Ich schreibe und veröffentliche ebooks über Neobooks und co. Also bin ich Selbstverleger. Meine Verkäufe sind nicht nennenswert. Honorar erhalte ich im Jahr etwa nur knapp 10,- Euro. Sehe es mehr als Hobby, das Finanzamt sieht es aber als freiberufliche Tätigkeit an und will mich zwingen, den “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” einzureichen. Vom Finanzamt bekomme ich leider auch keine Antworten auf meine ganzen Fragen. Die geben mir immer nur die Eine: Als Autor beabsichtige ich eine Gewinnerzielung und damit selbstständige Tätigkeit. Ende.
    Ich sehe es aber anders. Ich bin Hausfrau und schreibe nebenbei. Wie soll man das denn nur beweisen?

    • Der Beweis wäre, wenn die Ausgaben drei Jahre lang über den Einnahmen liegen. Wenn ein Gewinn verbleibt, gilt es nie als Hobby.

      • Lohnt sich da der Aufwand, Bzw. eine Meldung beim FA und die damit verbundene jährlichen Erklärungen? Anlage EÜR und S sinds, glaube ich. Ich habe nur Angst, dass ich dabei in einen finanziellen Ruin stolpere, da ich mich dann ja auch bei der KSK anmelden muss, wo ja wiederum Beiträge fällig sind. Das ist alles so undurchschaubar für jemanden wie mich. Im Netz findet man überall andere Aussagen dazu. Das FA, von dem ich mir Hilfe erhofft hatte, lässt mich leider im Regen stehen.

        • Die KSK nimmt Autoren erst ab einem Mindestverdienst. Und wenn der gegeben ist, dann ist sie vorteilhaft, weil sie die Hälfte der Krankenkassenbeiträge zahlt. Freiberufliche Einnahmen MÜSSEN ans Finanzamt gemeldet werden, ist nicht zu vermeiden. Sonst eben die Bücher verschenken.

          • Danke für Ihre Hilfe, Herr Matting.

            Lieben Gruß

      • Aller Respekt. Bei 10€ im Jahr sich motivieren zu können, das verlangt Respekt. Man schreibt aus Passion nicht wegen des Geldes, das ist klar, aber der Anspruch ist ja verständlich, dies nicht nur sich selbst zu tun. Wobei 10€ im Jahr in 2500 Jahren auch 25.000€ sind. Allerdings weit weg vom Mindestlohn. Mein allergrößter Respekt. Ich veröffentliche soeben über Neobooks, bin natürlich schon sehr gespannt.

  • Die Kleinunternehmerregelung soll Freiberuflern und Selbständigen das Leben erleichtern, wirft aber auch selbst einige Fragen auf (wie es oft im deutschen Steuerrecht vorkommt). Wichtige Fragen dazu werden in einem Artikel bei http://www.freelance-market.de/d/die-kleinunternehmerregelung-fragen-und-antworten-fur-selbstandige-unternehmer-und-freiberufler beantwortet (Was ist die Kleinunternehmerregelung? Für wen gilt diese? Welche Vor- und Nachteile bringt?).

  • Ein sehr hilfreicher Beitrag. Danke.

    Allerdings scheint es mir nur zwei Möglichkeiten zu geben, wenn ich eigene ISBNs möchte: Entweder ich erhalte nur 1-2 oder, wenn ich mehr als das brauche, dann benötige ich dafür eine Verlagsnummer, muss also einen Vertrag gründen/ein Gewerbe anmelden.

    Sehr verwirrend, die vielen unterschiedlichen Aussagen, die man so in den Untiefen des Internets findet…

  • Vielen Dank für diesen hilfreichen Beitrag und für den Kommentar dazu!
    Liebe Grüsse Annina Boger

  • Ich habe meinen kleinen Eigenverlag abgemeldet, um mich bei der KSK zu bewerben. Nachdem ich Mitglied wurde, fragte ich nach, ob ich auch mit Verlag in der KSK bleiben kann. Das war kein Problem, und den Verlag habe ich dann wieder angemeldet. Man sagte mir nur, dass ich mich wieder melden soll, wenn ich andere Autoren verlegen sollte.

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