Selfpublishing-Umfrage 2019: Die Auswertung (Teil 1) – Einkommensschere klafft auf

Allerbesten Dank! Mit 2013 Antworten hat die Selfpublishing-Umfrage in diesem Jahr einen neuen Rekord aufgestellt – 2013 Nutzer haben diesmal teilgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Lag es daran, dass die Zahl der Fragen von 50 auf 40 gesunken ist? Wenn ja, wäre das ein positiver Effekt, denn das ermöglicht eine noch deutlich bessere Statistik.

Frage 1: Seit wann nutzen Sie Selfpublishing?

Ganz frisch dabei ist nur jeder zehnte Umfrageteilnehmer. 41 Prozent haben weniger als drei Jahre Erfahrung, aber jeder fünfte befasst sich auch schon seit mehr als sechs Jahren mit dem Selfpublishing.

Frage 2: Wie viele Titel haben Sie bereits veröffentlicht?

Die Umfrageteilnehmer haben im Mittel etwa 8,8 Titel veröffentlicht. Allerdings ist die Verteilung sehr ungleichmäßig, deshalb ist der Medianwert hier aussagekräftiger – er liegt bei 3. 23 Prozent, also knapp ein Viertel, der Teilnehmer hat erst ein Buch veröffentlicht. Fast genauso viele, 21,6%, haben schon mindestens zehn Bücher herausgebracht.

Frage 3:Wie hoch sind Ihre monatlichen Einnahmen?

Der mittlere Erlös der Selfpublisher stieg in den Umfragen von Jahr zu Jahr. Nach 1048 Euro in 2018 waren es diesmal jedoch nur noch 677 Euro. An den Scherzbold, der eine Million Euro als Monatseinkommen angeben hat: Jeff, ich hatte dich doch gebeten, die Umfrage nicht auszufüllen!. Zudem ist das Einkommen genauso ungleich verteilt wie die Zahl der veröffentlichten Bücher. Der Median (der Wert in der exakten Mitte der Antworten) liegt denn auch nur bei 30 Euro. Das heißt, die Hälfte aller Teilnehmer verdient weniger als 30 Euro im Monat. Nur etwa jeder zehnte nimmt im Monat mehr als 2000 Euro ein.

Im Vergleich zu 2018 hat sich die Einkommensverteilung auch insofern verändert, als eine Verschiebung zu den erfolgreichen AutorInnen zu bemerken ist. Wenige verdienen viel, viele wenig. Zu den Ursachen kann man nur spekulieren. Da sich der Anteil der Ein-Buch-Selfpublisher erhöht hat, sind in den letzten Monaten womöglich auch deutlich mehr Nutzer mit diesem Veröffentlichungsweg gestartet.

Frage 4: Welche Summe geben Sie für eine Buchveröffentlichung typischerweise aus?

Der Mittelwert der Ausgaben pro Buch ist 2019 erstmals im Vergleich zum Vorjahr gesunken, allerdings weniger stark als die Einnahmen. Statt 854 Euro 2018 sind es nur noch 794 Euro. Das hat natürlich etwas mit der sich verändernden Einkommensverteilung zu tun: Wer nichts verdient, hat es auch schwerer, Geld auszugeben. Immerhin 15 Prozent geben mehr als 1500 Euro aus (das sind typische Kosten für ein Lektorat). 2018 waren es noch drei Prozentpunkte mehr. Da allerdings nur jeder zehnte vom Selfpublishing einigermaßen leben könnte, ist das trotzdem ein beachtlicher Anteil.

Interessant wird es, wenn man die Ergebnisse mehrerer Fragen kombiniert. Das mittlere Einkommen der AutorInnen, die mindestens 1500 Euro für eine Veröffentlichung ausgeben, liegt zum Beispiel bei 2747 Euro, also etwa beim Doppelten des allgemeines Mittels. Man könnte also sagen: Wer professionell Selfpublishing betreibt, leistet sich auch ein Lektorat. Und wer sich ein Lektorat leistet, hat eine größere Chance auf einen ordentlichen Monatsverdienst.

Die Erfahrung spielt ebenfalls eine Rolle. Wer vor 2014 angefangen hat, verdient im Mittel 1649 Euro im Monat, wer 2014 bis 2016 begonnen hat, verdient 628 Euro, und wer ab 2017 eingestiegen ist, nimmt im Mittel nur 281 Euro ein. Selfpublishing braucht offensichtlich auch Geduld, und zwar eine Menge. Auch unter den erst 2019 eingestiegenen gibt es allerdings einige, die bereits bis zu 10.000 Euro im Monat einnehmen. Bei den Selfpublishern, die im Monat ab 10.000 Euro umsetzen, liegen die Ausgaben pro Buch bei im Mittel 3315 Euro, und niemand gab weniger als 700 Euro aus.

Erhebliche Unterschiede gibt es auch bei der Verteilung nach Geschlecht. Männliche Selfpublisher gaben im Monat nur 400 Euro Einkommen an, weibliche hingegen mehr als das doppelte – 920 Euro. Die Geschlechtszuordnung “Divers” kam auf 616 Euro.

Frage 5: Welches Schreibprogramm nutzen Sie?

Diese Frage war 2019 neu. Von den Spezialprogrammen führt eindeutig Papyrus Autor. Seine NutzerInnen haben im Mittel schon zehn Bücher veröffentlicht und verdienen im Monat im Mittel 1396 Euro, also mehr als doppelt so viel wie allgemein. Scrivener-AnwenderInnen verdienen im Mittel 1066 Euro und haben neun Bücher veröffentlicht. Denken Sie allerdings daran, dass Statistiken nur Korrelationen zeigen – nur durch den Kauf von Papyrus Autor werden Sie Ihre Monatseinnahmen nicht verdoppeln. Benutzer der beiden Spezialprogramme geben pro Buch im Mittel auch etwa 1400 Euro aus, das dürfte den Erfolg eher positiv beeinflussen.

Frage 6: In welcher Form veröffentlichen Sie in welcher Häufigkeit?

E-Book und Taschenbuch gemeinsam zu veröffentlichen ist heute Standard. Im Vergleich zu 2018 gibt es aber einen starken Anstieg des Hardcovers. Jeder fünfte Selfpublisher bringt immer auch ein Hardcover heraus. Das Hörbuch hingegen kann im Selfpublishing noch keinen Durchbruch erleben. Es ist da wohl an der Zeit, dass ACX auch hierzulande startet. Weltweit erlebt das Hörbuch gerade einen Boom, an dem deutsche Selfpublisher kaum Anteil haben.

Interessant ist es hier, sich nur Teilnehmer mit mindestens 2000 Euro Monatseinnahmen anzusehen, die “Profis” also. Sie veröffentlichen zu 99,2 Prozent als E-Book und zu 88 Prozent als Taschenbuch – aber fast nie (unter vier Prozent für “immer” und “häufig”) als Hardcover.

Frage 7: Warum nutzen Sie Self Publishing?

Freiheit und Kontrolle – so lässt sich auch 2019 die Hauptmotivation der UmfrageteilnehmerInnen beschreiben. Das ist nun schon seit 2013 eine echte Konstante. Für ein Viertel der AutorInnen steht Selbstverwirklichung im Vordergrund, ebenfalls etwa einem Viertel geht es ums liebe Geld. Schlechte Erfahrungen mit Verlagen hat nicht einmal jeder fünfte gemacht. Etwas anders sieht es bei denen aus, die vom Selfpublishing leben (ab 2000 Euro Monatseinkommen): Hier steht das Motiv “mehr Geld” etwa gleichauf mit Freiheit und Kontrolle an erster Stelle. “Weil ich keinen Verlag gefunden habe” gibt fast keine dieser Autorinnen an.

Frage 8: Würden Sie gern bei einem Verlag veröffentlichen?

In dieser Frage ist ab 2019 auch die Frage “Haben Sie schon …” enthalten, deshalb sehen die Zahlen etwas anders aus. Die Trends sind aber ähnlich. Gut ein Viertel hat bereits eine Verlagsveröffentlichung hinter sich. Von den anderen würde es die große Mehrheit gern mal probieren.

Unter den Profis liegt übrigens das “Habe ich schon” mit 54 Prozent vorn, der Rest teilt sich auf “würde gern” und “kein Interesse” auf.

Frage 9: Was würde Sie daran reizen, bei einem Verlag zu veröffentlichen?

Was spricht für Verlage? Die Antworten ähneln denen der Vorjahre. Zu beobachten ist allerdings, dass der Reiz des Buchhandels mit den Jahren verblasst. Zwar langsam, aber stetig – vielleicht ist es schwierig, etwas zu erstreben, wenn man so wenig Gegenliebe spürt. Das Geld spielt bei der Verlagssuche kaum eine Rolle.

Der zweite Teil der Umfrage befasst sich mit konkreten Vertriebswegen und Umsatz-Anteilen. Die Auswertung folgt hier.

Frühere Umfragen: 20132014, 20152016 und 2018.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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