Vorsicht: wie Sie zu Rezensionen ermuntern dürfen – und wie nicht

Rezensionen sind wichtig. Niemand kauft gern die Katze im Sack. Ein Buch, das noch von niemandem besprochen wurde, wird nicht gekauft, und solange es nicht gekauft wird,erhält es keine Rezensionen. Aus den Teufelskreis herauszukommen, ist nicht leicht – der einfachste Weg ist eine Leserunde (mehr zu Leserunden hier). Aber es gibt auch Plattformen wie Vorablesen, die Ihr Buch gegen Gebühr an fleißige Leser verteilen. Mehr zu den legalen Wegen, Rezensionen  zu erhalten, habe ich in einem eigenen  Artikel zusammengefasst.

Das bedeutet, dass es natürlich auch illlegale Wege gibt. Manche davon sind klar als illegal zu erkennen, andere nicht so einfach. Gegen die Bestimmungen verstößt es immer, wenn Gegenleistungen im Spiel sind, die über das Bereitstellen des Buches oder E-Books zum Lesen hinausgehen. Sie verstoßen übrigens auch die Bestimmungen, wenn sie Dritte beauftragen, etwa virtuelle AssistentInnen, und diese illegale Praktiken einsetzen. Für Ihren Account sind am Ende Sie verantwortlich. Unwissen schützt nicht vor Strafe.

Kauf von Rezensionen

Es sind Agenturen unterwegs, die Ihnen Rezensionen im Paket vermitteln. Zehn Rezensionen, natürlich mit mindestens vier Sternen, für x Euro – was kann man da falsch machen? Alles. Ein solches Vorgehen steht ganz oben auf der Liste der illegalen Mittel. Das merkt doch niemand? Das glauben Sie wirklich? Diese Agenturen sind immer dabei, neue Kunden zu suchen. Irgendwann treffen sie einen ehrlichen Autor, der nach Referenzen fragt – und jetzt sind Sie dran. Denn  die rezensierenden Amazon-Accounts sind am Ende stets dieselben, und darüber lassen sich die zahlenden Kunden identifizieren.

Bewertung: kann Sie den KDP-Account kosten

Tausch von Rezensionen

Ich rezensiere dein Buch – und du meins. Klingt fair, ist aber illegal, weil der Rezensent eine Belohnung bzw. Bezahlung erhält (s.u., nämlich ebenfalls eine Rezension). Trotzdem beschäftigen sich diverse Facebook-Gruppen damit. Halten Sie gebührenden Abstand! Ihnen ist doch sicher klar, dass mindestens die anderen Gruppenmitglieder sehen, wer noch Mitglied ist, also illegale Praktiken betreibt? Und woher wollen Sie wissen, ob nicht ein Amazon-Mitarbeiter dabei ist?

Bewertung: kann Sie den KDP-Account kosten

Belohnung von Rezensionen

Eine gute Rezension macht Arbeit. Was liegt da näher, als den Rezensenten für seine Arbeit zu belohnen? Etwa, indem Sie unter allen Bewertern ein Gewinnspiel veranstalten oder dem  Rezensenten des E-Books nach Veröffentlichung der Besprechung den Kauf per Gutschein erstatten oder ihm ein gedrucktes Buch schenken. Doch all das sind unerlaubte Zuwendungen. Sie verlieren nicht nur die entsprechenden Bewertungen, sondern auch das Vertrauen Ihrer Fans, die oft durchaus ein Gefühl dafür haben, ob Sie auf der hellen oder der dunklen Seite unterwegs sind. Insbesondere Erstattungen für Käufe, egal in welcher Form, sieht Amazon sehr kritisch, weil damit auch noch der Status des “verifizierten Kaufs” bei der Bewertung gefälscht wird. Solche Manipulationen können Sie den KDP-Account kosten. Und ja, so etwas kommt heraus.

Bewertung: kostet Vertrauen und unter Umständen den Account

Versand kostenloser Rezensionsexemplare

Blogger und Journalisten, aber auch Nutzern von Buchnetzwerken wie Lovelybooks dürfen Sie kostenlose Exemplare Ihres Buches schicken, egal, in welcher Form. Das ist eine uralte Praxis. Sie verstößt nach wie vor nicht gegen die Amazon-Bestimmungen – es sei denn, Sie machen eine Rezension zur Bedingung. Der Empfänger des Buches muss stets frei in seiner Entscheidung sein, ob und wenn ja, wie er rezensiert.

Bewertung: absolut legal – solange der Empfänger nicht zur Rezension gezwungen ist

Bitte um Rezension

Am Ende eines Buches, aber auch im regelmäßigen Newsletter für die Fans ist der richtige Platz dafür: Bitte Sie in netten Worten um eine Besprechung. Eine solche Bitte kann Ihnen niemand verwehren. Erklären Sie, wie wichtig Rezensionen für den Autor sind und dafür, für ein Buch noch viele weitere Leser zu finden. Werden Sie nicht penetrant, aber haben Sie auch keine Scheu davor, die Bitte explizit auszusprechen. Und machen Sie es dem Leser einfach: Bitten Sie ihn nicht nur, sondern verraten Sie im Anschluss auch gleich den Link, der direkt zu den Rezensionen führt.

Bewertung: ja,  bitte!

Sie haben eine Idee, wie Sie mehr Rezensionen erhalten, sind aber unsicher, ob dieser Weg legal ist? Fragen Sie doch einfach hier.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Kommentare

  1. Wo finde ich den Link? Ist es der hinter “Bewertung abgeben” auf der Produktseite?
    Wie sähe es aus, wenn man z.B. eine Bonusgeschichte zur 50. Rezension verspricht, die ALLE erhalten (über Website, Newsletter, Wattpad, o.ä.) Das wäre ja dann keine individuelle Geschichte, von der die Rezensenten allein profitieren. Eher so etwas wie gemeinsames feiern eines Meilensteins, wie man das zB auch bei x Followern gern mal macht.

  2. Ich möchte in einer Facebookgruppe dazu anhalten, Rezensionen zu zeigen: “Zeig uns Deine Rezension, die du gern geschrieben hast.” 1.) Ist das Regelkonform? 2.) Darf ich dazu unter den Teilnehmern ein Buch verlosen?

  3. Danke für diese tolle Zusammenfassung! ❤️ Aber sag mal, ist es nicht problematisch den direkten Link zum Rezensionverfassen zu nennen. Ich dachte, Amazon sieht es kritisch, wenn Rezensionen über sockhe Verlinkungen kommen?

    Liebe Grüße Andrea

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