Einsteiger-Tipp: Self Publishing, Agentur, Direktbewerbung? Der richtige Weg zum Verlag

Der schottische Verleger John Murray II (1778-1843) liest (vielleicht) die Bewerbung eines Autors
Der schottische Verleger John Murray II (1778-1843) liest (vielleicht) die Bewerbung eines Autors

“Ich habe gerade ein Buch bei Amazon hochgeladen. Aber mein Traum ist es, einen Verlag zu finden.” “Ich fühle mich nicht als richtige Autorin, solange meine Bücher nicht von einem Verlag gedruckt wurden.” Trotz zahlreicher Erfolgsbeispiele im Self Publishing wünscht sich ein großer Teil der Autoren doch noch, das eigene Buch im Buchhandel zu sehen. Die Motivation ist dabei höchst unterschiedlich und selten finanzieller Art – am Ende geht es vielleicht bloß darum, dass die Eltern den Band bei ihrem Buchhändler liegen sehen und kaufen können.

Es ist noch gar nicht lange her, da gab es zur Erfüllung dieses Wunsches nur einen einzigen Weg – genau genommen einen Weg und einen schmalen Pfad. Beide existieren auch heute noch.

Der Pfad, das war und ist die Direktbewerbung beim Verlag: Sie schreiben ein Exposé (allein dazu gibt es ganze Ratgeber-Bücher). Dann suchen Sie sich zum Thema des Buches passende Verlage heraus. Sie recherchieren, wer der verantwortliche Lektor ist: In Verlagen sind in der Regel Lektorinnen und Lektoren für den Ankauf zuständig. Sie haben meist bestimmte Themengebiete – und natürlich sind Ihre Chancen am größten, wenn Sie den passenden Kollegen ausfindig machen. Rufen Sie dazu ruhig im Verlag an! Das Exposé sollten Sie dann trotzdem per E-Mail schicken.

Ihre Chancen sind auf diesem Weg gering. Ausnahmen bestätigen die Regel (womöglich sucht der Verlag ja gerade in dieser Sekunde den Stoff, aus dem Ihr Buch gemacht ist) – aber wenn Sie noch keinen Namen haben, werden Sie im besten Fall eine nette Ablehnung erhalten. Lektoren sind ständig im Stress und dazu meist unterbezahlt. Deshalb nehmen Sie meist gern den Service der Vorauswahl wirklich geeigneter Manuskripte in Anspruch, den ihnen Agenten liefern.

Damit wechseln wir vom schmalen Pfad auf den breiteren Weg. Agenturen sind in vielen Fällen die Torwächter für den Weg in den Verlag. Sie lassen sich vom Autor mit rund 15 Prozent seiner Honorare bezahlen. Das heißt zweierlei: Eine Agentur wird keine Arbeit in Titel investieren, die sie für unverkäuflich hält. Sie müssen den Agenten also ähnlich wie den Verlag mit einem Exposé und mit tollen Argumenten überzeugen. Auch Agenturen sind wählerisch und haben ein bestimmtes Themenspektrum, das Sie vorab recherchieren müssen. Ein Vertrag mit einem Agenten bringt Ihr Buch allerdings noch nicht in den Handel. Zuerst muss Ihr Agent einen Verlag überzeugen – und auch hier gibt es keinerlei Garantie. Agenturen kennen den Markt zwar. Aber das schützt sie nicht vor Misserfolgen – es gibt in Verlagen immer mehrere Ebenen, die von einer Entscheidung überzeugt sein müssen.

Der ganze Prozess dauert natürlich seine Zeit. Ein Jahr vergeht allein mit der Verlagssuche schnell – und danach ist Ihr Buch vielleicht gar nicht mehr aktuell, weil ein neuer Trend den Literaturbetrieb beherrscht. Sollten Sie diese lange Zeit wirklich verstreichen lassen? Wenn Sie Ihr Buch im Self Publishing veröffentlichen, kann es übermorgen bereits Leser finden. Klar: Sie erhalten keinen Vorschuss (bei einem belletristischen Taschenbuch hätte Ihnen ein Verlag vielleicht 5000 Euro gezahlt). Sie müssen Lektorat und Cover selbst bezahlen, und Sie sind auch für die Vermarktung zuständig. Lohnt sich das, und wenn ja bei welcher Auflage? Im Potenzial-Rechner unten finden Sie es heraus.

Das praktische an diesem Weg ist aber: Ihr Buch ist damit für Verlage noch lange nicht uninteressant. Ganz im Gegenteil: Wenn Sie im Self Publishing Erfolg haben, wird recht schnell das erste Verlagsangebot auf dem Tisch liegen. Und zwar sowohl für diesen Titel als auch für künftige. Es gibt da längst zahlreiche Beispiele. Keine Angst, weder Ihr Name noch Ihr Buch sind für die Verlage durch das Self Publishing “verbrannt” (das war früher anders). Da Sie den physischen Buchhandel als Self Publisher kaum erreichen, bleibt da für Verlage immer noch genug Potenzial. Eventuell gelingt es Ihnen sogar (wie etwa Poppy J. Andersen), die eBook-Rechte Ihres Buches zu behalten und dem Verlag nur das gedruckte Buch zu überlassen. Was Sie tun sollten, wenn ein Verlag anklopft, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für den schönen Artikel. Allerdings lassen die großen Verlage nicht ihre wertvollen Lektoren an die unverlangt eingesandten Manuskripte. Das machen in der Regel Leute des Vor-Lektorats und das sind häufig unbezahlte Praktikanten oder unterbezahlte Hilfskräfte. Und die werden angeraunzt, wenn sie Manuskripte an das richtige Lektorat weiterleiten, anstatt nur die “netten” Antwortschreiben zu versenden. Bei kleinen Verlagen ist das anders, aber die haben oft die gleichen Vermarktungsprobleme wie der Selfpublisher.
    In älteren Ratgebern findet man immer noch den Hinweis auf Agenturen. Liebe Kollegen, die etablierten Agenturen werden mittlerweile genauso zugeschüttet mit unverlangt eingesandten Manuskripten wie die Publikumsverlage. Die Ratgeber haben diesbezüglich ganze Arbeit geleistet.
    Sehr gut ist der Hinweis, dass ein Roman noch nicht verbraten ist, wenn er im Selfpublishing veröffentlicht wurde.

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