Sieben Dinge, die Sie sich bei Facebook besser verkneifen sollten

Als Autorin oder Autor in den sozialen Medien unterwegs zu sein, ist nicht nur aus Marketing-Sicht eine gute Idee: Man kann sich bei Facebook & Co. auch bequem mit anderen Schreibenden austauschen – so lässt sich der oft einsame Job am Schreibtisch mit etwas Kantinen-Gespräch aufbessern.

Ich selbst bin seit ewigen Zeiten bei Facebook registriert. Ich freue mich auch immer über Freundschafts-Anfragen. Manchmal kommt es allerdings vor, dass die neuen Bekanntschaften vor lauter Übereifer schlechte Gewohnheiten entwickeln. Stellen wir uns doch einfach mal vor, Sie würden mich auf einer Buchmesse treffen (2020 keine allzu realistische Idee, leider). Vermutlich werden Sie mir nicht als allererste Handlung Ihr neues Buch in die Hand drücken. Bei Facebook passiert aber genau das regelmäßig. Deshalb hier meine persönliche Liste der Dinge, die Sie als Facebook-Neueinsteiger*in besser lassen sollten.

1. Like mich!

Oft erreicht mich Sekunden nach der Annahme einer Freundschaftsanfrage eine zweite Botschaft: Bitte gib mir ein Like für meine Autoren- oder Buchseite. Das ist … unhöflich, höflich formuliert. Wenn wir uns besser kennen, stoße ich vermutlich irgendwann sowieso auf deine Seite, und wenn sie mir gefällt, werde ich ihr ein Like geben.

2. Penetrante Werbung

Apropos: die Facebook-Algorithmen sind so programmiert, dass mir Beiträge von all den Seiten häufiger angezeigt werden, die ich geliked habe. Da wäre es natürlich schön, wenn ich auch interessante Texte lesen könnte statt dauernder Werbung für dein neues Buch (das ist nebenbei nicht nur spannend für mich, sondern auch wichtig für dich – wenn ich die Beiträge nämlich ignoriere, bekomme ich in Zukunft weniger davon angezeigt und irgendwann gar nichts mehr). Vermeide es also, auf deiner Seite nur Werbung zu veröffentlichen. Die Dosis macht das Gift…

3. Zwangseinladung in Gruppen

Nicht ganz so häufig werde ich ungefragt zu fremden Gruppen hinzugefügt. Dass das nicht so oft passiert, liegt vermutlich daran, dass Neulinge die Gruppen-Funktionalität erst einmal finden müssen. Für mich ist das ungefähr dasselbe, als würdest du mich mal schnell zwingen, dich zuhause zu besuchen. Wenn du meinst, eine für mich interessante Gruppe gefunden zu haben: frag mich!

4. Andere für sich arbeiten lassen

Wer mich kennt, der weiß, dass ich bei Problemen stets hilfsbereit bin. Es wäre jedoch schön, wenn du zuvor deine Hausaufgaben gemacht hast, also dein Problem zumindest mal gegoogelt oder die Suchfunktion der Facebook-Gruppe bemüht hast. Allgemeine Fragen wie “Wie soll ich mein E-Book vermarkten” wurden schon so oft gestellt und ausführlich beantwortet, dass du dazu jede Menge nützliches Wissen finden wirst. Wenn du dann vor einem bestimmten Problem stehst – frag, ich freue mich.

5. Um Aufmerksamkeit betteln

Ich bin relativ oft online – wenn es irgendwie zu dem passt, woran ich gerade arbeite. Wenn ich dann Beiträge sehe, bei denen ich helfen kann, dann helfe ich. Wenn ich z.B. bei einer Technikfrage nicht antworte, kenne ich entweder die Lösung nicht oder ich habe gerade keine Zeit. In beiden Fällen hilft es nicht, mich durch Markieren meines Accounts speziell darauf aufmerksam zu machen. Es kann natürlich gute Gründe geben, andere Nutzer in einem Beitrag oder Foto zu markieren. Doch überlege bitte zuvor, ob das wirklich sinnvoll ist. Insbesondere bei Fotos mögen es auch viele Facebook-Nutzer nicht, wenn ihr Name mit ihrem Bild assoziiert wird. Das Netz weiß ja nun wirklich schon genug über uns …

6. Kettenbriefe weiterleiten

Wer noch auf einer Schreibmaschine getippt hat, kennt ihn: den guten alten Kettenbrief, den man an zehn Freunde schicken sollte, damit dies und jenes passiert oder nicht passiert. Der moderne Kettenbrief kommt als E-Mail oder Facebook-Posting. Er tarnt sich meist ganz gut, ist aber bei aller Tarnung doch immer sehr gut zu erkennen: Es findet sich nämlich immer die Bitte darin, den Inhalt möglichst vielen Facebook-Freunden weiterzugeben. Unbedingt teilen! Warne all deine Freunde! Ob du per Posting dein Urheberrecht auf deine Beiträge wahren, die gesunkene Facebook-Reichweite verbessern, einen Wohnwagen oder ein TinyHouse gewinnen oder vor einem Virus warnen sollst: Lass es sein!

7. Privates auf fremde Pinnwände schreiben

Wenn du dich freust, dass wir uns online getroffen haben, dich mir vorstellen willst, etwas Interessantes gefunden hast: Schreib mir eine Nachricht! Poste es nicht auf meine Pinnwand. Wenn du mir im richtigen Leben etwas mitteilen willst, heftest du ja auch keine Zettel an meine Haustür, sondern wirfst sie in den Briefkasten (ausgenommen sind hier Geburtstags-Wünsche, da ist es bei Facebook durchaus üblich, sie direkt an die Pinnwand zu schreiben).

Es gibt noch einige andere Verhaltensweisen, mit denen Sie als Neuling erfahrene Facebook-User ärgern können, womöglich sogar ganz unbeabsichtigt. Falls Sie sich unsicher sind: fragen Sie sich selbst, ob das, was Sie vorhaben, im richtigen Leben akzeptabel wäre. Wenn nicht, sollten Sie es auch bei Facebook sein lassen. Die Tipps gelten übrigens nicht nur für Autor*innen.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

3 Kommentare

  1. Danke für das gute Blog, ich kann alles nur unterstreichen. Was für mich auch absolut lästig ist, sind Freundschaftsanfragen ohne jegliche Begründung. Ich überlege mir dann, ob ich den entsprechenden Menschen kenne, meist ist das nicht der Fall. Irgendwie schmerzt es mich aber, die Anfrage abzulehnen, da ich ja auch nicht un”freund”lich sein möchte. Dennoch lehne ich derlei unbegründete Freundschaftsanfragen selbstverständlich ab. Übrigens sollte man auch bei Bekannten, die man nicht ständig sieht, z. B. bei ehemaligen Klassenkameraden, einen kurzen Text zur Freundschaftsanfrage schreiben, das ist auf jeden Fall höflicher als die blanke Anfrage.

  2. Andere für sich arbeiten lassen …
    Das geht mit der Kombination Unwissenheit und Faulheit wie von selbst. Schön vorher einschleimen: “Du bist mein absoluter Lieblingsautor, welches Buch hast du noch mal geschrieben?”
    Da gibt’s aber auch noch die Variante, bei der sich Autoren oder auch Kleinstverleger als zig unterschiedliche Personen ausgeben. Auf diese Weise ist die vermeintliche Chance größer, dass man die Kollegen durch Mehrfachnerven dazu zwingen kann, irgendwas für einen zu tun.

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