Ihre Rechte als Autor – die zehn wichtigsten Fragen zum Urheberrecht

“Copyright 2016 by Heinz Mustermann”, “Alle Rechte vorbehalten” … oft finden sich in der Titelei von Büchern oder eBooks deutscher Autorinnen und Autoren solche Bemerkungen. Einen rechtlichen Sinn haben diese nicht – meist übernimmt man sie unüberlegt, weil man sie bei anderen so gesehen hat. Welche Rechte hat ein Autor tatsächlich – und wie nimmt man diese Rechte wahr?

1. Welche Rechte habe ich als Autor?

Die deutsche Rechtsordnung geht hier einen Sonderweg. Sie unterscheidet das Urheberrecht von den Nutzungsrechten. Das Urheberrecht ist direkt mit Ihrer Person verbunden. Sie können es weder verkaufen noch kostenlos abtreten. Der einzige Weg, es loszuwerden, besteht darin, dass Sie das Zeitliche segnen – dann geht es auf Ihre Erben über.

Aus dem Urheberrecht leiten sich drei “Unterrechte” ab:

  • Das Urheberpersönlichkeitsrecht (oder Urheberrecht im engeren Sinn) bestimmt Ihre Ansprüche darauf, ob und wann Ihr Werk veröffentlicht wird (Veröffentlichungsrecht), bei einer Verbreitung Ihres Werks genannt zu werden und Ihr Werk zu ändern.
  • Das Verwertungsrecht tritt bei Vervielfältigungen Ihres Werks ein.
  • Das Nutzungsrecht legt fest, wer Ihre Werke wie verwenden darf.

Bei den abgeleiteten Rechten haben Sie (fast) sämtliche Freiheiten. Sie können sämtliche Nutzungsrechte kostenlos freigeben (das entspricht dann der CC0-Lizenz der Creative Commons), aber Sie können sich auch einzelne Rechte vorbehalten oder nur einzelne Rechte verkaufen. Sie können schließlich auch ein ausschließliches Nutzungsrecht vergeben – in diesem Fall darf nur noch der Käufer Ihr Werk nutzen, nicht einmal Sie selbst. Das Urheberrecht behalten Sie aber selbst dann noch.

Eine gewisse Ausnahme ist hier das Kopierrecht: In Deutschland gilt das Recht auf eine Privatkopie, also das Herstellen einer Kopie zu privaten Zwecken, ohne dass dafür Ihre Genehmigung nötig ist. Dafür haben Sie als Urheber einen Ausgleichsanspruch, für den die Hersteller der Kopiergeräte zur Kasse gebeten werden. Im Fall von Büchern oder Artikeln sammelt die VG Wort die entsprechenden Beträge in Ihrem Namen ein.

Eine weitere Ausnahme bildet das Zitatrecht, das die Übernahme einzelner Stellen in andere Werke unter bestimmten Umständen erlaubt – ein Thema für sich.

2. Wie entsteht mein Urheberrecht?

Ihr Urheberrecht entsteht, indem Sie etwas schöpfen. Für Schreibende reicht es also aus, einen Text zu schreiben. Er muss nicht einmal veröffentlicht sein (anderenfalls wäre es ja legal, einen unveröffentlichten Text zu klauen). Es ist nicht nötig, einen Vermerk im Buch anzubringen – ein solcher Hinweis schadet aber auch nicht.

Sprachwerke (Texte) müssen allerdings eine gewisse Schöpfungshöhe erreichen, ein Maß an Originalität und Individualität. Der Text auf dem Formular Ihrer Einkommenssteuererklärung ist in diesem Sinn vom Urheberrecht nicht erfasst.

3. Wir haben den Roman zusammen geschrieben…

Dann sind alle Autoren gemeinsam Urheber. Alle Entscheidungen müssen dann gemeinsam getroffen werden. Voraussetzung ist, dass sich die Einzelbeiträge nicht trennen lassen. Wenn etwa jeder Autor exakt ein Kapitel oder eine Geschichte einer Anthologie verfasst hat, bleibt er Einzel-Urheber.

4. Ich habe mein Buch von einer Software schreiben lassen

Das ist zwar noch Zukunftsmusik – könnte aber in ein paar Jahren eine wichtige Frage sein. Ein so verfasster Text würde vom Urheberrecht nicht geschützt, denn Urheber können nur natürliche Personen sein. Auch Ihr Haustier können Sie demnach nicht als Urheber einsetzen.

5. Sind schon meine Ideen geschützt?

Nein, nur Werke genießen den Schutz des Urheberrechts. Allerdings können bereits eine Skizze, ein Entwurf, ein Exposé als Werk gelten. Wenn Sie jedoch Ihrem besten Freund den spannenden Plot erzählen, der Ihnen gestern Nacht eingefallen ist, und der macht daraus einen Bestseller – dann haben Sie wohl einen Freund und eine Idee verloren.

6. Habe ich auch als Angestellter das Urheberrecht?

Ja, selbst wenn Sie ein Werk im Auftrag eines anderen schaffen, steht Ihnen das Urheberrecht daran zu. Allerdings sind die Nutzungsrechte dann meist mit Ihrem Arbeitslohn abgegolten. Sie haben aber zum Beispiel das Recht auf Namensnennung (wenn Sie nicht schriftlich darauf verzichten).

7. Wie kann ich mein Urheberrecht nachweisen?

Am besten in Form einer datierten Veröffentlichung. Bei einem unveröffentlichten Manuskript können Sie Indizien sammeln, die im Streitfall für Sie sprechen, z.B. den Text zusammen mit einer aktuellen Tageszeitung fotografieren, Entwürfe aufbewahren,  sich das Manuskript per Einschreiben mit der Post zuschicken (Poststempel) und ähnliches. Schließlich könnten Sie Ihren Text auch bei einem Anwalt oder Notar hinterlegen (kostenpflichtig).

8. Wie lange gilt das Urheberrecht?

Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Bei unter Pseudonym oder anonym veröffentlichten Werken erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach der Veröffentlichung – es sei denn, Sie lassen es im Register anonymer und pseudonymer Werke eintragen.

9. Welche Nutzungsrechte kann ich vergeben?

Wenn Sie Ihr Werk nicht selbst ausdrucken und auf dem Flohmarkt verkaufen wollen, müssen Sie anderen gewisse Nutzungsrechte erteilen. Dazu gehören bei E-Book-Händlern etwa das Recht, Ihr Werk auf deren Server zu speichern. Verlage werden das Verbreitungsrecht für bestimmte Verwertungsarten von Ihnen fordern. Dafür steht Ihnen jeweils ein angemessenes Honorar zu. Was “angemessen” heißt, steht allerdings nicht konkret im Gesetz, sondern wird in der Regel branchenüblich bestimmt, etwa durch gemeinsame Vergütungsregeln der Branchenbeteiligten (weitere Details dazu). Wichtig: vergeben Sie Nutzungsrechte immer zeitlich begrenzt.

10. Erwerben Übersetzer oder Lektoren ebenfalls Urheberrechte?

Eine Bearbeitung Ihres Werkes, die selbst eine geistige Schöpfung darstellt, genießt ebenfalls den Schutz des Urheberrechts. Das deutsche UrhG nennt Übersetzungen ausdrücklich als Beispiel. Die Bearbeitung selbst kann zwar auch ohne die Genehmigung des Urhebers erfolgen, aber nicht die Veröffentlichung dieser Bearbeitung.

Beim Lektorat ist die Frage schwerer zu beantworten. Ein simples Korrektorat erfüllt die Voraussetzungen sicher nicht. Wenn der Lektor jedoch tiefgreifende Änderungen am Buch vornimmt, vielleicht sogar ganze Absätze oder Kapitel neu schreibt, dann erwirbt er dadurch ebenfalls den Schutz des Urheberrechts. Auch bei der Dramatisierung (für das Theater) oder der Verfilmung entstehen neue Urheberrechte.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

13 Comments

  • Halli zusammen. Ich hätte da eine Frage bezüglich dem Urheberrecht. Ich schreibe alles per Hand vor auf Papier und tippe es dann irgendwann ab. Wie könnte ich jetzt beweisen, dass ich die Unterlagen nicht geklaut habe, dass ich das Urheberrecht besitze?

    LG Akiza

    Bleibt gesund!

    • Hallo, ich kenne keinen einzigen Fall, wo jemand beweisen musste, das Urheberrecht zu besitzen. Diese Angst geht manchmal bei Einsteigern um, ist aber unbegründet.

  • Wunderbar, kommt grad zur rechten Zeit, darum erst mal: danke! Ich stelle mir immer häufiger die Frage: Hat sich eigentlich schon mal jemand die Mühe gemacht, die Buch- und/oder Autorenverträge der im deutschsprachigen Raum bekannten Selfpublishing-Anbieter zu prüfen?

    Denn ich finde es zunehmend verwunderlich, dass so viele Autor/innen “nur” nach Honorar vergleichen – und Dinge wie Nutzungsrechte gar nicht im Blick haben. Neulich hab ich einen SP-Dienstleister gefunden, der behält sich vor, einzelne Kapitel meines Werks zu VERKAUFEN, wenn ich mit ihm einen Vertrag abschließe … Kann doch schier nicht sein, oder? Ich traue mich selbst nicht an das Thema ran, weil ich keinen juristischen Background habe. Finde aber, das wäre mal ein wichtiges Thema. Ahne allerdings schon Problem Nummer eins: Viele dieser Verträge ändern sich ständig, gern auch von jetzt auf gleich – oft, ohne dass Kund/innen vorher (oder überhaupt!) informiert werden. Da frage ich mich immer: Ist das okay, muss ich das hinnehmen? Beginnt bei Preisen und Fristen und wird bei geänderten Nutzungsrechten wirklich gravierend.

    So bitter es ist: Selfpublisher sollten sich – neben allem anderen – meiner Ansicht nach auch unbedingt in all diesen rechtlichen Fragen schlau machen …

    Viele Grüße
    Maria, die Buchhebamme

  • Hallo Herr Matting

    Guter Artikel. Wie schätzen Sie die folgende Sachlage ein. Ein Autor schreibt ein reines Online-Werk für jedermann frei zugänglich, welches jedoch stark auf einem bestehende Werk (Lehrbuch) aufbaut. In wie fern ist das blosse umschreiben eine neue schöpferische Tätigkeit? Gibt es hier Anhaltspunkte im deutschen Recht? Das wäre ja dann quasi “Ideenkopie mit leichter Abwandlung”. Wäre das zulässig nach Ihrer Meinung?

    Danke für Ihre fundierte Stellungnahme zu diesem Sachverhalt.

    Viele Grüsse nach Deutschland

    Yoko

    • Ohne genaue Betrachtung des Falls, die allerdings über die Möglichkeiten hier hinausgeht, ist keine fundierte Stellungnahme möglich. Fakten an sich sind jedenfalls nicht geschützt. Eine bestimmte, konkrete Form der Aufbereitung ist geschützt.

  • Sehr geehrter Herr Matting,
    vor 7 Jahren erschien mein zweites Buch. Am Anfang steht: Cpyright by Martin Heinrich. Schreibe gegenwärtig ein neues Buch, das Anfang 2020 erscheinen soll. Möchte aber einige Texte vom vorherigen Buch in das neue Buch einfügen. Ist das okay oder kann es vom vorherigen Verlag Probleme geben.
    Für eine kompetente Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar und verbleibe mit besten Grüßen
    Martin Heinrich

    • Das hängt vom Inhalt des Verlagsvertrags ab, den ich nicht kenne.

  • Lieber Herr Matting,

    nice try und für Ihr Zielpublikum sicherlich hilfreich – aber wie so oft im Recht ist manches dann doch noch etwas komplizierter… Die Unterscheidung zwischen Verwertungs- und Nutzungsrechten gibt es so, wie Sie sie vornehmen, nicht, und für Vervielfältigungen greift gemäß § 16 Urheberrechtsgesetz eine eigene Regelung, mit der das Vervielfältigungsrecht definiert wird. Neben der Privatkopieschranke des § 53 UrhG gibt es noch eine ganze Reihe wichtiger anderer Fälle, in denen die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke von Gesetzes wegen erlaubt ist, und nicht immer gibt es dafür einen Ausgleich über die VG WORT (z.B. muss ein Urheber die Verwendung seines Werkes im Rahmen des Zitatrechts, § 51 UrhG, hinnehmen, unter Umständen zu wissenschaftlichen Zwecken sogar vollständig, erhält dafür aber keinen Ausgleich). Problematisch ist Ihr Hinweis, dass Urheber Nutzungsrechte stets nur zeitlich begrenzt an Dritte übertragen sollten. Wie Sie zum Beispiel an den zwischen dem Schriftstellerverband in ver.di und dem Börsenverein abgeschlossenen Normvertrag für belletristische Werke sehen können, gibt es durchaus juristische Gestaltungen, in denen Autoren ohne Bedenken einem Verwertungspartner zietlich unbegrenzte Rechte einräumen können. Auch von Gesetzes wegen gibt es ein Rückrufrecht, wenn der Vertragspartner das ihm übertragene Nutzungsrecht nicht ausübt.
    Mir ist schon klar, dass man solche Differenzierungen schlecht in kurzen Beiträgen unterbringen kann – aber geben tut es sie gleichwohl, und sie machen die Welt des Urhebers hier und da ein bisschen anders als Sie sie beschreiben.

    Herzliche Grüße

    Christian Sprang

    • Danke, Herr Sprang – ja, en detail ist leider immer alles noch ein bisschen komplizierter. Der Hinweis zur befristeten Übertragung der Nutzungsrechte ist ein Ratschlag, der inzwischen von vielen geteilt wird, insb. wegen PoD und E-Book, die es Nutzern (Verlagen) ermöglichen, Werke unendlich lange kostengünstig verfügbar zu halten, so dass das Rückrufrecht dann kaum ausgeübt werden kann. Deshalb besser von vornherein begrenzen, auf 7 oder 10 Jahre, was sowieso weit jenseits der meisten Verlagskalkulationen liegt.

  • Mein Vater hat ein Buch geschrieben, ist gestorben und ich bin der Erbe. Habe ich damit auch die Rechte an seinem Buch geerbt?

  • Schöne Zusammenfassung, danke.
    Elke

  • Und als kleine Ergänzung, da du damit ja einleitest.
    Das "Copyright" oder "©" hat in Deutschland keine rechtliche Bedeutung, da es sich aus den US-amerikanischen Vorgaben ableitet (wo das Copyright eben auch von Urhebern an Nutzungsberechtigte verkauft werden kann).

    "© 2016 by Autor" ist also griffig und für jeden klar ersichtlich, aber mehr auch nicht.

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