Garantiert in die Bestsellerlisten: der Newsletter – das effizienteste Marketing-Hilfsmittel

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Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein neues Buch beim Selfpublishing-Anbieter Ihres Vertrauens hochgeladen. Jetzt schreiben Sie noch eine E-Mail, dann können Sie sich auf Ihr neues Buchprojekt stürzen. Marketing? Facebook-Werbung? Preisaktion? Brauchen Sie nicht – Ihr Buch schafft es auch so in die einschlägigen Bestsellerlisten.

Zu schön, um wahr zu sein? Nein, absolut realistisch, wenn auch nicht von heute auf morgen zu erreichen. Das Zauberwort heißt “Newsletter”. Angenommen, Sie hätten nur 500 Freunde Ihres Schreibens überzeugt, sich für Ihren Newsletter anzumelden. 500, das sind pro Monat etwas über 40, wenn sie ein Jahr lang um Abonnenten werben. Wenn Sie diesen 500 Empfängern per E-Mail Ihr neues Buch empfehlen, liest jeder zweite Ihre Nachricht, jeder Dritte klickt auf den Link zu Ihrem Buch und jeder Zehnte kauft. Das sind 50 Käufer in kurzer Zeit. Ihr Buch wird dann in den meisten Kategorien relativ weit vorn stehen; im Gesamt-Ranking von Amazon vielleicht auf Platz 200.

Und wenn es statt 500 gar 5000 Empfänger sind? Dann ist Ihr Buch kurz nach Versenden des Newsletters in den Top 100. Das sind übrigens sehr konservative Werte; es kommt auch vor, dass jeder dritte Leser kauft.

Klasse statt Masse

Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie alles richtig machen. Zuallererst brauchen Sie Geduld. Für Ihren Newsletter sollen sich nämlich die richtigen Leser anmelden. Die richtigen, das sind die, die Ihnen auch gern eine 5-Sterne-Rezension schreiben, die jedes Ihrer Bücher verschlungen haben, die kaufen, ohne auf den Preis zu schauen, also die Fans.

Als Neu-Autorin mit nur einer Veröffentlichung haben Sie noch nicht so viele davon. Zählen Sie doch mal die 5-Sterne-Rezensionen und ziehen Sie die Bewertungen der Freunde und Verwandten ab. Wenn Sie mehr als 50 erreichen, sind Sie schon sehr erfolgreich. Aber jeder fängt klein an. Jetzt ist der perfekte Moment, zum Abonnieren des Newsletters einzuladen, und zwar:

  1. Am Ende Ihres Buches (ganz wichtig, mit direktem Link!)
  2. Auf Ihrer Website
  3. Auf Ihrer Authorcentral-Seite
  4. Auf Ihrer Facebook-Seite

Die eigene E-Mail-Adresse jemand Unbekanntem zu überlassen, fällt niemandem leicht – das wissen Sie von sich selbst. Also müssen Sie Überzeugungsarbeit leisten.

Vertrauen ist gut, Bonus ist besser

Zum einen müssen Sie beweisen, dass Sie vertrauenswürdig sind. Dabei hilft, wenn Sie unter Ihrem echten Namen aktiv sind und ein gültiges Impressum besitzen – und auch die bloße Versicherung, dass Sie niemals Spam senden werden, ist schon hilfreich. Nach dem Versenden des ersten Newsletters können Sie auch den Link zum Newsletter-Archiv angeben, damit die potenziellen Abonnenten sehen, worauf sie sich einlassen.

Zum zweiten müssen Sie dem Leser einen Gegenwert bieten. Das muss kein in Euro bezifferbarer Wert sein. Tatsächlich schadet es sogar, wenn Sie geldwerte Vorteile verschenken. Natürlich werden Sie in kürzester Zeit 10.000 Abonnenten haben, wenn Sie jedem zwei Euro schenken. Aber diese 10.000 Adressen nutzen Ihnen gar nichts. Sie haben Ihren Newsletter abonniert, um etwas geschenkt zu bekommen, nicht um etwas zu kaufen.

Was würden Sie sich von Ihrer Lieblingsautorin wünschen? Überlegen Sie, mit welchem Bonus Sie die echten Fans anlocken, die “Abgreifer” jedoch draußen lassen. “Exklusive Informationen”, das fällt vielen als erstes ein. Aber darunter kann sich niemand etwas vorstellen, dieser Gegenwert ist zu abstrakt. Besser ist – für den Anfang – ein konkretes Geschenk, für das sich jedoch nur Ihre Fans interessieren sollten. Später können Sie die Newsletter-Empfänger dann direkt einbeziehen, sie etwa zu Cover-Entwürfen befragen oder über die Namen von Protagonisten abstimmen lassen. Sechs Ideen für solche Newsletter-Geschenke (im Marketing-Deutsch Lead Magnets genannt) finden Sie in einem separaten Artikel.

Die DSGVO verbietet diese Boni übrigens nicht. Sie sollten nur nicht im Vordergrund stehen. Es muss immer klar sein, dass es um ein Newsletter-Abo geht und dass die Abonnenten sich auch jederzeit – inklusive “sofort” – austragen können.

Nicht ganz unwichtig ist aber auch, mit welchen Worten Sie zum Abonnement Ihres Newsletters einladen. Stellen Sie sich vor, Sie bummeln gerade mit dem oder der Liebsten durch die Fußgängerzone. Unterwegs kommen Sie am Stand einer Organisation vorbei, deren Ziele Ihnen nicht unsympathisch sind. Wie groß ist die Chance, dass Sie von sich aus zum Stand gehen, sich melden und für eine monatliche Spende unterschreiben? Das wissen diese Organisationen natürlich, deshalb werden Sie höchstwahrscheinlich angesprochen und eingeladen. Es geht hier nicht um Messersets oder Saftpressen, sondern um einen guten Zweck, der Ihnen eigentlich nahesteht – doch trotzdem brauchen Sie einen kleinen Schubs!

Ihren Lesern geht es nicht anders. Wenn Sie sie nicht höflich ansprechen, passiert nichts. Der Mensch ist von Natur aus bequem. Wenn Sie eine Aktion veranlassen wollen, müssen Sie darum bitten (das nennt man im Marketing-Deutsch den “Call to Action”). In Ihrer Bitte (die z.B. auf dem Abo-Button steht) sollte es darum gehen, was der Leser davon hat, nicht darum, was er dafür tun muss.

Die richtigen Newsletter-Inhalte

Es genügt allerdings nicht, ein paar Monate lang Newsletter-Abonnenten zu sammeln, um diesen dann Ihr neues Buch vorzustellen. Internet-Nutzer vergessen schnell. Sie müssen also regelmäßig Updates liefern, auch wenn Ihr neues Werk noch gar nicht fertig ist. Wenn Sie Ihren Newsletter zu selten bedienen, vergessen die Empfänger, dass sie ihn abonniert haben und halten ihn für Spam. Zu oft sollten Sie aber auch nicht schreiben, sonst wird es als Belästigung empfunden. Dasselbe gilt, wenn der Inhalt langweilig ist. Sie brauchen also:

  • die richtige Frequenz und
  • die richtigen Inhalte.

Was “richtig” hier bedeutet, wird Ihnen niemand sagen können. Einmal im Quartal ist eher zu selten, einmal pro Woche wohl zu häufig. Was Ihre Fans interessiert, müssen Sie selbst herausfinden. Auf jeden Fall gehören Bücher von KollegInnen im gleichen Genre dazu! Fürchten Sie keine Konkurrenz, Ihre Leser können in der Zeit, wo Sie ein Buch schreiben, mehr als ein Buch lesen. Der andere Autor kann Ihnen dann auch bei Ihrem neuen Buch mit seinem Newsletter helfen.

Wenn Sie nach interessanten Inhalten suchen, denken Sie daran, dass es bei dem Newsletter nicht um Sie geht, sondern um die Leser. Was bewegt Ihre Leser, wofür interessieren sie sich?Auch das AutorInnenleben kann dabei eine wichtige Rolle spielen (vielleicht haben Sie ja gerade eine spannende Recherche hinter sich?). Die Probleme, vor denen Ihre Protagonisten stehen, sind ebenfalls interessant. Probieren Sie einiges aus – Ihr Newsletter-Anbieter sagt Ihnen später, was sich besonders gut geklickt hat.

Sagte ich schon, dass Sie Geduld brauchen? Die Arbeit, einen guten Newsletter aufzubauen, lohnt sich aber wirklich. Je später Sie anfangen, desto schwieriger wird es. Bei einer Facebook-Fanseite kontrolliert Facebook, wer Ihre Beiträge zu sehen bekommt. E-Mail-Newsletter hingegen bekommt jeder Empfänger ins Postfach, zudem werden E-Mails als eher professionelles Medium deutlich intensiver gelesen und die Klickraten sind höher.

Wie Sie das Ganze technisch umsetzen, erkläre ich hier.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

7 Kommentare

  1. Der Artikel ist richtig und wichtig, nur eines darf man nicht übersehen: fast jede/jeder, der schreibt, hat heute eine Website. Das Angebot im Internet ist unübersehbar. Von Bloggern bis zu Verlagen, von sozialen Netzwerken bis zu Facebook- alle buhlen um Aufmerksamkeit. Da wird es schwer, auch nur 20 oder 30 Leute zu erreichen. Warum sind wohl inzwischen so viele Bücherblogs wieder eingeschlafen? Weil die Leser fehlen! Ich will niemanden unnötig frustrieren, aber sich im Netz eine nennenswerte Leserschaft zu erobern, das ist verdammt schwer …zumal die Konkurrenz nicht schläft: regelmäßig verlosen große Anbieter Bücher, das wird ein Neuling zumindest mit bedrucktem Papier kaum tun können!

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