Veröffentlichen in schweren Zeiten: fünf Tipps für Selfpublisher

Was die schweren Zeiten betrifft, braucht dieser Artikel sicher keine Einführung. Über die Auswirkungen der Krise auf die Buchbranche wurde ebenfalls schon viel geschrieben, manches berechtigt, anderes – aus meiner Sicht – übertrieben oder mit falschen Schuldzuweisungen. In diesem Artikel soll es ganz konkret um die Lage der Selfpublisher gehen, nein, nicht um die Lage, sondern vielmehr darum, was sich daraus für die Veröffentlichungsstrategien ergibt.

1. Soll ich jetzt überhaupt veröffentlichen?

Ja. Wenn Ihr Buch nicht im Handel ist, kann es auch niemand kaufen. Es gibt keinen optimalen Veröffentlichungs-Zeitpunkt. Wenn Sie schon Fans haben, werden die Ihre Bücher kaufen, ganz egal, wie es auf der Welt zugeht. Wenn Sie noch keine Fans haben, dann wird es Zeit! Je eher Sie damit anfangen, Fans zu gewinnen, desto eher gelingt es Ihnen.

2. Aber die Verkäufe laufen gerade schlecht …

Amazon liefert gedruckte Bücher – auch solche, die KDP selbst druckt – derzeit langsamer aus als gewohnt. Andere Onlinehändler liefern aber nicht langsamer. Und vor allem: Als Selfpublisher verkaufen Sie sowieso primär E-Books, und die brauchen keine Auslieferung. Vergleichsweise niedrige Vekaufszahlen sind auch eine Chance: Ihr Buch wird auch mit weniger Verkäufen schon sichtbar.

3. Sollte ich lieber im Preis heruntergehen?

Wenn Sie wollen – warum nicht? Ein günstiger Preis lockt mehr Leser an. Gerade am Anfang kann es sinnvoll sein, die Leserschaft schnell zu erweitern, eben um Fans zu gewinnen. Aber das sollten Sie nicht von der aktuellen Situation abhängig machen, sondern von Ihrer Veröffentlichungs-Strategie. Keine Sorge übrigens: Preisaktionen gibt es und gab es immer. Sie wirken sich in der Regel nicht auf die Verkaufszahlen anderer AutorInnen aus, Sie handeln also nicht unsolidarisch, wenn Sie Ihrer Strategie folgen. Wenn jemand gerade Bücher verschenken möchte, ist das auch kein Problem. Zur Fanbindung eignet sich diese Strategie weniger; tatsächlich ist das Risiko hoch, auf verschenkte Bücher negative Rezensionen zu erhalten, weil eben die falschen Leser (umsonst) an das Buch kommen.

4. Ich kann mich nicht auf das Schreiben konzentrieren

Auch das ist okay. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Derzeit sind Verlegungen von Vorbestellungen seitens Amazon auch ohne Strafen möglich. Und tauschen Sie sich mit anderen aus. Ich empfehle, eher mit KollegInnen darüber ins Gespräch zu kommen als mit LeserInnen. Nutzen Sie die Zeit, in der Sie nicht schreiben können, dazu, Ihr Marketing auszubauen. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, Website und Facebook-Präsenz anzugehen, den Newsletter aufzufrischen usw. Sie können auch schon mal mit der Steuererklärung anfangen, idealerweise gibt es ja sogar Geld zurück.

5. Ich komme nicht über die Runden

Auch Selfpublisher kommen für finanzielle Unterstützung in Frage. Hier finden Sie eine lange Liste mit Soforthilfen für die Kreativwirtschaft.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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