Schreiben aus aller Welt: was passiert im Krankheitsfall? Fünf Fragen zur Auslandskrankenversicherung

In unserer Reihe über das Schreiben in aller Welt befassen wir uns heute mit einem Thema, das schon zuhause bleibenden Autoren Sorgen bereitet: die Krankenversicherung. Bei Menschen, die immer wieder verreisen, ist es auch noch ein wiederkehrendes Thema. Für den schlimmsten Fall benötigen wir einfach eine Krankenversicherung. Denn Behandlungen in Krankenhäusern oder gar ein Rücktransport nach Deutschland können schnell sehr teuer werden. Aber wo anfangen und was muss man bedenken?

1. Wie bin ich in Deutschland versichert?

Private Versicherung

Privat Versicherte haben häufig bei einem Aufenthalt von bis zu zwei Monaten einen Auslandskrankenversicherungsschutz in ihrem Tarif inkludiert. Sie sollten sich in diesem Fall auf jeden Fall nach den individuellen Bedingungen Ihrer Versicherung erkundigen.

Gesetzliche Krankenversicherung

Wer in Deutschland gesetzlich versichert ist, genießt auch in allen anderen Ländern Versicherungsschutz, die ein Sozialversicherungsabkommen mit Good Old Germany haben. Dazu gehören die EU-Mitgliedstaaten, Mitglieder des europäischen Wirtschaftsraumes und andere Staaten, die den Vertrag unterschrieben haben wie Israel und die Türkei. Für andere Länder benötigt man eine zusätzliche Versicherung.

Nun ist der Moment gekommen. Sie benötigen eine Auslandskrankenversicherung und müssen sich aus dem großen Pool der Anbieter entscheiden. Die erste Frage, die Sie sich stellen sollten, lautet:

2. Wie lange plane ich, im Ausland zu bleiben?

Die Länge der Aufenthaltsdauer spielt eine große Rolle. Wie bereits erwähnt, können Versicherungsleistungen in bestimmten Ländern von der heimischen Versicherung und manchmal auch zum Beispiel vom Anbieter der Kreditkarte abgedeckt werden. In meiner Miles & More Business Gold Karte ist dies der Fall. Wer also zunächst einmal „Arbeiten im Ausland“ für sich testen möchte, ist mit einem Aufenthalt von maximal sechs Wochen gut bedient und hat in diesem Bereich kaum bürokratischen Aufwand.

Anders sieht es aus, wenn man sich länger als eineinhalb Monate im Ausland aufhält. Dann benötigt man auf jeden Fall eine Reisekrankenversicherung. Ab einer Zeit von einem Jahr gelten im Normalfall andere, deutlich höhere Tarife.

3. Wo geht die Reise hin?

Das Zielland ist nicht nur wichtig, weil es eventuell Teil des Sozialversicherungsabkommens sein könnte, sodass Sie möglicherweise gar keine Auslandskrankenversicherung abschließen müssen. Gelegentlich gelten für Länder wie die USA und Kanada auch besondere Preise, die doppelt so hoch wie der normale Tarif sein können. Machen Sie sich also schlau, bevor Sie spontan zu einer Lösung greifen, bei der sich später herausstellt, dass sie nicht zu Ihrer Situation passt.

Die Hansemerkur

Der bekannteste und vor allem bei Langzeitreisenden beliebteste Anbieter ist die Hansemerkur. Bei einem Aufenthalt von unter einem Jahr bietet die Hansemerkur reizvolle Tarife von 95 Cent pro Tag für eine Versicherung mit weltweiter Deckung ohne USA und Kanada. Für diese Versicherung habe ich mich für meine Weltreise entschieden. Auch bei Reisen zwischen einem und fünf Jahren hat dieser Versicherer etwas für Sie im Angebot. Dann werden die Preise jedoch deutlich teurer und es lohnt sich womöglich, nach einem Jahr einen neuen Vertrag abzuschließen.

World Nomads

Die einzige Versicherung, die man auch von unterwegs abschließen kann, ist die worldnomads. Dies kann sich zum Beispiel lohnen, wenn man für mehrere Monate reist und nur einen kurzen Zeitraum davon in den USA und/oder Kanada verbringt. Dann kann man einfach für diese Zeit eine zusätzliche Versicherung abschließen, anstatt für die gesamte Reise einen höheren Beitrag zu zahlen, um diese beiden Länder miteinzuschließen.

4. Was passiert mit der deutschen Versicherung?

Für Ihre heimische Versicherung gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Sie machen gar nichts und zahlen weiter den vollen Beitrag. Dafür haben Sie auch keinen bürokratischen Aufwand. Dies ist vor allem bei sehr kurzen Auslandsaufenthalten eine denkbare Option.
  2. Sie schließen eine sogenannte Anwartschaft ab, mit der Ihre Versicherung aktiv bleibt, Sie sie aber nicht nutzen können. Das müssen Sie aus dem Ausland ja auch nicht. Eine Anwartschaft kostet in der Regel um die 50 Euro und kann bei einigen Versicherungen erst ab einem Auslandsaufenthalt von mindestens sechs Monaten abgeschlossen werden.
  3. Sie versuchen, die Versicherung auf Eis zu legen und zahlen im besten Fall keine Beiträge, während Sie im Ausland sind.
  4. Sie kündigen Ihre Versicherung. Fakt ist: Wenn Sie zuvor versichert waren und der Auslandsaufenthalt nicht länger als zwei Jahre dauert, sind die gesetzlichen Versicherungen verpflichtet, Sie danach wieder aufzunehmen. Die Angst, ohne Krankenversicherung zu enden, ist also unbegründet.

5. Gibt es Alternativen?

Wenn Ihnen jetzt der Kopf schwirrt und Sie denken, dass sich das nach wahnsinnig viel Recherchearbeit und Bürokratie anhört… Haben Sie vollkommen Recht! Deswegen habe ich einen ganz anderen Weg gewählt:

Ich bin nach meiner Weltreise von der gesetzlichen in die private Krankenkasse gewechselt und habe mich dann für einen europäischen Anbieter entschieden, der mich nicht nur in Deutschland, sondern auch international versichert. Das heißt konkret, ich zahle nun einen Beitrag für weltweite Deckung (und das nicht nur für Kurzurlaube), der sogar deutlich unter dem gesetzlichen Mindestsatz liegt, und erspare mir damit jegliche Arbeit fürs Einsenden von Flugunterlagen oder Abschlüssen von Anwartschaften sowie neuen Verträgen.

Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, ob man den Wechsel in die private Krankenversicherung wagt. Ich sehe auch gute Argumente, die dagegen sprechen. Letztendlich war bei mir die Bequemlichkeit der ausschlaggebende Punkt.

Ob Sie sich die Mühe machen möchten oder lieber eine Zusatzversicherung für Auslandsreisen abschließen möchten, bleibt vollkommen Ihnen überlassen und hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie viel Zeit Sie wirklich im Ausland verbringen und ob Sie sich die Option offen halten möchten, auch mal spontan für länger das Land zu verlassen.

In jedem Fall ist es ratsam, alle Alternativen unter die Lupe zu nehmen und eventuell auch mal durchzukalkulieren.

Dann heißt es: Gute Reise!

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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