Autoren-Tipp: Der Unterschied zwischen Plagiat und Urheberrechtsverletzung

Bis es sich herumgesprochen hat, dass Abschreiben immer irgendwann ans Tageslicht kommt, werden wohl noch einige Plagiatsfälle aufgedeckt werden. Dabei wird oft die Frage gestellt: Ist das überhaupt ein Plagiat? Was ist ein Plagiat eigentlich, und worin besteht der Unterschied zu einer Verletzung des Urheberrechts?

Die Antwort ist auf den ersten Blick einfach: Das Urheberrecht und seine Verletzung sind juristische Begriffe. Sie sind sehr klar definiert und in Deutschland in vom Bundestag verabschiedeten Gesetzen niedergelegt. Ein Plagiat hingegen ist ein ethisch-moralischer Begriff: jemand gibt fremdes geistiges Eigentum als eigenes aus.

Plagiate gibt es in vielen Bereichen, in denen das Urheberrecht keine Rolle spielt, dafür aber gewerbliche Schutzrechte (etwa das Patent- oder Gebrauchsmusterrecht). Wer den Text eines anderen kopiert und dabei das Zitatrecht nicht beachtet, verstößt damit in der Regel gegen das Urheberrecht. Plagiate verstoßen aber nicht zwangsläufig gegen Gesetze – einen Roman von Karl May zu plagiieren wäre zum Beispiel nicht verboten, da das Urheberrecht des Autors 70 Jahre nach seinem Tod abgelaufen ist. Trotzdem würde es von den meisten Lesern als illegitim betrachtet, gäbe ein Autor einen Karl-May-Western als eigenes Werk aus. Ähnliches gilt für Dinge, die gar nicht unter dem Schutz des Urheberrechts stehen, wie zum Beispiel Ideen. Ideen (etwa eine grobe Romanhandlung) sind für sich nicht schutzfähig, werden aber trotzdem gern plagiiert. Das ist dann ein moralisches Problem, kein rechtliches.

Nicht jede Verletzung des Urheberrechts ist indessen ein Plagiat. Der Verletzer muss auch kein Plagiat begehen, um das Urheberrecht zu verletzen. Ein Buch illegal zu kopieren und anzubieten, stellt definitiv eine Urheberrechts-Verletzung dar – aber kein Plagiat, solange der Verbreiter das Werk nicht auch noch unter eigenem Namen feilbietet. In letzterem Fall würden aber gleich zwei Rechte des Urhebers verletzt. Aber auch das seitenlange Zitat eines berühmten Autors unter Namensnennung in einem Roman wäre zwar kein Plagiat (der wahre Autor ist ja genannt), aber eine Verletzung des Urheberrechts.

Was dem Plagiator droht, hängt also davon ab, ob er eine Urheberrechtsverletzung begangen und welche weiteren Rechte er eventuell verletzt hat. Darüber öffentlich zu berichten, steht übrigens im Einklang mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht. Ein veröffentlichter Text, und darum geht es ja hier in der Regel, ist der Öffentlichkeitssphäre zuzuordnen, die den schwächsten Schutz genießt. Lediglich bei einem Eingriff in die Privatsphäre müsste man sich vorab die Frage stellen, ob der Betreffende eine Person öffentlichen Interesses ist. Natürlich müssen die in diesem Zusammenhang getroffenen Behauptungen wahr (beweisbar) sein oder klar als Meinung erkennbar (Meinungsfreiheit) – und nicht zur diffamierenden Schmähkritik werden.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

9 Comments

  • Hallo Herr Matting,

    ich habe zwei Ihrer Artikel auch in meinem Blog verlinkt. Aus den von Ihnen geschilderten Plagiatsfällen habe ich mich zu einem Beitrag über die Strafbarkeit der Plagiate inspirieren lassen. Vielleicht sind Sie schon auf darauf aufmerksam geworden? Die URL lautet: http://www.strafjournal.com/blog/2016/plagiate-unterhaltungsliteratur-strafbarkeit-abschreiben

    Beste Grüße
    Daniel Ludwig

    • Hallo, ja, ist schon aufgefallen, sehr interessant 🙂

  • Hallo Marcel,
    dennoch würde ich da sehr behutsam vorgehen. Ein kommerzielles Ungetüm, wie Herr der Ringe, ist von allen Seiten massiv mit allerlei juristischen Fallen versehen. Eine Parodie ist in der Tat kein Plagiat, aber ein Werk wie Herr der Ringe ist da recht komplex von verschiedenen Ansprüchen belagert. Ich weiß, dass Peter Jackson bei der Verfilmung der Hobbit-Filme z.B. bestimmte Charaktere nicht erwähnen konnte, obwohl sie in der Vorlage vorkamen, da diese auch in einem anderen Tolkien-Buch zu finden waren und hier die Verfilmungsrechte bei einer ganz anderen Firma lagen. Und das bei einen Regisseur, von dem man annimmt, dass er sich alles leisten kann. Darum kann man vermutlich nicht so einfach Protagonisten wie Gandalf oder Frodo in seiner Geschichte auftauchen lassen – auch wenn es nur Parodie ist. Außer vielleicht als Spitznamen von zwei ukrainischen Gangstern. Es gibt hier auch Themen wie Markenschutz. Bei all dem Getue der letzten 17 Jahre rund um Tolkien, ist da vermutlich allerlei gesondert geschützt worden. Das juristische Paket dürfte also ziemlich kompliziert sein.

  • Selbst im Karl May-Fall ist die Sachlage hinsichtlich Plagiat nicht zwingend eindeutig,

    Weist der Autor in einem Vorwort oder Nachwort deutlich auf das Originalwerk und seine persönliche Beziehung dazu hin und erzählt den Roman mit eigenen Worten neu (selbst wenn der Handlungsablauf zu 100 % übernommen wird), würde man es als allgemein als Pastiche oder in diesem Fall als Hommage bezeichnen.
    Die Vorgehensweise ist zwar nicht zwingend originell oder kreativ, aber moralisch nicht verwerflich.

    Vorbehaltlich den Vorgaben des Urheberrechts.
    Ich würde also tunlichst Abstand davon nehmen, die Geschichten eines Zauberlehrlings mit Narbe auf der Stirn in den nächsten Jahrzehnten nachzuerzählen, nur weil sie mir gut gefallen hat …

  • Was ich mich ja momentan frage – und vielleicht kriege ich hier ja eine Antwort darauf – ist die Frage, wann etwas denn überhaupt als Plagiat gilt? Ich arbeite seit längerem an einer Fantasygeschichte, die einige “Klassiker” wie Herr der Ringe oder Die Nibelungen parodiert. Dabei übernehme ich zwar keine Textstellen, aber zumindest Szenen, die ich dann aber in meinem eigenen Stil schreibe (Bad im Drachenblut/Etwas in Vulkan werfen). Wäre das schon ein Plagiat, oder fällt das unter die Freiheit, dass man Ideen ja kopieren darf?

    • Es ist keine Urheberrechtsverletzung. Und Parodien gelten im allg. auch nicht als Plagiate.

      • Danke für die schnelle Antwort. Also darf man mehr oder weniger alles, außer eben Texte zu kopieren?

        • Hm, du darfst auch keine Bücher ohne zu Bezahlen aus der Buchhandlung mitnehmen. Mit “du darfst alles, außer” bin ich vorsichtig, wer weiß denn, was den Leuten so einfällt 😉

          • Schätze ich sollte noch mal zurück in die Buchhandlung gehen und etwas Geld auf die Theke legen …
            Danke jedenfalls für die Hilfe. Ich scheine mit meiner Geschichte jedenfalls auf der recht sicheren Seite zu sein.

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