Braucht mein Buch einen Haftungsausschluss oder Disclaimer?

Vor allem in Sachbüchern, aber zunehmend auch in Romanen finden sich Absätze, in denen der Autor jede Haftung für die von ihm zusammengetragenen  Informationen ablehnt. Darüber steht dann so etwas wie “Haftungsausschluss” oder “Disclaimer”. Die Idee dahinter ist: Was passiert, wenn ich mich geirrt habe, der Leser folgt meinem Rat und erleidet einen Schaden?

Das ist allerdings eine relativ naive Vorstellung. Das BGB erlaubt zwar in Verträgen, die Haftung auszuschließen, bis hin zur groben Fahrlässigkeit. Aber Sie können dem Käufer Ihres Buches, das dieser bei einem Händler erworben hat, nicht einfach einen Vertrag aufzwingen. Allenfalls ließe sich so etwas über Allgemeine Geschäftsbedingungen regeln, aber über die müssen Sie den Leser VOR Vertragsabschluss informieren und nicht erst im Buch. Wenn  der Käufer den Vertrag schon eingegangen ist, ist es zu spät. Hinzu kommt, dass gegenüber Privatkunden  der Haftungsauschluss in AGB nach Paragraph 309 des BGB (Absatz 7) in vielen Fällen verboten ist.

Grundsätzlich gilt also: Entweder Sie haften, dann haften Sie und können sich auch nicht davon mit ein paar Sätzen freisprechen. Oder Sie haften eben nicht. Die Frage, wer wann und wofür haftet, ist höchst komplex und wird final erst vor Gericht geklärt – wobei spezialisierte Rechtsanwälte beratend hilfreich sein können. Es gehört insofern zum Berufsrisiko insb. von Sachbuchautoren, zu Recht (oder zu  Unrecht) in  die Haftung genommen zu werden.  Ein Satz in Ihrem Buch kann das nicht verhindern – wäre das so, gäbe es keine Haftpflichtversicherungen, die im Fall des Falles  einspringen. Achtung: Ihre Privathaftpflicht wird hier i.d.R. nicht zahlen. Und Sie müssen die Versicherung vor Eintreten des Versicherungsfalles abschließen.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Comments

  • Danke fĂĽr den Beitrag, hilft mir weiter

  • “Die Frage, wer wann und wofĂĽr haftet, ist höchst komplex und wird final erst vor Gericht geklärt…”

    Ist es nicht merkwĂĽrdig, dass man ihre simple Eingangsfrage schlichtweg nicht beantworten kann?

    • Die Eingangsfrage ist sehr leicht zu beantworten, und das passiert auch im Text.

  • Hallo, Herr Matting,
    als Erstes ein generelles Dankeschön fĂĽr Ihre interessanten Beiträge und fĂĽr die Arbeit, die sie in die Recherche dafĂĽr stecken. Auf die Idee, beim Roman einen Disclaimer zu verlangen oder auch nur zu erwarten, käme ich weder als Autor noch als Leser. Ein Roman, sollte er auch auf wahren oder historischen Begebenheiten basieren, ist Fiktion. Es dĂĽrfte also wenige Anlässe geben, bei der die Ursache eines Schadens dort zu suchen wäre. Sogar, wenn Anleitungen zum Giftmischen oder zum Bombenbauen enthalten sind. Anders verhält es sich, wenn der Roman zu Verbrechen anstiftet oder das Persönlichkeitsrecht verletzt. Sich als Autor gegen die Folgen zu wehren, fiele in jedem Fall unter das Strafrecht, und da hilft beim Anstiften und Verletzen der Persönlichkeitsrechte eine Haftungsbeschränkung auch nicht. Andererseits ist wohl die Gefahr einer Haftung beim Sachbuch – hier besonders beim Ratgeber – nicht von der Hand zu weisen. Sollte der Autor seinen Disclaimer im Klappentext unterbringen oder beim Onlinehandel in der Buchbeschreibung, ist er m.E. aus dem Schneider. Dann wäre der Disclaimer Teil des Angebots, schlieĂźlich kann er vor dem Kauf, d.h. vor Vertragsabschluss, vom Käufer gelesen werden. Als Verfasser dieses Kommentars weise ich natĂĽrlich jegliche Haftung fĂĽr Schäden, die aus dem Lesen und Befolgen entstehen können, von mir.
    Mit besten GrĂĽĂźen
    Michael Kothe, Autor

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