Autoren-Tipp: Acht Fragen zum Impressum im Buch und auf der Website

Gerade wer sich erst langsam an das Selfpublishing herantastet, wird oft von der Frage überrascht: Wie bitte, ich soll in meinem Buch meine komplette Anschrift angeben? Habe ich denn kein Recht auf Datenschutz?

Nein – wenn Sie ein Druckwerk veröffentlichen, begeben Sie sich damit in die Öffentlichkeit und unterliegen unter anderem dem Presserecht. Und das fordert von Ihnen verschiedene Angaben. Eine komplett anonyme Veröffentlichung ist rechtlich nicht möglich (wohl aber eine unter Pseudonym, was viele verwechseln).

1. Welche Angaben müssen unbedingt in mein Buch?

Das regeln in Deutschland Landesgesetze – es hängt also eigentlich davon ab, wo Sie wohnen. “Eigentlich”, weil die Bundesländer, sonst so zerstritten, sich geeinigt haben auf:

Name oder Firma und Anschrift des (Selbst-)Verlegers und des Druckers (!)

Nur Berlin macht eine Ausnahme – hier sollen es Wohnort oder Geschäftssitz sein. “Name” ist dabei Ihr Name, nicht Ihr Pseudonym.

2. Gibt es Unterschiede zwischen Buch und E-Book?

Nein, die Impressumspflicht ist dieselbe, E-Books gelten in diesem Sinn auch als Druckwerke.

3. Ich veröffentliche ausschließlich bei Amazon…

Auch dann braucht Ihr E-Book rechtlich gesehen ein Impressum. Amazon fordert allerdings keines.

4. Ich weiß gar nicht, wo Amazon mein Buch druckt

Bei CreateSpace und KDP Print wechseln tatsächlich die Druckereien – oft ist es Leipzig, aber oft auch Polen oder London. Geben Sie doch Amazon Europe in Luxemburg als Drucker an, das ist schließlich laut Member Agreement Ihr Vertragspartner (Amazon Media EU S.à r.l., 5 Rue Plaetis, L-2338, Luxembourg).

5. An welcher Stelle muss das Impressum erscheinen?

Das ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Strittig ist, ob es bei E-Books innerhalb der kostenlosen Leseprobe erreichbar sein muss.

6. Welche Pflicht-Angaben muss ich auf meiner Website machen?

Die Impressumspflicht bei Websites (übrigens auch auf Facebook-Seiten gültig) ist ein ganz eigenes Thema. Sie wird zum einen vom Telemediengesetz (TMG) bestimmt, bei Veröffentlichung journalistischer Inhalte aber auch vom Rundfunkdienste-Staatsvertrag. Benutzen Sie am besten einen Impressum-Generator wie den von e-recht24, damit Sie keine der vorgeschriebenen Angaben verpassen.

Sie sind zu einem Impressum verpflichtet, wenn Sie nicht nur rein private Inhalte veröffentlichen, also zum Beispiel für Ihre Bücher werben.

Das Impressum muss von jeder Seite aus erreichbar sein und Ihren kompletten Namen und Ihre ladungsfähige Adresse enthalten.

Falls Sie journalistische Inhalte veröffentlichen, müssen Sie auch einen dafür Verantwortlichen angeben (Name und Adresse, etwa “Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV: Name, Anschrift”. Das gilt u. a. auch für Bloginhalte.

7. Kann mir ein Pseudonym-Service helfen?

Ein professioneller Pseudonym-Service kann unter drei Bedingungen helfen.

  • Er wird über eine echte Straßen-Adresse abgewickelt – eine Postfach-Adresse erfüllt die Anforderungen definitiv nicht.
  • Sie erteilen den dort tätigen Personen / dem Unternehmer eine schriftliche Zustellvollmacht.
  • Die dort eintreffende Post wird Ihnen zeitnah zugestellt.

8. Welche Angaben kann ich – freiwillig – sonst noch ins Impressum eintragen?

Bildquellen, Lektoren, Korrektorat, auch andere Dienstleister – all das sollten Sie nicht zu erwähnen vergessen. Es ist aber rechtlich nicht vorgeschrieben, dass dies im Impressum passiert. Gerade Bildquellen werden oft auch direkt beim Bild genannt. Ebenfalls üblich sind Druckauflage oder ein Hinweis auf die Deutsche Nationalbibliothek.

Ein Urheberrechtshinweis ist unnötig, das Urheberrecht ensteht automatisch.

Eine Haftungseinschränkung ist in der Regel unwirksam – also unnötig. Dinge, für die Sie haften, können Sie nicht per Erklärung ausschließen.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Comments

  • grad aktuell reingekommen: https://www.e-recht24.de/news/abmahnung/

  • Ich habe folgende Formulierung auf der Impressum-Seite des Postillon gefunden:

    "Bevor Sie uns verklagen, wĂĽrden wir uns ĂĽber einen Hinweis per E-Mail freuen. Die Kostennote einer anwaltlichen Abmahnung ohne vorhergehende Kontaktaufnahme wird im Sinne der Schadensminderungspflicht als unbegrĂĽndet zurĂĽckgewiesen."

    Es wäre hochinteressant herauszufinden, ob diese Klausel tatsächlich wirksam ist. Sie würde Abmahngeiern das Handwerk legen.

    • Das ist so ähnlich wie das Posten von Bildern bei Facebook, mit denen gegen Facebooks Nutzerbedingungen widerspricht.

  • Ich habe gerade mal in drei BĂĽchern geschaut: In jedem ist nur der Ort (Es ist nicht Berlin.) angegeben, keine Adresse. Ein VerstoĂź gegen das Presserecht?

2 Pingbacks

Comments are closed.