Software-Test “Flowstate”: Wehe, du schreibst nicht! Mit Druck Schreibblockaden umgehen?

Ein spannendes Programmkonzept haben The Verge und Lesen.net ausfindig gemacht: Flowstate. Dabei handelt es sich um ein Schreibprogramm, das möglichst ablenkungsfreies Schreiben garantieren soll. Nur so, meinen die Programmierer, stellt sich beim Tippen ein echter Flow ein. Weder E-Mails, Facebook & Co. noch der eigene Perfektionismus sollen den Autor daran hindern, zügig Texte zu formulieren.

Praktisch funktioniert das so: Sie legen zu Beginn die vorgesehene Schreibzeit fest und können eine Schriftart wählen. Und dann geht es auch schon los (siehe Video). Tippen, tippen, tippen, wenn Sie aufhören, verblasst Ihr Text allmählich (dann können Sie ihn noch retten, indem Sie weitertippen), um schließlich komplett zu verschwinden. An dieser Stelle ist es zu spät. Alles, was Sie bisher geschrieben haben, ist auf Nimmerwiedersehen fort. Ihr Ergebnis wird erst dann gespeichert, wenn Sie die festgelegte Schreibzeit erreicht haben. Der Text lässt sich auch nicht durch Markieren und Kopieren retten; Sie müssen tippen, bis der Timer abgelaufen ist (verlängern können Sie die Zeit immer, indem Sie auf den Timer klicken).

https://youtu.be/d6d14m9nzNQ

Das klingt radikal? Das ist es auch. Die App zwingt Sie, nicht zu lange nachzudenken. Sie verändert womöglich die Art und Weise, wie ein Autor arbeitet. Denn jeden Absatz nach dem Schreiben auf Fehler zu prüfen, das ist mit Flowstate nicht möglich. Die App wird, ob Sie es wollen oder nicht, Ihren Schreib-Ausstoß deutlich erhöhen. Aber natürlich funktioniert der stete Druck nicht bei jedem – wer nur entspannt kreativ sein kann, wird an Flowstate keine Freude haben.

Flowstate ist für MacOS (14,99 Euro) und für iOS (9,99 Euro) erhältlich.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

11 Kommentare

  1. Die wunderbare "Writeordie" app (http://writeordie.com/) bietet genau das und mehr ja schon seit langem, online sogar kostenlos. Man kann sich seine Strafe selbst aussuchen – verschwindenden Text, Spinnen oder Horror-Geräusche – oder aber sich belohnen lassen (mit niedlichen Katzen-Bildchen oder Schnurr-Geräuschen). Ich nutze sie, wenn ich so richtig faul bin. Hilft immer. :-).

  2. Haha, eine App direkt aus einem meiner Alpträume. Aber ich würde sie mir vielleicht zulegen, wenn ich mal den Monolog eines Staubsaugerverkäufers schreiben müsste, oder den einer aufdringlichen Nachbarin, oder irgendeines anderen dampfplaudernden Charakters. Aber bis dahin trinke ich lieber Tee, schaue aus dem Fenster und tippe hier und da ein Wörtchen.

  3. Das ist eine sehr lässige Idee. Aber ich bin jetzt nicht der einzige, den sie sehr an Write or Die (http://writeordie.com/) erinnert, welches langsam aber sicher anfängt, schon geschriebenen Text zu löschen, wenn man mit dem Weitertippen nicht schnell genug ist?

    Aber sei es drum. Doppelter Spaß ist doppelter Spaß. Danke für den Tipp.

  4. Meiner Menung nach wird eigentlich auch ohne Druck schon sehr viel geschrieben, was nicht unbedingt gesagt werden muss. Ich würde jedem, dem gerade nichts einfällt, eher dazu raten, sich anderweitig zu betätigen. Kant hatte die besten Ideen beim Spazierengehen, Leibniz morgens auf dem Klo. Man darf auch gerne die Küche aufräumen oder mit dem Hund rausgehen 😉

  5. Die Gefahr bei so einem Programm wäre Qualitätsverlust. Das Programm eignet sich vielleicht für Fingerübungen oder um das Zehnfingersystem zu erlernen, aber nicht zum Schreiben hochwertiger Texte. Trotzdem ne interessante Spielerei meiner Meinung nach.

    Schönen Gruß

    Stefan Lamboury

  6. Wie wär’s denn andersrum? Sobald ein Punkt gesetzt wird, schwärzt sich der Bildschirm und der Hinweis kommt: Denk drüber nach!
    Aber nee, passt nicht in unsere Zeit.

Kommentare sind geschlossen.