Vorablesen, ePubli & Co.: Erfahrungen mit einer Übersetzung auf dem deutschen Markt

Joanna F. Penn started gerade mit Pentecost, Ein ARKANE Thriller über ePubli und Amazon auf dem deutschen Markt. Die Autorin hat zwar bereits 10 Titel in Englisch veröffentlicht und insgesamt über 100.000 Exemplare verkauft – doch Pentecost ist ihr erster Versuch mit einer deutschsprachigen Übersetzung. Joanna betreibt die unter Self Publishern beliebte Seite TheCreativePenn.com; ihr Buch “How to Market a Book” hilft Indie-Autoren bei der Vermarktung.

Ungewöhnlich am Deutschland-Start von Pentecost erschien mir die Nutzung des Portals Vorablesen.de – das ich bisher als eher auf Verlage fokussiert kannte. Ich habe Joanna dazu ein paar Fragen gestellt, die Sie auf Englisch beantwortet hat. Hier die Übersetzung.

Wie bist du überhaupt auf Vorablesen.de gekommen? Ich muss zugeben, dass ich die Seite als Self Publisher bisher nicht berücksichtigt habe.

Ein Freund in der deutschen Verlagsbranche hat mir die Seite empfohlen. Ich habe die Gründerin Antonia Besse auf der Londoner Buchmesse getroffen und sie über ihren Service ausgefragt. Obwohl die Seite tatsächlich primär mit Verlagen arbeitet, sind sie auch an der Zusammenarbeit mit unabhängigen Autoren interessiert, deren Titel professionell genug sind, dass sie sich vor Verlagsbüchern nicht zu verstecken brauchen und die daran interessiert sind, ein größere Publikum und insbesondere Buch-Blogger zu erreichen (Anmerkung d.R.: die Vorstellung eines Buches dort kostet Self Publisher 775 Euro).

Das Konzept kannte ich vom englischsprachigen NetGalley, wo Buch-Rezensenten und -Blogger ebenfalls Vorabkopien von Büchern bekommen. NetGalley hat für manche englischsprachuge Autoren hervorragend funktioniert, für andere war es reine Geldverschwendung, und ich vermute bei Vorablesen ist es ähnlich. Das Ergebnis hängt wohl davon ab, ob das Buch zur Mehrheit der Reviewer dort passt. Ein literarischer Krimi wird da wohl besser abschneiden als ein postapokalyptisches Zombie-Buch.

Wie hast du die Seite genutzt? Wie haben die Leser reagiert?

Es gab drei Hauptaufgaben, bei denen mir Vorablesen behilflich war.

  1. Entscheidung über das Cover-Design. Ich hatte zwei Vorschläge für Pentecost. Eines zeigte bloß eine Flamme, das andere eine Frau mit einer Waffe – klar auf den US-Markt zielend. Bei Vorablesen können die Nutzer über Cover abstimmen und diese bewerten, und das Flammenmotiv hat klar gewonnen, also nutze ich das nun. Solche Fragen kann man natürlich auch anderswo stellen.
  2. Reaktionen auf das Buch und frühe Besprechungen. Ich war sehr nervös, was mein erstes Buch in Deutsch betraf, vor allem weil es in der Action-Adventure-Thriller-Nische angesiedelt ist, also einer Kombination aus Dan Brown und Lara Croft, also definitiv kommerzielle Belletristik. Es läuft in den USA gut, aber ich hatte keine Ahnung, was deutsche Leser betrifft. Großartigerweise hat Pentecost auf Vorablesen 116 Kurzbewertungen mit im Mittel 4,4 Sternen bekommen und dazu 21 längere Besprechungen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnissen – und überzeugt, dass deutsche Leser mein Buch mögen. Die Nutzer dort gaben auch nichts darauf, dass dem Buch ein Verlag im Hintergrund fehlte. Ich habe Zitate aus den Besprechungen auf meiner Buchseite verwendet. Es ist praktisch, schon mit einen Fundus starten zu können, bevor Rezensionen anderer Leser eintreffen.
  3. Rezensionen bei eBook-Stores. Es gibt Belohnungen in Form von Punkten für die Nutzer, wenn diese ihre Rezensionen aus Vorablesen auch in den Onlineläden posten. Meine ersten paar Besprechungen auf Amazon kommen daher. Ich hoffe, dass mit der Zeit noch mehr der guten online gehen.

Wie einfach oder kompliziert ist der Umgang mit der Seite?

Die Seite ist in Deutsch, sodass mir ein Mitarbeiter beim Hochladen der Buchdetails helfen musste. Das ging alles wirklich beeindruckend schnell. Es soll demnächst aber auch eine englischsprachige Version geben. Ich werde das im Auge behalten, denn ich denke, es gibt noch Raum für einen Konkurrenten für NetGalley.

Wie verliefen denn insgesamt deine Vorbereitungen auf den Deutschland-Start?

Es ist noch sehr früh, und eine Grundregel des Buchmarketing sagt: Ein Buch ist nicht genug, du brauchst mehrere Bücher, um wirklich eine Menge abzusetzen. Ich glaube auch an den Long Tail der Indie-Bücher und erwarte weniger einen kurzfristigen Schnellstart als eher eine allmähliche Steigerung der Verkäufe.

Dabei probiere ich so allerhand aus, auf den Unterhaltungen mit dir basierend (und deinem tollen Buch).

  • Ich habe mit meinem Übersetzer daran gearbeitet, die richtigen Keywords und Metadaten zu finden. Wir haben die Auto-Vervollständigen-Funktion von Amazon.de dafür genutzt, statt nur meine englischen Keywords zu übersetzen. Mit den Kategorien ist es problematisch, weil es zwar in KDP dasselbe Interface gibt, aber doch noch weitere Unterkategorien auf Amazon existieren, die man mit Keywords erreicht. Die Rubriken bei Amazon.de sind da weitaus weniger fein aufgeteilt.
  • Es wird rund um den Pfingstsonntag (8. Juni) eine Promo-Aktion auf XTME.de geben.
  • Ich habe meinen Newsletter-Abonnenten gemailt und deutsche Leser um Besprechungen von Pentecost gebeten. Das Echo war ganz ordentlich, sodass ich für die kommenden Wochen ein paar Rezensionen erwarte.
  • Wenn das Taschenbuch fertig ist, werde ich mich auf Buchblogger konzentrieren, ich habe schon eine substanzielle Liste vorbereitet. Außerdem werden wir auf Goodreads und Lovelybooks weitere Leser suchen, aber dazu, denke ich, ist eine gedruckte Version hilfreich.

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Ich habe auch noch ein anderes Buch am Start, Desecration, ein dunklerer Krimi, der im Juli beim Ullstein-eBook-Label Midnight herauskommen wird. Mein Ziel war es, Pentecost vorher im Self Publishing online zu haben, sodass sich die Bücher gegenseitig anschieben können. Deutschland ist für mich ja ein ganz neuer Markt, da probiere ich aus, was am besten funktioniert. Ich habe noch viele andere Titel fertig und weitere in Vorbereitung, also werde ich aus den Lektionen von Pentecost und Desecration lernen und meine Strategie dann anpassen.

Pentecost. Ein ARKANE Thriller ist in allen eBook-Stores erhältlich (und bald auch gedruckt).

Joanna ist über JFPenn.com erreichbar und bei twitter als @thecreativepenn

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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