Sieben Versprechungen, bei denen Sie hellhörig werden sollten

“Es jibt immer sone und solche”, hat meine Großmutter gern gesagt. Es gibt in der Buchbranche zahlreiche Menschen und Unternehmen, die Selfpublishern auf die eine oder andere Weise bei der Arbeit helfen, als Dienstleister, Berater und so weiter. Natürlich wollen sie für ihre Arbeit bezahlt werden, so wie Sie als Autorin oder Autor ja auch gern möglichst viele Leser*innen dazu bringen möchten, für Ihre Bücher zu bezahlen.

Aber es gibt auch ein paar – wenige –, denen es nur um Ihr Bestes geht, um Ihr Geld, und die dabei mit unrealistischen und überzogenen Versprechungen arbeiten. Woran erkennen Sie diese Menschen oder Firmen, bevor es zu spät ist und Sie ihnen viel Geld gezahlt haben? An eben diesen Versprechen.

1. Wir bringen Ihr Buch garantiert in den Buchhandel

Das versprechen vor allem Druckkostenzuschuss-“Verlage” gern. Es ist aber ein unhaltbares Versprechen. Selbst die größten Verlage können das nicht garantieren. Sie schicken zweimal im Jahr zahlreiche Vertreter durch die Bundesrepublik, die Buchhändlern die Werke schmackhaft machen sollen. Und selbst denen gelingt das nur manchmal – bei 80.000 Neuerscheinungen allein aus Verlagen pro Jahr vielleicht auch kein Wunder.

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir machen Ihr Buch im Buchhandel bestellbar.”

2. Wir machen Ihr Buch zum Bestseller

Es gibt keinen sicheren Weg, ein Buch zum Bestseller zu machen. Gäbe es einen, wären alle Bücher Bestseller – und das ist mathematisch unmöglich. Fragen Sie doch Menschen oder Firmen, die Ihnen so etwas versprechen, wo ihre eigenen Bestseller sind – und warum sie nicht lieber weiter neue Bestseller schreiben, statt ein System zu verkaufen, das angeblich Bestseller produziert.

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir geben Ihrem Buch die Chance, ein Bestseller zu werden.”

3. Wir machen Ihr Buch fehlerfrei

Menschen machen Fehler, das ist normal. Jedes Buch im Buchhandel enthält Fehler. Manche sieht man sofort und fragt sich, wie das passieren konnte. Andere bemerkt man nur, wenn man sich mit dem Thema sehr genau auskennt. Wer Ihnen Fehlerfreiheit verspricht, handelt unseriös. Andererseits sollten Sie allerdings auch von ihren Dienstleistern nichts Unmögliches verlangen.

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir minimieren die Fehlerzahl in Ihrem Buch.”

4. Wir verraten Ihnen die Geheimnisse des Amazon-Algorithmus

Niemand weiß genau, wie Amazons Algorithmen funktionieren – und ich wette, dass es selbst Amazon nicht genau sagen kann. Die Software, die dahinter steht, ist inzwischen ausreichend komplex, dass die einzelnen Faktoren nicht mehr genau vorhersehbar sind. Zu behaupten, den Amazon-Algorithmus komplett zu verstehen, ist etwa so seriös wie einen Wetterbericht für das kommende Jahr abzugeben.

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir geben Hinweise, wie der Algorithmus funktionieren könnte.”

5. Wir verschaffen Ihnen ein dauerhaftes Einkommen als Autor

Man kann vom Schreiben leben, auch vom Selfpublishing. Etwa 250 Autorinnen und Autoren gelingt letzteres in Deutschland gerade. Noch einmal 1000 mehr versuchen es. Nicht alle werden es schaffen – dafür ist der Markt schlichtweg zu klein. Selbst wenn der Anteil des Selfpublishing am deutschen Buchmarkt von derzeit 5 auf 30 Prozent steigen und sich das zusätzliche Einkommen gleichmäßig verteilen würde (in der Realität verdienen meist wenige viel und viele wenig), könnten in Zukunft höchstens 1500 Schreibende vom Selfpublishing leben. Für viele wird deshalb ein gesunder Mix wichtig sein: Bücher, Lesungen, Vorträge, Artikel…

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir erklären Ihnen die Voraussetzungen, vom Schreiben zu leben.”

6. Wir zeigen Ihnen die ultimative / die perfekte Strategie, dies und jenes zu tun

Jeder Jeck ist anders, sagen die Kölner. Das gilt auch für den Buchmarkt. Die eine, die ultimative, die perfekte Strategie kann es nicht geben, egal wofür. Was bei der einen funktioniert, klappt beim anderen nicht. Was heute gilt, hat sich morgen verändert. Gerade im Selfpublishing ist es wichtig, aus Fehlern zu lernen, aus eigenen und aus fremden, und dafür muss man Dinge ausprobieren, Dinge, die noch niemand versucht hat, Dinge, die schon oft funktioniert haben, und sogar Dinge, die noch bei niemand anderem erfolgreich waren.

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir zeigen Ihnen eine Strategie, die bei uns gestern funktioniert hat.”

7. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Büchern und E-Books passives Einkommen erzielen

Ein wachsendes Bankkonto, ohne dafür einen Finger zu rühren? Wer würde das Angebot nicht annehmen. Tatsächlich jedoch ist kaum eine Branche von passiver Tätigkeit so weit entfernt wie die Buchbranche. Bücher schreiben und verkaufen sich nicht von selbst, und sie verkaufen sich auch nicht ewig. Sachbücher veralten, Belletristik verschwindet in der Unsichtbarkeit, weil dauernd neue Titel auf den Markt kommen, 80.000 im Jahr allein von den Verlagen. Die typische Verkaufskurve flacht nach 30 und dann noch einmal nach 90 Tagen deutlich ab, und wenn Sie bis dahin nicht heftig aktiv waren, war es das auch mit dem Einkommen.

Was ist ein realistisches Versprechen? “Wir zeigen Ihnen, wie sie in Zukunft mit weniger Stress veröffentlichen.”

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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