Metadaten-Analyse: Warum verkaufen sich diese Bücher nicht? (5. Teil)

Wer ein Buch veröffentlicht, hat in der Regel bestimmte Erwartungen. Nicht immer sind sie realistisch. Manchmal gibt es dafür prinzipielle Gründe – etwa weil ein Genre nun mal nur von wenigen Menschen gelesen wird. Oft lassen sich aber auch praktische Ursachen finden, warum  ein Buch die Erwartungen nicht erfüllt. Ein paar mögliche Gründe hatte ich in “Warum verkauft sich mein Buch nicht wie erwartet”  aufgeführt. Wie es  ganz konkret bei drei Titeln aussieht, erfahren Sie im folgenden.

Buch  1:

Angekommen ist “angekommen” noch nicht: Das Buch kann sich nicht so richtig entscheiden, was es sein will. Das Cover ist ein bisschen nichtssagend, flaue Farben, ein kleiner Mensch mit Rucksack vor der Milchstraße, und nun? Ein Label “Roman” schiebt mich in die Roman-Ecke. Doch der Klappentext will mich zum Sachbuch lotsen. Ja, es gibt sie, Romane, die ganz nebenbei ein Stück Philosophie oder eine Botschaft vermitteln. In den USA ist das inzwischen ein beliebtes Genre, Autoren wie John Strelecky haben auch hier Leser gefunden. Aber für einen Erstling behauptet mir die Beschreibung aber zu viel. Dass das Buch mich bis zur letzten Seite in seinen Bann ziehe, will ich doch lieber selbst erleben. Ja, der Klappentext muss neugierig machen, er sollte aber die Werbung nicht übertreiben. In der vorliegenden Form berührt mich die Beschreibung nicht, sie bleibt abstrakt wie bei einem Sachbuch. Was sind das denn für Momente, die der Protagonist erlebt? Lieber als die Bewertung (“berührend”…) wären mir Beispiele, die mich berühren. Aber die Bewertungen sind gut, das sollte Hoffnung geben. Am besten gleich das nächste Buch schreiben. Wer das erste Buch gut fand, wird beim Vermarkten des zweiten gern helfen.

Buch 2:

Über einen Rang 579 (aktuell) würde sich manch Autorin sehr freuen – aber der Liebesroman an sich hat natürlich mehr Potenzial. Warum schöpft dieses Exemplar sein Potenzial nicht aus? Da wäre zunächst der Titel. “Bad Boys” sind gerade sehr in Mode – “Bad Girls” weniger. Leserinnen wollen sich mit der Protagonistin identifizieren. Das funktioniert mit einer nur zum Spaß herumvögelnden Titelheldin wohl weniger gut als mit einer Frau, die sich ausgerechnet in den Falschen verliebt. Zweites Problem ist das nichtssagende Cover, das keinerlei Aufmersamkeit erzeugt. Und schließlich scheint in diesem Fall auch der Inhalt eine wichtige Rolle zu spielen. Liest man sich die Rezensionen durch, scheint den Fans der Autorin hier etwas zu fehlen, das sie in den anderen Büchern der Autorin gefunden haben. Was genau, kann ich nicht beurteilen (ich tippe auf “zu viel Drama”), aber ich würde mir das als Autorin mal ganz genau ansehen. Gerade in den typischen Genres wollen die Vielleserinnen eher “more of the same” als Abwechslung.

Buch 3:

“Nachtfluch” ist ein Fantasy-Roman. Das sagt das gelungene Cover sehr klar. Protagonisten sind Jugendliche, die Heldin ist 16, das heißt, die Leserinnen sind um die 14 (Faustregel: Leserinnen sind meist zwei Jahre jünger als die Protagonistin). Dafür ist das Buch aber anscheinend sehr dunkel. Diesen Widerspruch erkennt  man schnell, wenn man in die Leserbewertungen sieht. Auch die  Kategorieneinordnung (einmal “Horror”, einmal “Jugendbuch”) verrät ihn. Während also die jungen Leser wegen des harten Tobaks nicht wie erhofft zugreifen, stören sich ältere Leser an den jungen Protagonisten. Für einen 21-Jährigen verhält sich eine 16-Jährige immer kindisch; im Teenager-Bereich sind zwei Jahre Altersunterschied ein enormer Zuwachs an Reife.

Sie wollen ebenfalls eine neutrale Meinung hören? Dann zeigen Sie mir Ihr Buch (Belletristik oder Sachbuch). Senden Sie mir bitte den Buchtitel mit ASIN oder ISBN an matting at matting punkt de. Das Buch selbst benötige ich nicht; die Betrachtung  erfolgt rein aus Sicht des Käufers vor seiner Entscheidung. Datenschutzhinweis: Ihre E-Mail wird bis zu einer eventuellen Veröffentlichung gespeichert und danach gelöscht.

(hier geht es zu Teil 1, Teil 2 , Teil 3 und Teil 4 )

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Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

  1. Ein grundsätzliches Problem, das alle im Selbstverlag erscheinenden Romane haben ist, dass sie ohne Rücksicht, ob der Klappentext hervorragend und das Cover genial ist, unsichtbar bleiben. Sie liegen nicht in Buchhandlungen aus und ihre Besprechung erscheint auch nicht in den großen Tageszeitungen.
    Lediglich bei Amazon und den anderen Online-Buchhandlungen erscheinen die Titel der Selbstverleger, doch da sind sie in der Masse unsichtbar.

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