Darf ich Font … in meinem E-Book oder Taschenbuch verwenden?

Vielleicht. Gut, die Antwort ist etwas kurz und unbefriedigend. Man könnte auch sagen: Es hängt davon ab, was Sie mit bestimmten Schriftarten tun dürfen und was nicht. Aber wovon genau? Dazu müssen wir zunächst gedruckte Bücher und E-Books unterscheiden.

Bei gedruckten Bücher ist die Antwort relativ einfach. Wenn Sie eine Schriftart mit einem kommerziellen Programm erworben haben, dürfen Sie sie im Druck-PDF verwenden. Ausgenommen sind allerdings in der Regel Stundenten- oder reine Privat-Versionen (“Home”). Microsoft etwa beschreibt das hier. “In  der Regel” heißt natürlich auch, dass es Ausnahmen geben kann. Im Zweifel müssen Sie beim Hersteller nachfragen.

Bei E-Books ist es etwas komplizierter. Die Frage ist jedoch: Brauchen Sie den Font überhaupt im fertigen E-Book? Der Kindle und der Tolino-E-Reader etwa besitzen mehrere eingebaute Schriftarten, zwischen denen der Leser wählen kann. Amazon verbietet es explizit, andere Schriftarten für den Lauftext zu verwenden.

Lediglich bei Schmuckelementen (Überschriften u.ä.) dürfen Sie die Schriftart Ihrer Wahl einsetzen. Dazu müssen Sie sie in das fertige E-Book einbetten; das funktioniert mit Programmen wie Jutoh gut. Der Font ist dann innerhalb des E-Books gespeichert, und hier beginnen die Probleme. Denn die Lizenz zum Einbetten  (embedding) ist nicht bei jeder Schriftart inklusive. Sie müssen sie also für jeden Font separat prüfen und u.U. kaufen (was durchaus 100 Euro  und mehr kosten kann). Eine Alternative sind dann freie Schriftarten, die Sie im Internet in großer Zahl finden, etwa bei Fontsquirrel.com.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Kommentare

  1. Zu Schriften im Druck-PDF:
    Eine Studenten- oder Home-Version von MS Office dürfte man – streng genommen – gar nicht mehr verwenden, wenn man damit Bücher für den Verkauf schreibt. Tut man es trotzdem und will nur nicht erwischt werden, muss man natürlich die Office-Schriftarten meiden. Dazu sollte man erst mal rausfinden, welche Schriften überhaupt Teil der Office-Lizenz sind und welche bereits mit Windows installiert wurden. Die Windows-Schriftarten darf man normalerweise frei verwenden. Oder man nutzt gleich eine alternative Font-Sammlung (z. B. von SoftMaker), die eine Nutzung für PDFs und Printmedien erlaubt.

    Zu Schriften im EPUB:
    Generell ist das Verwenden eigener Schriftarten in E-Books fragwürdig, weil man sehr schlecht voraussehen kann, wie sie auf den verschiedenen Readern wirken. Das liegt an den unterschiedlichen Display-Technologien und -Auflösungen, aber auch an unterschiedlichem Font-Rendering (z. B. sieht derselbe Font auf einem älteren Tolino Page völlig anders aus als auf einem älteren Amazon Kindle, obwohl beide dasselbe E-Ink-Display mit 800 x 600 Pixeln verwenden). Die im E-Reader eingebauten Schriftarten sind meist besser auf das Gerät abgestimmt.
    Die heutigen E-Reader gehen auch nicht einheitlich mit eingebetteten Schriften um. Manche zeigen sie standardmäßig an, solange der Leser nichts Abweichendes einstellt. An manchen (z. B. an neueren Kindle-Geräten) muss der Nutzer dazu erst manuell auf “Verleger-Schriftart” stellen – was in der Praxis kaum ein Leser von sich aus tut.
    Wenn der Leser für den Fließtext bewusst eine andere Schriftart am Reader einstellt, zeigen manche Geräte die Überschriften und Sonderabsätze trotzdem noch in den ggfs. eingebetteten Schriftarten an, während manche Reader dann radikal überall nur noch die manuell gewählte Schriftart verwendenund alle eingebetteten Schriftarten ignorieren.
    Auf all das haben wir als Ersteller der E-Book-Dateien keinen Einfluss.
    Man kann vom Einbetten eigener Schriftarten nur dringend abraten, sofern es sich nicht um unbedingt nötige Schriften (exotische Sprachen oder Symbole) handelt – und in diesen Ausnahmefällen sollte man in der Einleitung des E-Books unbedingt darauf hinweisen, dass die Nutzung eingebetteter Schriften ggfs. aktiviert werden muss.

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