Crowdfunding für Autoren: Sechs nützliche Regeln plus Anbieter-Übersicht

Ohne Crowdfunding gäbe es die Selfpublisherbibel nicht: Wer uns schon von Anfang an verfolgt, weiß, dass das Blog auf einer (nicht erfolgreichen) Crowdfunding-Kampagne beim deutschen Anbieter Startnext zurückgeht. Inzwischen haben sich die Zeiten gewandelt: Auch Autoren gehen inzwischen erfolgreich mit diesem Werkzeug um, das eine Buchveröffentlichung zumindest teilweise vorfinanzieren kann.

Die Grundidee von Crowdfunding ist immer dieselbe, egal um welche Art von Projekt es sich handelt: Der Starter versucht, Menschen davon zu überzeugen, ihn bei der Verwirklichung seiner Idee zu unterstützen. Die Fans geben etwas (meist einen mehr oder weniger hohen Geldbetrag) und erhalten dafür das Produkt oder / und ein Dankeschön. Dabei kann es sich auch um Dinge ohne Geldwert handeln, etwa eine Widmung oder die Möglichkeit, die Hauptfigur des Buches zu benennen.

Da auch soziale oder künstlerische Projekte auf diese Weise finanziert werden können, halten manche Nutzer ihre Einzahlung für eine Art Spende. Tatsächlich handelt es sich jedoch bei fast keinem Anbieter darum – vielmehr verpflichtet sich der Projektstarter, dafür eine Gegenleistung zu liefern (was bei einer Spende nun gerade nicht der Fall ist).

Regel Nummer 1: Die meiste Arbeit haben Sie vor dem Start der Kampagne

Aber natürlich spielt, ähnlich wie beim Spenden, die Beziehung zwischen Unterstützer und Projektstarter eine große Rolle. Daraus leitet sich auch schon Regel Nummer 1 ab: Diese Beziehung erst auf der Crowdfunding-Plattform schaffen zu wollen, funktioniert selten. Der Projektstarter, also der Autor, sollte bereits eine Fan-Gemeinde mitbringen, von der er sich Unterstützung erwarten kann.

Ja, auch die Nutzer des entsprechenden Portals lassen sich oft aktivieren, sind sie doch dem Thema gegenüber schon einmal aufgeschlossen. Doch zum Erfolg genügen sie allein meist nicht. Andererseits können die bei der Finanzierung vielleicht neu gewonnen Fans hilfreich sein, wenn das Buch dann wirklich startet. Entspricht das Ergebnis ihren Erwartungen, tragen sie ihr Lob in ihre eigenen Kreise.

Regel Nummer 2: Crowdfunding kostet Zeit

Während der Kampagne müssen Sie mit Fans und potenziellen Fans in Kontakt bleiben, auf allen Kanälen. Das kostet Zeit, die Ihnen zum Schreiben fehlt. Wenn die Kampagne abgeschlossen ist, müssen Sie Ihre Fans auf dem Laufenden halten. Und ist das Buch schließlich fertig, müssen Sie sich um die Dankeschöns kümmern.

Regel Nummer 3: Crowdfunding kostet Geld

Zunächst müssen Sie eine perfekte Präsentation erstellen. Brauchen Sie vielleicht einen Grafiker für Bilder und Video? Zwar ist das Einstellen eines Projekts meist kostenlos, doch bei erfolgreichem Abschluss werden oft Gebühren fällig, die bis zu zehn Prozent betragen können. Noch gieriger ist meist das Finanzamt; je nach Ihrer persönlichen Steuerlast müssen Sie die finanzierte Summe versteuern. Und dann sind da noch die Dankeschöns, die Sie produzieren und verschicken müssen.

Regel Nummer 4: Crowdfunding braucht Werbung

Haben Sie schon immer gern Freunde und Verwandte um ein paar Euro gebeten? Genau das wird beim Crowdfunding Ihre erste Sorge sein. Potenzielle Fans, die Sie noch nicht kennen, sehen sich die Dynamik Ihrer Aktion an. Niemand investiert gern in ein Projekt, das nicht vom ersten Tag an Geld sammelt. Die US-Seite Rockethub schätzt, dass Sie zum Einwerben von 10.000 Dollar pro Tag bis zu zwei Stunden investieren müssen – in E-Mails, Telefonate, persönliche Gespräche.

Ihr Arbeitsaufwand beim Crowdfunding (Quelle: Rockethub)

Regel Nummer 5: Crowdfunding verpflichtet

Nicht nur, dass Sie sich bei erfolgreicher Finanzierung verpflichten, das versprochene Produkt zu liefern: Sie müssen auch, zumindest ungefähr, die Deadline einhalten, die Sie angegeben haben. Ein, zwei Monate Verspätung sind Crowdfunding-Profis zwar gewohnt, und auch sechs Monate kommen vor – doch Sie sollten mit dem Gefühl leben können, dass Ihnen da jemand im Nacken sitzt und auf das versprochene Buch wartet.

Regel Nummer 6: Crowdfunding braucht die passende Plattform

Jede Plattform hat ihre Vor- und Nachteile. Kickstarter nimmt keine Starter mit deutscher Adresse. Auf Indiegogo gehen Sie vielleicht in der Vielfalt unter, beim deutschen Krautreporter haben Sie mit Belletristik keine Chance. Vergleichen Sie die Gebühren – und prüfen Sie, wo Sie Ihre Zielgruppe am besten erreichen. Sie bringen schon viele Fans mit? Dann braucht die Crowdfunding-Plattform nicht groß zu sein. Sie hoffen auf Unterstützung aus der Community? Dann gehen Sie dorthin, wo alle sind (und bereiten sich darauf vor, auch mal laut werden zu müssen, damit man Sie hört).

PlattformSpracheFinanzierungKostenBemerkungen
StartnextDeutsch / EnglischNur bei Erfolgab 1% (wählbar) plus 4% ZahlungskostenGrößte deutsche Plattform
IndiegogoDeutsch / EnglischFlexibel / Nur bei Erfolg wählbar5% bei Erreichen des Ziels, sonst 9%. Plus Paypal-/Kreditkartengebühr (3%).Flexible Finanzierung möglich
KickstarterDeutsch / EnglischNur bei Erfolg5% der Summe plus Zahlungsgebühr (3-5%)Größte internationale Plattform
UnboundEnglischNur bei Erfolg50% vom GewinnAutor muss sich mit einem Pitch bewerben. Erfolg resultiert in Veröffentlichung des Buchs durch den Betreiber.
We make itDeutschNur bei Erfolg6% der Summe plus 4% TransaktionsgebührSchwerpunkt auf kreativen Projekten
VisionbakeryDeutschNur bei Erfolg10% der Summe plus 1,9% TransaktionsgebührZweitgrößte deutsche Plattform

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

11 Kommentare

  1. Dass wir seinerzeit mit dem Crowdfunding für die Selfpublisher-Bibel nicht den gewünschten Erfolg hatten, hängt auch mit der Spezifik der Zielgruppe zusammen, die am liebsten alles im Netz gratis bekommen möchte und (Arbeits)leistung ungern anerkennt.

    In dieser Hinsicht ist ein Paradigmenwechsel erforderlich. Dann würden sich auch schwarmfinanzierte Buchprojekte lohnen.

  2. Im Zuge meiner Recherchen zu bzw. Vorbereitungen auf meine hoffentlich bald kommende Erstveröffentlichung, warfen sich mir unter anderem die Fragen “Eigener Verlag zwecks günstigerer eigener ISBN ja/nein?” und “Wäre Crowdfunding für mich eine realistische Finanzierungsoption und wenn ja, bei welcher Plattform?”, stieß gleich zu Anfang auf diesen Artikel.

    Das dürfte allerdings auch kein Wunder sein, weiß Tante Google doch zu gut, wie oft ich hier bin.

    Zu allererst: Toller Artikel, wie (fast) immer.

    Nur einen Punkt will/muss ich (zumindest aus meiner Sicht) bemängeln.

    100 Fans…
    Ich hab mir die Seite mal angeschaut.
    Recht übersichtlich.
    Und damit meine ich nicht nur das Design, sondern auch und vor allem die bisherigen Erfolge.
    Ich kann sie zwar nicht an einer Hand abzählen, bricht man sie aber auf die Jahre runter, die die Seite schon besteht, reichen dafür immerhin zwei (Hände).

    Zusätzlich gibt es, nicht nur in deren AGB (Welche bei denen AGBs genannt werden *schauder*) einiges an Layoutfehlern, deren Herkunft ich als technischer Laie nicht beurteilen kann.
    In den AGB findet man auch den Autorenvertrag, der, im Falle eines Erfolgs
    Anwendung findet.
    Die Betreiber sind zwar nicht der Meinung, dass man seine Rechte komplett in den Wind schießt (siehe dazu auch ein Artikel auf PhantaNews unter http://bit.ly/2sV166j), doch ich teile die Ansicht des Betreibers des soeben genannten Blogs, dass der Passus

    “§ 3 Rechtseinräumung
    3.1 Der Autor räumt dem Verlag an dem Werk die räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkten, ausschließlichen Nutzungsrechte für alle bekannten und unbekannten Nutzungsarten ein. Die Rechtseinräumung erstreckt sich auf die Verwertung der Nutzungsrechte sowohl im eigenen Verlag als auch durch entgeltliche oder unentgeltliche (auch teilweise) Vergabe von Rechten an Dritte sowie auf alle Ausgaben und Auflagen und in allen Sprachen, insbesondere auf die folgenden Rechte:”,

    sowie alle weiteren, dieses Thema betreffende Paragraphen des Vertrags (zu finden unter https://100fans.de/agb/) dieser Aussage komplett widerspricht.

    Weiters herrscht auf der Facebookseite der Plattform (immerhin etwas über 500 Likes *Unser Jubel here) fast gähnende Leere.
    Ein paar Beiträge aus diesem Jahr und dann klafft da auch schon eine “kleine” Lücke, die immersing bis ins Jahr 2015 reicht.

    Nach Unterstützung der Projektinitiatoren und dem Rühren der Werbetrommel für Laufende, sowie erfolgreiche Projekte, sieht das für mich nicht aus.

    Ich habe, um dem Betreiber gegenüber fair zu sein, über dessen Facebook Kanal Kontakt aufgenommen und dort zumindest die ganzen Fehler und die Leere auf der FB Präsenz angesprochen.

    Kurz zusammengefasst lautet die Antwort in etwa: “Ja, du hast Recht. Deswegen wollen wir auch Umstrukturierung und nehmen erstmal keine neuen Projekte an.”.

    Aufgrund aller dieser Tatsachen halte ich persönlich, die 100 Fans eher weniger für Crowdfunding im eigentlichen Sinne und somit, gerade für Neulinge wie mich, ungeeignet.

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