Für Cover-Unschlüssige: A/B-Test – oder wie man zu einer wirtschaftlich besseren Entscheidung gelangt

Du starrst auf den Monitor. Deine Augen brennen, auf deiner Stirn prangt eine Falte, so tief, dass du einen Korken darin festklemmen könntest. Du schlägst verärgert auf den Schreibtisch und winkst deinen Partner zu dir. „Welches Cover gefällt dir besser?“ Dein Partner mustert die beiden Varianten und zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung.“

Genau – keine Ahnung. Ist nun das weiße oder das rote Cover ansprechender? Welches wird sich besser verkaufen? Variante A oder Variante B? Viele von uns Selfpublishern kennen dieses Problem, doch es gibt ein probates Mittel aus der Softwareentwicklung: Den A/B-Test.

Ein A/B-Test stellt zwei Varianten unter gleichen Bedingungen gegenüber. Er kann für fast alles genutzt werden. Der Vorteil gegenüber dem Befragen von Freunden oder Verwandten: Er ist ein direkter Test an der Zielgruppe. So können konkrete Rückschlüsse auf die Marktfähigkeit des Buchs (oder Produkts) gezogen werden. Der Nachteil: Ein A/B-Test kostet Geld und Zeit.

In meinem Beispiel möchte ich zwei Krimi-Cover (ein „herkömmliches“ und ein „ausgefallenes“) gegenüberstellen. Persönlich tendiere ich zum Ausgefallen (Version A), doch die Marketingprofis raten davon ab (Argument: zu ausgefallen; die Leser werden es nicht kaufen) und empfehlen das Herkömmliche (Version B). Da ich unentschlossen bin und eine Fehlentscheidung die Einnahmen des Buchs stark mindern kann, entscheide ich mich für einen A/B-Test.

Dazu brauche ich:

  • Eine Werbeplattform (ich entscheide mich für Facebook, da ich dort bereits eine Autorenseite und Erfahrung mit Werbeanzeigen habe)
  • 2 Werbeanzeigen passend für die Werbeplattform
  • 2 Landing-Pages mit einer Call-to-Action-Option; in meinem Fall einer Vorstellbestellfunktion für das Taschenbuch
  FB_A_DieKoechinnen  FB_B_DenTodGibtesdazu

Variante A – „ausgefallen“

Variante B – „herkömmlich“

Nun schalte ich die beiden Werbeanzeigen für jeweils 25 Euro auf Facebook: zeitgleich, mit identischer Zielgruppe, gleichem Text und bezahle nach Impressions. Das ist wichtig, da ich aus den Klicks Rückschlüsse ziehen will und keine (undurchsichtige) Optimierung seitens Facebook möchte. Jede Anzeige verlinkt auf eine meiner Landing-Pages, die wiederum identisch sind, bis auf Cover und Titel.

Das Ergebnis:

Variante A

Variante B

Budget:

25 €

25 €

Impressions:

7.701

7.867

Klicks:

4

12

Konversion:

0,05 %

0,15 %

Kosten pro Klick:

6,25 €

2,08 €

Vorbestellungen:

0

0

Die Werte sprechen deutlich für Variante B. Die Werbung für Variante A würde mich 300 Prozent mehr kosten – bei gleichem Werbeeffekt. Scheinbar spricht Variante B meine Zielgruppe besser an. In der Konsequenz ist zu erwarten, dass sich das Buch mit dem Cover in der Variante A schlechter verkaufen wird als mit der Variante B, auch wenn in beiden Fällen niemand den Roman vorbestellt hat (was bei einem Taschenbuch zu erwarten war; interessant ist das bei teureren Produkten, aber das wäre ein eigenes Thema).

Um das Ergebnis zu verifizieren, testete ich die beiden Cover per Banner auf der Plattform XTME, wo ich zur Veröffentlichung Werbung für das Buch schalten möchte. Die Ergebnisse sind wieder ähnlich, nicht ganz so ausgeprägt, aber sie sprechen ebenfalls für Variante B.

Fazit: Mit dem A/B-Test konnte ich im Vorfeld für wenig Geld die Marktfähigkeit meines Covers prüfen. Ich werde definitiv ein „herkömmliches“ Cover wählen und vielleicht noch den Titel A/B-testen.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

5 Kommentare

  1. das kann ich nicht beurteilen. Aber für eine erste Einschätzung ist so eine Umfrage in meinen Augen nicht verkehrt. Das o.g. Beispiel ist eh nicht schlüssig, durch die beiden verschiedenen Titel.

  2. Nein, eine Umfrage ist nicht dasselbe – da werden die Antworten von zu viel Psychologie beeinflusst. Wenn ich bewusst antworte, antworte ich anders. Ist vielfach nachgewiesen. A/B-Tests dieser Art sind deshalb aussagekräftiger.

  3. das könnte man mMn einfacher und kostenlos haben, indem damit in eine Facebook-Gruppe geht, in der überwiegend die Zielgruppe vertreten ist, und eine Umfrage erstellt. Gleiche Buchtitel sollte man allerdings verwenden, bzw. für den Titel eine zweite Umfrage starten.

  4. Im Prinzip eine gute Vorgehensweise – just in diesem Fall aber wenig aussagekräftig. Sie hätte nur funktioniert mit identischen Titeln.
    Das erste strahlt “Belletristik” aus. Es ist allgemein gehalten. Auf die Ferne achtet niemand auf die Unterzeile. Im zweiten springt einem der “Tod” sofort ins Auge. Zwangsläufig spricht das Krimileser schneller und direkter an.

    Für diese Erkenntnis wiederum hätte es keine A/B-Methode gebraucht.

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