Vorabverkauf: eine coole Idee von E-Book-Distributor Smashwords

Es ist nicht einfach, im E-Book-Markt gegen Amazon zu bestehen. Amazon hat in KDP mit “KDP Select” ein cleveres Programm eingeführt, das eine exklusive Veröffentlichung belohnt. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, ohne Select und die dadurch mögliche Teilnahme an der Leihbibliothek Kindle Unlimited erfolgreich zu sein. Damit muss auch Tolino Media klarkommen, der Selfpublishing-Dienstleister der deutschen Tolino-Allianz.

Aber vielleicht kann Tolino Media ja von den USA lernen. Dort hat Selfpublishing-Dienstleister Smashwords nämlich gerade ein wirklich cooles Feature eingeführt: “Presales”, einen Vorabverkauf. Vor dem offiziellen Verkaufsdatum können Fans ein E-Book bereits erwerben. Was ist daran so cool? Smashwords erklärt es so (gekürzte Übersetzung):

  • Es ist eine tolle Belohnung für die aktivsten Fans.
  • Sie können den Presale privat (nur Sie kennen den Link) oder öffentlich (im Smashwords-Store) durchführen.
  • Sie können den Presale z.B. exklusiv Ihren Newsletter-Empfängern anbieten, als Belohnung und Motivation.
  • Smashwords gibt Ihnen, wenn der Leser es erlaubt, die E-Mail-Adresse des Käufers! Sie können Käufern, die Ihre E-Mail-Adresse verraten, sogar einen exklusiven Rabatt geben (nicht mit der Buchpreisbindung kompatibel, aber Sie müssen es auch nicht).
  • Kompatibel mit Kindle Unlimited! Sie erreichen also auch Leser außerhalb von Amazon,. z.B. ePub-Kunden. Dazu brauchen Sie mit der Select-Anmeldung nur bis zum ersten Verkaufstag zu warten.
  • Funktioniert mit den bei Smashwords erhältlichen Coupons (die Sie z.B. Bloggern schenken können).
  • Funktioniert auf allen Lesegeräten, Kindle, Tolino usw.
  • Sie erhalten ein etwas höheres Honorar (74 bis 80 % vom Listenpreis je nach Preis)
  • Sie können die Käufer eine Anti-Raubkopier-Vereinbarung unterschreiben lassen, bei der der Kunde sich verpflichtet, das E-Book nicht weiterzugeben.

Einfach kopieren kann Tolino Media das Feature allerdings leider nicht, denn Smashwords hat es sich patentieren lassen. Aber für solche Fälle gibt es ja Lizenzverfahren. Tatsächlich bietet Smashwords die Idee auch zur Lizenzierung an.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Comments

  • Wow, absolut super!!! Ich wĂĽrde es sofort nutzen, fĂĽr Autoren wie auch fĂĽr Leser ein Riesenvorteil! NatĂĽrlich stellt sich in der Praxis die Frage: Ist dann am Verkaufs-Starttag dann auch wirklich die Vorab-Buchversion offline? Und was, wenn das System hängt und sie eben doch noch online ist? Technische Fehler passieren ja häufig, das System steht und fällt davon, wie rund und fehlerfrei die Angelegenheit läuft. Wenn jemand damit direkt am Anfang aus Select geworfen wird, wenn es nicht klappt, wäre das unter Umständen nicht spaĂźig.

  • Das ist wirklich mal eine sehr gute und traurigerweise ziemlich seltene MaĂźnahme, um eine Alternative zu Amazon zu bieten. Kann man nur hoffen, dass Tolino das hierzulande aufgreift. Damals hatte Beam diesen Vorteil, weil man als Selfpublisher dort total unkompliziert und sofort sein Buch veröffentlichen konnte. Das wussten auch alle Stammleser, die den Vorteil gern genutzt haben, das Buch dann 1-2 Tage vorher zu kaufen, bevor es im Amazonshop aufgetaucht ist. Leider hat Bastei LĂĽbbe den Wert und das Wesen der Plattform nicht verstanden und sie im Versuch, die Kunden einzukaufen und zum regulären Buchhandel zurĂĽckzuzwingen, kaputtgemacht. Meiner Meinung nach bis heute nicht nur einer der größten Flops, sondern auch ein deutlicher Verlust fĂĽr Selfpublisher. Ich hatte damals ziemlich gute Einnahmen ĂĽber den Beam-Shop.

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