Gastbeitrag: Was Sie beim Umgang mit Bloggern beachten sollten

Wer sein Buch im Selfpublishing herausgibt, ist auch auf Rezensionen angewiesen. Doch woher kriegt man die? Auf das Glück, dass ein Buchblogger zufällig über das Buch eine Rezension schreibt, sollte man sich besser nicht verlassen. Doch wie kommt man an Buchblogger heran und wie geht man mit ihnen um? Da ich selbst Buchbloggerin bin, habe ich ein paar Tipps zusammengetragen, die euch die Arbeit mit Bloggern erleichtern sollen.

Blogger direkt anschreiben

Wie spricht man Blogger am besten an. Das kann man zum einen über direkte Ansprache machen oder öffentlich in einem Forum oder einer Facebook-Gruppe. Kommen wir zunächst zur direkten Ansprache. Diese erfolgt meist über e-mail, die Adressen sind auf den jeweiligen Blogs im Impressum angegeben. Ihr solltet aber nicht gleich loslegen und allen Buchbloggern, die ihr finden könnt, eine e-mail schreiben.

Bevor ihr einen Blogger anschreibt, solltet ihr euch diesen genau anschauen. Prüft nach, ob euer Buch wirklich zu den anderen Büchern passt, über die auf dem Blog geschrieben ist. Die meisten Blogger haben eine Liste mit gelesenen Büchern oder Bücher auf der Wunschliste. Anhand dieser Listen könnt ihr erkennen, was diese Person in ihrem Regal stehen hat und ob euer Buch wohl dazu passt oder nicht.

Des Weiteren sollten ihr euch die Art und Weise der Rezensionen anschauen. Sind es Rezensionen, mit denen ihr wirklich was anfangen könnt? Setzt sich der Blogger wirklich mit dem Buch auseinander, mit der Thematik, den Charakteren, der Entwicklung, und schreibt fundierte Artikel? Oder ergießt sich der Schreiberling in persönlichen Emotionen und kratzt nur die Oberfläche der Romane an: „Das Buch ist soooo toll, ich hab von vorn bis hinten mitgefiebert, weil der Protagonist ja mein Traummann ist.“ Ihr müsst wissen, was ihr für euren Roman wollt.

Es gibt sehr viele Buchblogger in den unendlichen Weiten des Internets, da könnt ihr euch schon die Rosinchen rauspicken.

Blogger lesen nicht alles, was man Ihnen vor die Füße wirft

Jedenfalls nicht die Blogger, die euch was bringen. Aus Bloggersicht ist es mir immer wichtig, dass mich der Autor in seiner e-mail persönlich Anspricht und nicht: „Hey, du Blogger!“ schreibt. Außerdem lege ich viel Wert darauf, dass das angebotene Buch auch wirklich zu mir passt. Blogger lesen nicht alle Genres – ihr mögt ja auch nicht alles. Romanzen werdet ihr auf meinem Blog also nicht finden. Es bringt mir daher gar nichts, wenn ihr mir euer Buch anpreist und beim Lesen stelle ich fest, dass es nur so trieft vor Schmalz und Schnulz. Dann bin ich genervt und schreibe euch eine saftige mail, dass ich mir das so nicht vorgestellt habe.

Daher ist es wichtig, dass ihr in eurer mail ganz klar darlegt, um welches Genre es sich handelt, wie die Handlung ungefähr ausschaut, welche Zielgruppe ihr euch ausgesucht habt und auf welche Punkte ihr sonst noch hinweisen möchtet, zum Beispiel, dass es sehr romantisch ist, oder dass ihr euch eher auf Abenteuer fokussiert habt, oder dass der Krimi doch sehr blutig ist oder oder oder. So bekommt der Blogger einen umfangreichen Eindruck. Gern könnt ihr auch eine Leseprobe mitschicken, das fand ich immer sehr hilfreich, denn so konnte ich schon vorab sehen, in welchem Sprachstil der Roman geschrieben ist. Außerdem wäre ein Bild vom Cover nicht schlecht.

Erhaltet ihr eine Zusage vom Blogger, solltet ihr die Rahmenbedingungen abklären. In welcher Zeit möchte er denn das Buch lesen? Ihr solltet ihn nicht unter Druck setzen, aber wenn ihr schreibt „ist mir wurscht, wann du es liest“, dann braucht ihr euch nicht zu wundern, wenn es dem Blogger ebenfalls egal ist. Setzt ein ungefähres Zeitfenster, z.B. 1 Monat oder 2 Monate, oder im Sommer oder Winter. Meint der Blogger, es bräuchte ein Jahr dafür, solltet ihr überlegen, ob ihr darauf eingehen möchtet. Ist es euch „wurscht“, könnt ihr ja darauf eingehen. Außerdem solltet ihr abklären, auf welchen Kanälen der Blogger eure Rezension teilen möchte. Wenn er sie ausschließlich auf seinem Blog lässt und nicht in der Weltgeschichte verteilt, bringt euch das herzlich wenig. Es gibt viele Möglichkeiten: Amazon, Lovelybooks, Krimicouch, Facebook-Gruppen etc. Allein an Facebook-Gruppen gibt es unendlich viele. Wenn ihr euch einigen könnt, dann kann es losgehen.

Kostenlose Rezi-Exemplare

Ich habe mir meine Bücher, die ich rezensiert habe, grundsätzlich immer selbst gekauft, damit ich unbestechlich bleibe und ich schreiben kann, was ich will. Wenn ihr kostenlose Exemplare verteilt, dann muss der Blogger das schon in seine Rezension einfügen. Das sieht dann in einem einzigen Satz so aus: „Das Exemplar wurde mir kostenlos vom Autor zur Verfügung gestellt.“ Mehr ist das nicht, muss aber dabei sein.

Ihr könnt dem Blogger eurer Wahl auch Fotos von eurem Buch zur Verfügung stellen, oder Bilder, falls ihr Illustrationen habt. Auf jeden Fall solltet ihr eurem Blogger erlauben, eigene Fotos zu schießen.

Wenn ihr eine Printausgabe verschickt, schreibt noch eine schöne Widmung hinein. Viele Leser finden das sehr toll und persönlich und machen Fotos davon, die sie dann stolz in ihren Gruppen zeigen. Dann habt ihr auch zusätzlich Aufmerksamkeit, weil diese Leute dann von anderen Büchersammlern beneidet werden und alle sehen, wie nett und sympathisch ihr seid (das nennt man übrigens Impression Management).

Ansprache in einer öffentlichen Gruppe

Wenn ihr öffentlich nach Bloggern sucht, die euch eine Rezension schreiben, kann ich euch Facebook oder soziale Netzwerke im allgemeinen empfehlen. Es gibt unendlich viele Büchergruppen, teilweise mit spezifischen Ausrichtungen. Also es gibt allgemeine Büchergruppen, oder Gruppen, die sich auf Romanzen oder andere Genres beschränken, zum Beispiel Science Fiction. Es gibt auch direkt Gruppen für Bücherblogger oder Rezensionsgruppen. Dort könnt ihr gezielt nach Bloggern für euer Buch schauen.
Wenn ihr dann öffentlich ausschreibt, solltet ihr wieder viel über euer Buch schreiben, wie ihr es in der persönlichen Ansprache auch machen würdet. Dazu unbedingt ein Bild hinzufügen, sonst übersieht man euch zu leicht. Marketingtechnisch ist es so, dass man über Beiträge ohne Bild schneller hinwegliest, an Beiträgen mit Bild bleibt der Blick hängen und man beschäftigt sich eher damit. Außerdem schreibt ihr auch wieder euren Zeitrahmen und bleibt dabei realistisch: „Morgen früh wäre super“ ist suboptimal. Außerdem könnt ihr die Anzahl der Freiexemplare (fiktiv) einschränken, in dem ihr einfach angebt, dass es nur fünf Exemplare zu verschenken gibt. Das hat auch den Anschein von Exklusivität und man fühlt sich sofort geehrt, wenn man so ein Exemplar ergattern kann. Wenn sich ein Blogger dafür interessiert, wird er, auch wenn er kein kostenloses Buch abgreifen kann, dafür bezahlen. So geht es anderen Lesern ohne Blog auch.

Es gibt ja nun Büchersammler oder Abgreifer, die sich auf alle Bücher stürzen, die sie kriegen können. Bei einer öffentlichen Ausschreibung werdet ihr sofort Kommentare erhalten von Leuten die euer Buch „ganz doll dringend unbedingt“ lesen möchten. Um bei der Masse an Freiwilligen die Spreu vom Weizen zu trennen, könnt ihr ein paar Tricks anwenden. Zum Beispiel könnt ihr eine Verlosung daraus machen oder ein Rätsel aufgeben. Eine Autorin hat einmal als Aufgabe geschrieben: „Wer mir die erste Strophe von dem Lied „Eternal Flame“ von The Bangles schreibt, bekommt ein Exemplar.“ – das fand ich sehr sympathisch. Das Buch war ein Liebesroman und so hat auch das Lied dazu gepasst. Bei solchen Sachen muss man sich richtig Mühe geben, wenn man das Buch haben will, sowas machen simple Abgreifer nicht mit.

Lasst euch die Antworten nicht per PN zuschicken. Wer unter euren Post kommentiert, schiebt diesen damit immer wieder hoch und ihr bleibt aktuell. Falls ihr euren Post einmal verlieren solltet, gibt es in den Gruppen eine Suchfunktion, wo ihr Stichpunkte eintragen könnt. So findet ihr das dann auch wieder.

Haltet den Kontakt

Während der Blogger das Buch liest, solltet ihr unbedingt Kontakt halten. Schreibt ihm, dass ihr euch interessiert, wie weit er schon ist und was er bis dato davon hält. Der Blogger wird sich über so viel Wertschätzung freuen. Vielleicht möchte er sich ja auch währenddessen mit euch austauschen und euch schreiben, was ihm gefällt und was nicht, welche Stellen ihn gegruselt haben oder wo er fast geweint hat.

Wenn es etwas länger dauert, dann dürft ihr natürlich auch nachfragen. Schreibt nicht, dass ihr nun endlich mal was sehen wollt, sondern gebt dem Blogger das Gefühlt, dass ihr es gut mit ihm meint. Ihr wollt ihn nicht unter Druck setzen, sondern einfach nur sicher gehen, dass er euch nicht vergessen hat. Es dauert ja auch etwas, bis so ein Buch gelesen ist und das müssen auch Blogger erstmal tun: lesen. Dann dauert es auch noch ein paar Tage, bis das Buch verarbeitet ist und man einen Artikel darüber schreiben kann. Ich brauche manchmal mehrere Wochen, bevor ich eine Rezension schreiben kann, weil mir einfach die Worte fehlen, das Buch adäquat zu beschreiben.

Wenn dem Blogger euer Buch gefallen hat und eine schöne Rezension geschrieben hat, dann bittet ihn doch, euch einen Link dazu zu schicken. Den könnt ihr dann selbst auf eure Website stellen und verbreiten. Damit gebt ihr dem Blogger noch etwas zurück und er wird sich freuen und auch bestimmt bei eurem nächsten Buch zur Verfügung stehen.

Falls es dem Blogger nicht gefallen hat, geht die Welt auch nicht unter. Fragt den Blogger, warum und was ihm nicht gefallen hat. Habt ihr guten Kontakt gehalten, dann wird er euch das schon vorher schreiben. Dann solltet ihr abwägen: Wenn er das Buch so schrecklich fand, dass es andere Leser abschrecken könnte, dann bittet ihn, doch lieber keine Rezension zu schreiben. Wenn es ihm aus persönlichen Gründen nicht gefallen hat, weil ihm hier und da etwas nicht gefallen hat oder das Ende für ihn nicht befriedigend war, dann lasst ihn trotzdem schreiben, wenn er es denn vernünftig und fundiert tut. Vielleicht ist gerade das, was er so schlecht fand, für andere der ausschlaggebende Grund euer Buch zu kaufen und zu mögen. Eine Freundin von mir hat einmal eine schlechte Rezension verfasst, weil sie die Protagonistin für eine oberflächliche Schlampe hielt, aber es war genau das, was andere Leser an dem Roman so toll fanden.

Arbeit mit Bloggern

Ihr solltet euch vor Augen führen, dass der Blogger kein Dienstleister ist, der euren Auftrag bearbeitet und dies bitte so schnell und so akkurat wie möglich durchführen soll. Der Blogger ist in erster Linie Leser. Er liest, weil es ihm Spaß macht und bloggt darüber, weil es im Spaß macht. Er macht das in seiner Freizeit, ohne dafür Geld zu bekommen. Nicht wie bei Fashion-Bloggern erhält er dafür Honorar von Verlagen oder ähnliches, sondern macht das wirklich aus Spaß an der Freude. Es ist natürlich vom Autoren ein Zugeständnis, wenn er dem Blogger ein kostenloses Exemplar seines neuesten Romans zukommen lässt, aber ich finde, das ist das mindeste, was man tun kann, wenn der Blogger einem so einen Gefallen tut. Denn das ist es letztendlich: ein Gefallen.

Gruppen bei Facebook

Auch als Autoren könnt ihr in Facebook Gruppen beitreten und dort aktiv sein. Ihr dürft nur nicht so übertrieben mit Werbung um euch werfen, sondern könnt euch durch Beiträge an den Diskussionen beteiligen. So fallt ihr häufig (positiv) auf und man kann sich an euch erinnern, wenn ihr dann nach Bloggern sucht. In einigen Gruppen muss man vorher einen Admin um Erlaubnis fragen, bevor man eine Verlosung oder Werbung macht. Nehmt euch ruhig Zeit dafür, sonst wird euer Beitrag sofort gelöscht und ihr eventuell aus der Gruppe geworfen.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Kommentare

  1. Ob jemand moralisch unabhängig ist, wird er selbst wissen. Aber ich denke, nur, weil man ein Rezensionsexemplar bekommt, ist man nicht abhängig. Denn man entscheidet selbst, wie man das Buch bespricht. Und besonders bei kritischen Besprechungen kann es passieren, dass Verlage (und SPler) den Kontakt einstellen.

    Bzgl. der Blogger ist es so, dass viele überlastet sind. Weil sich die Indie-Autoren, wie im Artikel angedeutet, keine Mühe geben. Dadurch fallen Autoren, die es ernst meinen, durch das Raster. Aber wenn man ein gutes Werk abliefert und sich gut darstellt – warum nicht? Ich finde es umgekehrt sehr schwerig, dass sich manche Autoren nur auf ihre Fans, ihre Community, konzentrieren und man nach außen wenig Offenheit vermittelt.

    Ich denke, langsam trennt sich die Spreu vom Weizen und es gibt zunehmend Bücher, die gut lektoriert und gestaltet sind. Und ich hoffe, dass dieser Wandel auch die Blogger trifft.

  2. Es hat mir imponiert, dass die Verfasserin ihre Bücher selbst kauft! Üblicherweise bekommen erfolgreiche Buchblogger kostenlose Exemplare der großen Verlage zur Verfügung gestellt. Von “Unabhängigkeit” kann in einem solchen Fall nicht mehr geredet werden, auch wenn der Blogger dies nicht gerne hört.
    Die Krux für Selbstverleger liegt darin, dass erfolgreiche Blogger sich dadurch auszeichnen, dass sie viele Leser haben. Haben sie viele Leser, sind sie “Influencer”, so interessieren sie sich nicht mehr für Selbstverleger, da leider Gottes viel Minderwertiges von ihnen produziert wird. Die Mühe, die Perlen aus dem Berg der Indie-Veröffentlichungen herauszusuchen, können sich Influencer deshalb ersparen. Insofern finde ich, sollte man Indie-Autoren nicht allzu viel Hoffnungen machen, über Blogs öffentlichkeitswirksame Rezensionen zu bekommen. Wenn es klappt, schöööön. Die Regel ist es nicht.

    1. Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Es ist sinnvoller, als Selfpublisher Zeit und Energie in den Aufbau einer Fan-Base zu stecken, Bücher zu verlosen etc. Auch über Lovelybooks u.ä. Portale kommt man an Rezensionen. “Professionelle” Blogger gehen häufig viel zu intellektuell an Bücher heran; deshalb sind Fans erste Wahl.

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