Die Rechnung, bitte! Eine Beispiel-Kalkulation für Selfpublisher

Es gibt im Selfpublishing sehr viele Erfolgsgeschichten, und das ist toll. Oft genug – und gerade beim Leser – sieht es aber so aus, als wäre der Erfolg den Autorinnen und Autoren in den Schoß gefallen. Das passiert leider sehr selten. Mir ist es einmal so gegangen. In den allermeisten Fällen ist kommerzieller Erfolg (also mehr einzunehmen als man ausgegeben hat) Ergebnis harter Arbeit. Das ist manchmal sogar den Selfpublishern nicht bewusst – ich rechne mir meine Bücher auch gern schön. Wer davon leben will und muss, kann sich das aber nicht leisten. Deshalb hier mal eine Beispiel-Kalkulation für ein Buch im Selfpublishing.

Die Kalkulation ist in Google Tabellen angelegt. Sie können sie aber hier im Excel-Format herunterladen oder sich von hier kopieren.

Ein paar Erklärungen dazu:

Ausgaben

  • Schreiben: Wie lange haben Sie gebraucht, und welchen Lohn zahlen Sie sich selbst? Sie könnten ja in derselben Zeit auch einem “richtigen Beruf” nachgehen… Setzen Sie also wenigstens den Mindestlohn an…
  • Lektorat: Die Preise pro Normseite (1500 Zeichen) liegen zwischen vier und sieben Euro.
  • Korrektorat: Die Preise pro Normseite (1500 Zeichen) liegen zwischen ein und zwei Euro.
  • Cover: Was zahlen Sie für Ihr Cover?
  • eBook-Satz: Mache ich selbst mit Jutoh, und Sie?
  • Print-Satz: Ein gedrucktes Buch sollten Sie auf jeden Fall auch erstellen (lassen).
  • Werbekosten: Ich würde mich auf zwei Plattformen konzentrieren.
  • Preissenkung: Jede Preisaktion kostet Sie Geld!
  • Social Media: Wieviel Zeit investieren Sie in Facebook, Website und Newsletter?
  • Sonstiges: Was sonst noch hinzu kommt, z.B. Kosten für Leserunden

Einnahmen

  • eBooks Amazon: Ihr Amazon-Umsatz.
  • eBooks KU: Falls Sie an KDP Select teilnehmen
  • eBooks Tolino: Für die Autoren, die sich nicht an Amazon binden.
  • eBooks andere: falls Sie noch weitere Märkte bedienen.
  • PoD (Print): Je nach Genre kann PoD sehr lohnend sein.

Sie werden sehen, dass es schwer wird, einen Gewinn zu erwirtschaften. Legen Sie doch auch gern Ihren Lesern diese Kalkulation vor, die Preise von 2,99 oder 3,99 Euro als zu teuer empfinden…

Natürlich ist Erfolg niemals rein finanzieller Natur. Doch auch das schönste Hobby kann irgendwann objektiv zu teuer werden.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Kommentare

  1. Hallo!

    Ich habe mir die Tabelle heruntergeladen und danke dafür :). Werde sie für meine SP-Projekte auf alle Fälle zu Rate ziehen.
    Kleine Anmerkung noch: Es gibt Lektoren (ich zum Beispiel ^^), die nicht nach Normseiten, sondern pro Arbeitsstunde abrechnen. Aber ich glaube, der Punkt ist nicht schwer zu modifizieren.
    Und ja, zu niedrige Preise sind ein Problem. Man will verkaufen und man will sich selbst nicht das Wasser abgraben.

    LG,
    Evanesca

  2. Hi, kleine Ergänzung – Normseite zu 1500 ist leider eine reine VG Wort Rechnung, Verlage rechnen bei Umfang seit jeher als Vergleichsgrundlage mit 1800 Zeichen inkl. Leerzeichen (30×60, Courier New) und rechnen mit Korrektoren, Außenlektoren und Übersetzern auch zumeist über diese Normung ab. In Anwendung gibt es hier sicher immer mal wieder Ausreißer bzw. andere Absprachen mit den betreffenden Beteiligten (gern auch mal 1600 Zeichen je nach Verträgen) – aber deshalb nicht wundern, wenn im Verlagskontakt hier nach anderen Umfängen gerechnet wird. In 10 Jahren in Verlagen ist mir nicht 1x die VG Wort Berechnung zu 1500 begegnet (außerhalb einer Umrechnung der normalen Norm-Seite extra für die VG Wort ;)). Ganz gute Erklärung hierzu findet sich auch auf: http://www.literaturcafe.de/aufgeklaert-fuenf-missverstaendnisse-ueber-die-normseite/
    Besten Gruß!

  3. Moin Herr Matting,

    interessante Kalkulation. Wobei die Punkte Lektorat, Korrektorat, Grafiker-Honorar, eBook-Satz und Print-Satz bei mir (iBooks für iPad und Mac) nicht auftauchen. Und das Schreiben … Ja, dafür müsste man einen Stundenlohn definieren. Wenn man das tut, ist man vermutlich sehr schnell im Minus. Bei solchen Projekten ist es vermutlich immer das Prinzip Hoffnung. Darauf, dass sich das Produkt gut verkauft – wenn nicht jetzt, dann irgendwann …

    Wintergrüße aus der Hansestadt

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