E-Books im Eigenbau: Die wichtigsten Elemente eines E-Books

Das Manuskript ist fertig, alle Anmerkungen der Lektorin umgesetzt – und nun? Bevor Sie eine E-Book-Datei erzeugen oder das Word-Manuskript hochladen, sollten Sie prüfen, ob bereits enthalten ist, was in ein gutes E-Book gehört. Achtung: ein “Gesetz” gibt es dazu nicht. Sie werden also beim Stöbern im Online-Buchladen alle möglichen Formen finden. Doch es gibt Leser-Erwartungen, die vor allem von professionellen Verlags-E-Books geprägt sind. Und es gibt natürlich die Richtlinien der Shops, insbesondere die Amazon-Richtlinien.

Typischer Aufbau eines E-Books

Ein E-Book beginnt in der Regel wie ein gedrucktes Buch mit dem Titel. So sieht der Leser gleich, dass er nicht das falsche E-Book angetippt hat.

Anschließend folgt das Inhaltsverzeichnis. Das ist eine Forderung von Amazon, die insbesondere seit den KindleUnlimited-Betrügereien auch geprüft wird. Bei Belletristik fände ich persönlich ein Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches schöner, aber da lässt Amazon Ihnen keine Wahl. Das Inhaltsverzeichnis muss zu den einzelnen Kapitel verlinkt sein.

An das Inhaltsverzeichnis schließen sich oft optionale Elemente wie Danksagung oder Widmung an. Da die Leseprobe automatisch aus den ersten Seiten generiert wird, rate ich, diese für den normalen Leser weniger interessanten Elemente an das Ende des Textes zu verlegen.

Es folgt der eigentliche Text, der auch bei Belletristik in Kapitel gegliedert sein sollte. Die Gliederung ist gerade für E-Book-Reader wichtig, bei denen die Navigation komplizierter als bei einem gedruckten Buch ist.

Nach dem eigentlichen Text muss Ihr E-Book noch nicht zu Ende sein. Unmittelbar anschließen sollte sich ein kleines Nachwort, bei dem Sie die Chance haben, den Leser erstens auf Ihre anderen Bücher aufmerksam zu machen, zweitens erklären können, wie wichtig Rezensionen für Sie sind, und drittens zur Teilnahme an Ihrem Newsletter auffordern sollten.

In einem Sachbuch könnten Sie an dieser Stelle Zusatzelemente wie Stichwort-, Personen- oder Quellenverzeichnis einfügen.

Danach wäre Platz für Leseproben – kurz und knapp, maximal zehn Seiten. Wenn Sie mehrere lange Leseproben einfügen, erhöht das zwar den scheinbaren Umfang Ihres Buches. Aber versetzen Sie sich mal in den Leser: Der E-Book-Reader zeigt, dass Sie gerade bei 80 Prozent angekommen sind. Sie freuen sich also, weil Sie noch ein Fünftel des Buches vor sich haben – doch plötzlich ist die Handlung zu Ende. Ärgerlich!

Das Ende des E-Books bildet das Impressum. Name und Anschrift genügen im Buch. Ob Kauf-E-Books den (strengeren) Bestimmungen des Telemediengesetzes folgen müssen, ist nicht endgültig geklärt. “Anbieter” sind ja nicht Sie, sondern der E-Book-Shop, und der besitzt natürlich ein Website-Impressum.

Typischer Aufbau eines Kapitels

Auch für den Aufbau eines Kapitels gibt es Konventionen. Diese unterscheiden sich von Land zu Land, orientieren Sie sich also nicht an US-Vorbildern.

Jedes Kapitel sollte eine Überschrift besitzen. Eine Nummer reicht, aber irgend etwas muss ja im Inhaltsverzeichnis stehen. Für die Überschrift können Sie gern zum Genre passende Schmuckschriften benutzen – wenn Sie wissen, wie man eine Schriftart in ein E-Book einbettet. Ebenso ist es möglich, an dieser Stelle schmückende Ornamente (PNG-Bilddateien) einzufügen. Diese sollten einen transparenten Hintergrund besitzen.

Fü die Absätze des Fließtextes hingegen sollten Sie keine feste Schriftart definieren – und überhaupt generell keine Formatierungen, um die Freiheit des Lesers nicht einzuschränken. Mit einer Ausnahme: der erste Absatz nach einer Überschrift ist nicht eingerückt, alle folgenden Absätze aber schon. Im ersten Absatz können Sie den ersten Buchstaben in eine Initiale verwandeln (englisch “drop cap”). Wenn Sie keine Textausrichtung definieren, wird Ihr E-Book auf dem Kindle automatisch im Blocksatz dargestellt.

Falls Sie Links setzen, denken Sie daran, dass die Shops in der Regel Links zur Konkurrenz ausschließen.

Fußnoten sind bei E-Books (da es keinen Fuß der Seite gibt) nicht sinnvoll. Bei Sachbüchern könnten Sie aber Kapitel-Endnoten einfügen, das ist übesichtlicher, als die Endnoten ganz ans Ende des E-Books zu setzen.

Bilder sind ein Thema für sich. Binden Sie sie auf jeden Fall in Farbe ein und in ausreichender Auflösung.

Wie setzen Sie diese Tipps am besten um? Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Ich selbst bevorzuge für die E-Book-Erstellung Jutoh. Doch Sie können auch (mit Hilfe von Sigil) das ePub bearbeiten, das Ihnen Papyrus Autor oder Scrivener ausgespuckt haben. Oder Sie testen das neue Kindle Create.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

One Comment

  • Ich freue mich als Leser immer darĂĽber, wenn vor (oder nach) dem Inhaltsverzeichnis zunächst nochmals der Produkttext eingefĂĽhrt wird. Liest man das Buch erst Wochen später, weiĂź man gleich, um was es geht.

    Oder stöbert man auf seinem Reader nach der nächsten Lektüre, ist das auch eine Entscheidungshilfe.

2 Pingbacks

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.