Ermäßigte Umsatzsteuer für E-Books: Der aktuelle Stand

Bis Ende 2014 herrschte beim E-Book-Verkauf eine merkwürdige Zweiteilung: Während Selfpublishern, die über Amazon und Apple veröffentlichten, vom Kaufpreis zur Honorarberechnung nur drei Prozent abgezogen wurden, hatten alle, die über deutsche Distributoren oder bei deutschen E-Book-Plattformen verkauften, 19 Prozent Abzug. Das lag daran, dass als Basis das Herkunftsland des Anbieters genutzt wurde, und das hatten Amazon und Apple geschickt in Luxemburg gewählt.

Schon 2008 hatte die EU allerdings festgestellt, dass damit offenbar der Wettbewerb verzerrt wurde. Während Thalia, Weltbild & Co. 19 Prozent abführen mussten, wurde Amazon nur mit 3 Prozent belastet. Man beschloss, dass künftig das Herkunftsland des Käufers entscheidend sei und einigte sich zudem darauf, dass E-Books anders als Bücher mit dem normalen Umsatzsteuersatz belastet werden sollten, denn es handelte sich um elektronische Dienste, keine Produkte.

Ab 1. Januar 2015 änderte sich das. KDP-AutorInnen verdienten bei einem 2,99-Euro-Buch nun nur noch 1,76 statt bisher knapp 2 Euro.

Schon 2014 versprach die damalige Bundesregierung allerdings, sich bei der EU-Kommission für einen reduzierten Umsatzsteuersatz auf E-Books einzusetzen. Während sich die Kommission zunächst noch wehrte, änderte sich ihre Haltung vor einiger Zeit. Im Oktober 2018 einigten sich die EU-Finanzminister darauf, den Staaten freizustellen, welchen Steuersatz sie für E-Books anwenden.

Am schnellsten, nämlich schon zum 1. Januar 2019, reagierten Irland (nun 9 %), Luxemburg (wieder 3 %), Malta und Portugal (je 5 %). Am 1. April folgte Belgien (6 %), am 1. Juli führten Tschechien und Finnland (beide 10 %) und Nicht-EU-Mitglied Norwegen (sagenhafte 0 % wie dort auch auf Bücher) sowie Polen (5 %) und Schweden (6 %) den ermäßigten Steuersatz ein. Mit dem 1. Januar 2020 am längsten benötigen für die Umstellung Österreich (10 %), Deutschland (7 %) und die Niederlande (9 %).

Noch keine Entscheidung ist bei Noch-EU-Mitglied Großbritannien gefallen. Dort sind auf E-Books derzeit 20 % Umsatzsteuer fällig, auf Bücher gar keine. Da allerdings in Großbritannien Amazon bei E-Books einen Marktanteil von über 90 Prozent hat, scheint der dortige Buchhandel gar nicht so scharf auf eine Ermäßigung der Umsatzsteuer für E-Books zu sein.

Was bedeutet die Umstellung für Autorinnen und LeserInnen? Da die Preisstufen im Grunde vorgegeben sind (0,99, 1,99, 2,99 € …), ist eine Weitergabe der Steuerersparnis an die Käufer unwahrscheinlich. Eher dürften Verlage und Selfpublisher sich über höhere Einnahmen freuen. Ab 1. Januar gibt es für alle E-Book-Verkäufe in Deutschland dann schlichtweg etwa zehn Prozent mehr Honorar. Bei der Abrechnung der Honorare zwischen Autor und Shop ändert sich steuerlich übrigens nichts.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

10 Comments

  • Zitat: “Eher dürften Verlage und Selfpublisher sich über höhere Einnahmen freuen. ”

    Darf ich hier etwas gegen diesen sehr polemischen Satz einwerfen? Als die UST im Jahr 2014 von 7 auf 19% ERHÖHT wurde, durften sich Autoren und Verlage usw über WENIGER Einnahmen freuen. Denn die Preise für Bücher wurden damals auch nicht von 2.99 auf 3.36 oder sonst was erhöht. 6 Jahre lang musste man einfach die geringeren Einnahmen schlucken und hat abgewartet ob die Steuer ENDLICH wieder gesenkt wird.
    Das ist eine Tatsache. Niemand hat 2014 die Preise erhöht, niemand braucht jetzt 2020 die Preise zu senken. Und daher: Freut sich auch niemand über MEHR Einnahmen die ihm nicht zustehene, sonder man freut sich über jene Einnahmen die man schon im Jahr 2012 hatte… Ok?
    Ich möchte das einfach nur zurecht rücken. Das ist eines der wenigen Beispiele wo es eben NICHT stimmt, dass sich die gierigen Händler/Autoren/Verlage einfach behalten. Im Gegenteil, 5 Jahre lang wurde der Verlust geschluckt!

    • Das ist sachlich falsch. Die USt. für E-Books betrug in D schon immer 19%, eine Erhöhung hat es nie gegeben. Nur profitierten KDP-NutzerInnen bis Ende 2014 von der Tatsache, dass Amazon sich in Luxemburg angesiedelt hatte, wo die USt. 3% betrug. Mit dem durchaus fairen Prinzip, dass die USt. des KÄUFERlandes angewendet werden muss, hat sich das 2015 geändert. Und natürlich sollte eine niedrigere USt. in den betreffenden Bereichen (Lebensmittel usw.) eigentlich auch den Kunden zugute kommen.

  • Hallo Matthias,

    sind wieder ein paar Monate (seit Juli 2019) vergangen. Ab wann sollen E-Books mit 7 % versteuert werden? Im Netz finden sich nur alte Meldungen.

    Könnte es ab dem 01.01.2020 sein? Und: Machen dann die Plattform-Betreiber das automatisch oder müssen wir alle Amazon, Neobooks, Tolino Media usw. einzeln mit der Nase drauf stoßen?

    Freu mich auf eine Antwort.

    LG Werner ;-))

    • Noch weiß niemand, wann das Gesetz in Kraft tritt. Man muss die Firmen aber nicht daran erinnern, die verfolgen das schon.

      • “Noch weiß niemand, wann das Gesetz in Kraft tritt. Man muss die Firmen aber nicht daran erinnern, die verfolgen das schon.”

        LOL, also ich bin eine 1 Personen Firma, verkaufe eBooks online – und die Info welcher Steuersatz nun wo ab WANN genau gilt, die gibt dir überhaupt NIEMAND! Nicht einmal der Steuerberater weiß so etwas (der hat besseres zu tun, bzw. verlangt dann für die Recherche mehrere 100 Euro)

        Ich möchte damit nur sagen: Es gibt keine offiziellen Mitteilungen, keine Emails, keine Newsletter von der Steuer / Finanz die einem solche Dinge sagen würde.
        Wenn du Glück hast, stoßt du irgendwie in den NAchrichten drauf, dass die EBook Steuer gesenkt wird. Sonst eben..schreibt die Webseite weiterhin 19% hin

        Muss euch nicht stören, denn die Preise werden sicher nicht gesenkt…

        • Ähm, das im Beitrag verlinkte Gesetzblatt IST die offizielle Mitteilung. Als Gewerbetreibender bist du verpflichtet, die aktuelle Gesetzeslage dazu zu verfolgen. Das ist eine Hol-Schuld, so funktioniert Gesetzwesen nun mal. Die Mitglieder des Börsenvereins werden übrigens von diesem informiert.

  • Hallo Matthias, wie sieht es denn mit der MwSt. auf Hörbücher zum Download aus? Darf man darauf auch ab dem nächsten Januar 7% berechnen?

    • Nein, von Hörbüchern ist bisher nicht die Rede.

    • Hörbücher natürlich nicht!!
      Es geht um “Lesen”. Bücher. bzw. Text.
      Nicht um Unterhaltung.

      Und bei “gemischten” Werken ist darauf zu achten, dass der Großteil weiterhin BUCH ist, also 10% Hörbuch und 90% Buch = 7%
      Sonst 19%

  • Hi – und danke für die Meldung. Hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt …

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