Keine Rezensionsexemplare mehr? Verwirrung um Amazons neue Rezensions-Richtlinien

In der vergangenen Woche hat Amazon die Rezensions-Richtlinien verschärft. Seitdem kursieren ein paar (zu) weit gehende Interpretationen im Netz, die aus einer unscharfen Formulierung in den Richtlinien resultieren. Lesen.net schreibt zum Beispiel, die “Abgabe von Rezensions-Exemplaren” sei “damit also auch für Bücher verboten.”

Irrtum 1: Rezensionsexemplare von Büchern sind verboten

Amazon schreibt: “Buchautoren und Verlage können Lesern weiterhin kostenlose oder vergünstigte Exemplare ihrer Bücher zur Verfügung stellen, solange der Autor oder Herausgeber keine Rezension im Austausch dafür verlangt oder die Rezension zu beeinflussen versucht.” In dem langen Satz stecken zwei wichtige Begriffe: “verlangen” und “beeinflussen”. Amazon betrachtet Bücher als Ausnahme. Autoren und Verlage dürfen Rezensionsexemplare vergeben, aber weder eine Rezension verlangen noch deren Inhalt beeinflussen. Sie dürfen also nicht sagen: “Du bekommst dieses Buch nur, wenn du eine Rezension schreibst” oder “Wehe, du schreibst etwas Schlechtes über mich.” Aber natürlich dürfen sie sich eine Rezension erhoffen.

Diese Sichtweise bestätigte der Selfpublisherbibel auch ein Amazon-Sprecher.

Um die gängigen Rezensionsportale im Netz muss man sich deshalb auch nicht sorgen. Kritisch würde es nur dann, wenn Nutzer zur Abgabe von Rezensionen gezwungen würden, auch indirekt à la “Du bekommst nur ein neues Buch, wenn du das alte rezensiert hast”). Hier müssen Vorablesen oder NetGalley die verwendeten Formulierungen prüfen.

Irrtum 2: Mein Buch darf nur noch 5 Rezensionen pro Woche erhalten

Leser dürfen nur noch höchstens 5 Rezensionen zu Produkten pro Woche schreiben, die nicht direkt bei Amazon erworben wurden (“verifizierter Kauf”). Aber natürlich dürfen auch 100 Leser pro Woche eine Neuerscheinung rezensieren. Und die wenigsten Leser rezensieren tatsächlich mehr als fünf Bücher pro Woche. Ein Problem gibt es hier allerdings: via KindleUnlimited geliehene eBooks gelten nicht als “verifizierter Kauf”, obwohl Amazon eigentlich leicht feststellen könnte, dass diese legitim erworben wurden (nämlich für die Monats-Pauschale).

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Comments

  • Man darf vergĂĽnstigte BĂĽcher abgeben? Ich dachte, das ginge wegen der Buchpreisbindung nicht.

    • Die Buchpreisbindung muss man schon beachten, hier geht es ja um die Rezensions-Richtlinien. Aber praktisch wäre das z.B. möglich, wenn man ein Buch schon vor VĂ– gĂĽnstiger abgibt.

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