Autoren-Tipp: Verlagsveröffentlichung als reines eBook – was dafür und was dagegen spricht

Homepage des Ullstein-Labels Midnight
Homepage des Ullstein-Labels Midnight

Midnight, Forever, Impress, Feelings… nach dem Vorbild der großen US-Anbieter haben die deutschen Publikumsverlage längst auch eigene Label für eBook-Veröffentlichungen in den typischen Vielleser-Genres gegründet. Andere nutzen bestehende Verlags-Imprints für “e-riginals” (Knaur) oder “e-Originals” (RandomHouse). Welche Vor- und Nachteile hat eine Veröffentlichung hier für die Autoren?

Vorteile der eBook-only-Verlage

  • Verlags-Lektorat und Cover vom Verlag: Sie müssen die Veröffentlichung als Autor nicht vorfinanzieren.
  • Geschwindigkeit: meist dauert es vom Manuskript zur Veröffentlichung nur ein bis zwei Monate. Das ist wesentlich schneller als bei einem konventionellen Verlag (aber langsamer als im Selfpublishing).
  • Verlags-Marketing: Wenn der Verlag schon viele Kunden des entsprechenden Genres mitbringt, kann er Ihr Buch womöglich besser vermarkten als Sie selbst (jedenfalls wenn Sie noch keine Fan-Community haben). Sie schreiben währenddessen den nächsten Roman.
  • Etwas höheres eBook-Honorar als im klassischen Verlag: Statt 25 Prozent erhalten Sie 30 bis 35 Prozenz vom Nettoverlagserlös (also Nettopreis minus Händlermarge).
  • Verlags-Image: Für manche (selbst erfolgreiche) Selfpublisher ist es eine persönliche Genugtuung, auch mal einen Verlags-Vertrag unterschrieben zu haben. Es gibt ja zudem nach wie vor Vereine und Firmen, die nur Verlagsautoren Zugang gewähren.
  • Leichterer Zugang: Wegen des geringeren Risikos für den Verlag gibt man auch unbekannten Autoren eher eine Chance.

Nachteile der eBook-only-Verlage

  • Mindestens 80 Prozent des Buchmarktes fehlen – das begrenzt die Einnahmen. In der Regel gibt es für erfolgreiche eBooks allerdings eine Print-Option.
  • Niedrigeres Honorar als im Selfpublishing: statt bis zu 70 Prozent vom Nettopreis erhalten Sie 30 bis 35 Prozenz vom Nettoverlagserlös (also Nettopreis minus Händlermarge).
  • Keine Kontrolle und Einschränkung der kreativen Freiheit (im Vergleich zum Selfpublishing) – die endgültige Entscheidung über Cover, Titel, Text und so weiter liegt in der Regel beim Verlag.
  • Kein oder geringer Vorschuss (anders als beim konventionellen Verlag). Wovon leben Sie, während Sie das Buch schreiben?

Was Sie sonst noch beachten sollten

Bei der Bewertung der Vor- und Nachteile müssen Sie natürlich Ihre persönlichen Alternativen heranziehen. Wer zum Beispiel als Selfpublisher erfolgreich ist, erhält von Amazon & Co. sowieso keinen Vorschuss und wird sich vielleicht eher über die Risiko-Minimierung freuen. Wer dagegen bereits Verlagsautor ist, braucht Vorschüsse womöglich für die eigene Lebensgestaltung.

Schauen Sie sich in jedem Fall den Vertrag genau an – wie jeden Vertrag. Die Rechteübertragung sollte zeitlich begrenzt sein, insbesondere eventuelle Print-Optionen, sodass Sie Ihr Buch nach gewisser Zeit selbst als Taschenbuch herausbringen können. Konkurrenzausschluss-Klauseln (insbesondere pauschal auf das Genre bezogen) sind fehl am Platze, ein Vorkaufsrecht ist akzeptabel.

Ob sich eine Veröffentlichung als eBook only lohnt, können Sie mit meinem Preisrechner ermitteln. Ein besonderer eBook-only-Verlag ist Amazon Publishing – der Firma habe ich einen eigenen Artikel gewidmet.

Hinweis: Für unabhängige, literarische eBook-Verlage wie etwa Mikrotext oder Culturbooks gilt die Betrachtung oben nur eingeschränkt.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.