Acht Fragen und Antworten zu den “Kunden kauften auch” / “Kunden lesen auch”-Listen

Direkt unter der Beschreibung (beziehungsweise bei Serientiteln unter der Liste der Serientitel) jedes Kindle-E-Books befindet sich eines der wichtigsten Marketing-Hilfsmittel bei Amazon: Eine Liste von maximal 99, meist aber nur 91 auf 15 bzw. 13 Seiten verteilten anderen E-Books unter der Überschrift “Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch”, kurz und liebevoll “KKA” genannt (manchmal auch “Kunden, die dieses Buch gelesen haben, lesen auch”) oder in der englischsprachigen Welt “alsoboughts”.

Was ist das? Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Laden vor dem Fantasy-Regal, nehmen ein Buch heraus, es gefällt Ihnen zwar, aber irgendetwas stört Sie. Da kommt der nette Buchhändler oder seine Kollegin, hält Ihnen ein anderes Fantasy-Werk vor die Nase und sagt “Ist so ähnlich, aber anders”. So funktioniert der KKA-Algorithmus.

Was bringt Ihnen die KKA, wie entstehen sie und was kann schiefgehen? Das soll dieser Artikel klären.

1. Wie die “Kunden kauften auch” entstehen

Der Name verrät es eigentlich schon: Hier werden Bücher gelistet, die Leser*innen, die ein bestimmtes Buch gekauft haben, ebenfalls erworben haben. Aber ganz so einfach ist es dann natürlich doch nicht. Die genauen Kriterien des Algorithmus verrät Amazon natürlich nicht. Grundsätzlich funktioniert die Aufreihung ähnlich wie das Beliebtheitsranking, es werden also die Verkäufe über die letzten 30 Tage berechnet, es wird nur einmal am Tag aktualisiert und Leihen spielen keine Rolle. Zusätzlich spielt auch die Kategorie eine Rolle. Falls zwei Bücher sich also gleich oft mit den Titel zusammen verkauft haben, ist der Titel mit der passenden Kategorie weiter vorn zu finden. Wie kommen Sie also weiter nach vorn? Ganz einfach: Verkaufen Sie mehr Exemplare Ihres E-Books. Dabei hilft es aber nicht, wenn Sie Ihre Familie um Käufe bitten. Diese müsste zuvor noch das Buch kaufen, in dessen KKA Sie erscheinen wollen. Die KKA-Listen sind von allen Algorithmen deshalb auch am schwersten manipulierbar (gut so!).

2. Wann die “Kunden kauften auch” entstehen

Normalerweise dauert es ein paar Tage, bis das Listing sich füllt. Solange ein E-Book nicht genügend Käufe hat, um den Algorithmus zu füttern, steht darunter eine andere Liste: “Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen”. Solange das bei Ihrem E-Book zu sehen ist, wird Ihr Titel auch nicht bei anderen erscheinen. Je schneller sich das Buch verkauft, desto schneller füllt sich die Liste. Wenn der Algorithmus nicht genügend Kandidaten zum Anzeigen findet, ist sie kürzer als 99 Titel.

3. Was die “Kunden kauften auch” bringen

Die Position auf der ersten Seite der KKA-Liste eines anderen Buchs ist durchaus geeignet, um ein Buch zu verkaufen. Allerdings ist es nicht der einzige und nicht der wichtigste Weg. Viel wichtiger ist, dass Ihr Buch von den Amazon-Algorithmen erfasst wurde und nun anderen Käufern empfohlen wird. Die Aufnahme in die KKA-Liste ist dafür ein sichtbares Zeichen. Der Selfpublishing-Experte David Gaughran hat das in einem Artikel gut beschrieben: “The connections between books are what is truly valuable, and what Amazon uses to decide what to recommend next. The Also Boughts themselves are just signposts.”

4. Problem Rabattaktion

Falls Sie zum Start Ihres Buches eine Rabattaktion gemacht und diese prominent beworben haben, wird das Ihre KKA-List verfälschen. Dann tauchen vor allem Titel darin auf, die gleichzeitig beworben wurden. Das sollte sich später aber wieder ändern.

5. Ist mein Buch bei anderen Titeln in der KKA-Liste?

Gerade am Anfang dürfen Sie nicht erwarten, dass Ihr Buch in den KKA eines Bestsellers auftaucht. Zuallererst sollte es unter Ihren eigenen Titeln zu sehen sein. Falls es dort nicht auftaucht, ist es entweder zu früh (Ihr neues Buch hat eben noch nicht genug verkauft) – oder Sie sind Opfer eines Fehlers geworden. Falls Sie noch keine weiteren Titel veröffentlicht haben, schauen Sie sich vergleichbare Titel in der gleichen Kategorie an. Vergleichbar heißt in diesem Zusammenhang: mit ähnlichem Bestseller-Rang.

6. Mein Buch ist nicht bei anderen Titeln in der KKA-Liste!

Ab und an passiert es, dass die Liste bei neuen Titeln gar nicht erscheint. Das ist ärgerlich, weil man es meist erst spät bemerkt. Kurz nach der Veröffentlichung ist es ja normal, dass die Liste noch fehlt. Eine Woche danach sollte sie auf jeden Fall vorhanden sein. Helfen kann Ihnen dann oft der Support, zumindest fühlen Sie sich dann besser. Ob der Support in jedem Fall wirklich hilfreich ist oder ob das Problem ähnlich wie ein Schnupfen irgendwann auch ohne Arztbesuch verschwindet, ist von außen schwer zu sagen. Ein Versuch kann jedenfalls nicht schaden.

7. Wie schafft es mein Buch sicher in die KKA-Listen?

Mit genügend Zeit! Und Zeit verschaffen Sie sich, wenn Sie die Vorbestell-Funktion von Amazon nutzen. Mit vier Wochen Vorlauf können Sie so gut wie jede Metadaten-Einstellung noch rechtzeitig vor dem Verkaufsstart optimieren.

8. Ich sehe überhaupt keine KKAs!

Amazon experimentiert bei der Aufteilung der Buch-Detailseiten gern. Es kann also sein, dass Sie je nach Browser, Tageszeit, Login-Zustand und weiteren nur Amazon bekannten Variablen überhaupt keine KKA-Liste sehen. Manchmal ist stattdessen eine Liste “Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?” vorhanden. Oder Sie sehen “Verwandte Produkte” (das sind Anzeigen). Oder Amazon blendet Ihnen “Bücher, die Ihnen gefallen könnten” ein – diese Liste basiert auf Ihren eigenen Käufen. Trotzdem sind aber die den KKA zugrundeliegenden Verknüpfungen vorhanden, und die Algorithmen empfehlen Ihr Buch weiter.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.