Die VG Wort als Einnahmequelle für Self Publisher

Ob Kopierer, Drucker oder auch PCs: Wenn Geräte dazu geeignet sind, Kopien von urheberrechtsgeschützten Werken anzufertigen, müssen deren Hersteller in Deutschland Abgaben zahlen – pro Jahr sind das dreistellige Millionenbeträge. Diese sind dazu gedacht, die Rechteinhaber für entgangene Einnahmen zu kompensieren. Die Verwaltung dieser Einnahmen übernimmt die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort).

VG-Wort-Einnahmen für Belletristik

Bei Belletristik und Kinderbüchern ist es notwendig, dass Sie einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen. Dieser gilt nicht rückwirkend, Sie sollten also schnell handeln. Die VG Wort prüft, wie oft Ihr Buch in bestimmten, vorher festgelegten Bibliotheken ausgeliehen wurde, und verteilt die Einnahmen dann anteilig. Dazu müssen Sie nichts tun – wohl aber regelmäßig neue Pseudonyme melden (Sie können auch Bücher melden, wenn Sie sichergehen wollen). Es gibt zudem alle paar Jahre eine Sonderausschüttung für alle, die keine normalen Ausschüttungen erhalten haben.

VG-Wort-Einnahmen für Sachbücher

Hier funktioniert das Verfahren wie bei Belletristik. Sie brauchen also einen Wahrnehmungsvertrag und müssen ansonsten nichts tun. Falls Ihr Sachbuch allerdings wissenschaftlicher Natur ist, sollten Sie es im Bereich Wissenschaft melden (s.u.).

VG-Einnahmen im Bereich Wissenschaft

Wissenschaftliche Publikationen sind nach Definition der VG Wort “Fach- und Sachbücher, kartographische Werke, Loseblatt- und Lieferungswerke sowie Fachbeiträge und -artikel in Fach- und Sachbüchern oder Fachzeitschriften.” Wenn Ihr Buch in diesen Bereich fällt, müssen Sie es als Autor*in über ein Formular der VG Wort schriftlich melden. Ob Sie etwas ausgezahlt bekommen, hängt aber auch davon ab, ob Ihr Werk in wissenschaftlichen Bibliotheken “angemessen verbreitet” wurde.

VG-Wort-Einnahmen für Texte im Internet

Dieser Bereich ist noch recht neu. Die VG Wort verteilt Tantiemen für Texte beliebiger Art, die frei (also ohne Kopierschutz / DRM) im Netz verbreitet wurden, und zwar als Entschädigung dafür, dass diese Texte ausgedruckt werden könnten. Das gilt auch für Texte im PDF-Format oder für ePub-E-Books ohne DRM. Es gilt ebenso für kopierschutzfreie Texte hinter einer Bezahlschranke (die natürlich trotzdem den Mindestabruf erreichen müssen). Wenn Sie selbst bloggen oder Fanfiction veröffentlichen, sollten Sie diese Einnahmemöglichkeit nutzen. Sie brauchen keinen Wahrnehmungsvertrag, müssen sich aber bei tom.vgwort.de registrieren.

Voraussetzung ist, dass Sie auf Ihrer Website so genannte Zählpixel einbauen können, mit denen die VG Wort die Abrufzahlen ermitteln kann. WordPress hilft Ihnen dabei mit einem VG-Wort-Plugin. Die Texte müssen mindestens 1800 Zeichen lang sein (gilt nicht für Lyrik) und eine Jahr für Jahr wechselnde Mindestzahl von Abrufen erreichen (meist 1500 oder mehr). Abrufe von Suchmaschinen-Robots werden dabei ebensowenig gezählt wie Abrufe aus dem Ausland.

Die Auszahlung erfolgt anteilig nach Abrufen in bestimmten Staffelungen – rechnen Sie mit Beträgen ab 10 Euro pro Artikel (es gab aber auch schon 30 Euro). Die genaue Höhe liegt am Gesamt-Fonds und der Gesamtzahl der Meldungen. Wenn Sie im Monat also fünf Blogbeiträge schreiben, die lang genug sind und die Mindest-Abrufzahl erreichen, können Sie im Jahr darüber 600 Euro einnehmen.

Um überhaupt eine Auszahlung zu erhalten, müssen Sie allerdings fristgerecht handeln. Igendwann im Nachfolgejahr legt die VG Wort die Mindest-Abrufzahl fest. Danach können Sie in Ihrem TOM-Account ermitteln, welche Ihrer Beiträge diese Zahl erreicht haben, und müssen diese spätestens bis zum 1. Juli online gemeldet haben, sonst verlieren Sie in diesem Jahr ihre  Ansprüche (Nachmeldungen sind aber im nächsten Jahr möglich).

Fotografen, Grafiker, Designer und ähnliche Berufe können zudem über die VG Bild-Kunst an Kopiervergütung oder Bibliothekstantieme partizipieren.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

31 Kommentare

  1. Kleine Ergänzung zu “Texte im Internet”: ePubs können doch gemeldet werden und auch dann, wenn sie hinter einer Bezahlschranke sind – müssen aber auf jeden Fall ohne DRM sein:

    Neben direkt im Netz lesbaren Texten (HTML oder XHTML Dateien) sind auch PDF-Dokumente oder sog. ePubs meldefähig. Andere Dokumentenformate, zum Beispiel Bilddateien sind nicht meldefähig.

    Vergütet werden im Rahmen der Ausschüttung die zulässigen Kopien im Rahmen von § 53 UrhG, also das (erlaubte) Abspeichern oder Ausdrucken von Internettexten. Nur dafür, dass der Text im Internet veröffentlicht ist, ist gesetzlich keine Vergütung durch die VG WORT vorgesehen. Aus diesem Grund dürfen Texte, die gemeldet werden, nicht mit einem technischen Kopierschutz (Stichwort DRM) versehen sein. Sofern der Text nach dem Kauf oder Login ohne Kopierschutz zur Verfügung steht, können auch kostenpflichtige oder nur hinter einem speziellen Zugang angebotene Texte gemeldet werden.

    Quelle: VG Wort
    https://www.vgwort.de/verguetungen/auszahlungen/texte-im-internet.html

  2. Hallo, vielen dank für den hilfreichen Text. Ich veröffentliche bisher meine Print-Ausgaben über BOD.
    Wenn ich zukünftige Bücher mit Amazon KDP veröffentliche (print und ebook), ändert sich für mich als Autor etwas? Melde ich mein Buch bei VG-Wort normal an oder ist das Vorgehen anders als mit Bücher, welche bei BOD veröffentlicht sind?

    Happy day & vielen Dank!

  3. Sofern ich mein Buch bei Amazon nicht nur als E-Book, sondern auch als Taschenbuch veröffentliche, muss ich ja Pflichtexemplare an die DNB und die Landesbibliothek abliefern. Lohnt sich in diesem Zusammenhang die Anmeldung bei der VG Wort dann doch?

    1. Hallo Herr Matting,

      Ihre Aussage “Wenn Ihr Buch nur bei CreateSpace / Amazon erhältlich ist, brauchen Sie den Aufwand gar nicht erst zu treiben.” stimmt nicht, zumindest nicht für Sachbücher. Siehe unten 4.

      Aussage der VG Wort Frau Dr. Epp aus Mailverkehr:

      “1. Die Nachfrage bei meinen Kollegen hat bzgl. der bei Create Space/Amazon vertriebenen Bücher ergeben, dass für 50% Tantieme nicht mindestens 100, sondern mindestens 500 Exemplare nachgewiesen werden müssen, da Create Space nicht separat ausweisen kann, wie viele Exemplare in Deutschland gekauft wurden. Nur von hier nehmen wir aber Gelder ein.
      2. Der Verkaufsnachweis kann wie gesagt, nur drei Jahre rückwirkend gelten. Beispiel: ein Buch ist 2015 erschienen, also können die 500 Exemplare bis 31.1.2018 gemeldet werden bzw. müssen sie zwischen 2015 und 2018 verkauft worden sein.
      3. Ein Manuskript muss nicht notwendigerweise on demand auf Papier gedruckt werden, da gibt es Sticks und DVDs nach wie vor… – nicht für uns, wie ich gerne wiederhole.
      4. Wir sind nicht auf die ISBN fixiert und vergüten viele Titel ohne ISBN – doch sie müssen sich unter der Titelsuche auffinden lassen, am allerliebsten natürlich mindestens in der Deutschen Nationalbibliothek, die am zuverlässigsten wenigstens die Existenz eines Titels nachweist. Der VLB ist weniger unser Maß, doch für den Existenznachweis geht auch dieser.
      5. Von “Auflage” wurde gar nicht gesprochen, vielmehr von Nachweis verkaufter Exemplare (s.o.: 500), und sei es durch die Bestätigung des Steuerberaters.”

  4. Hallo,

    ich bin trotz des Artikels nicht ganz schlau aus den Zeiten bei den Online-Texten geworden.
    Ich habe im Februar 2016 meine Texte mit einem Zählpixel versehen.
    Verstehe ich jetzt richtig, dass im Juni 2017 der Mindestzugriff für das Jahr 2016 festgelegt wird. Dann hab ich Zeit bis August 2017 alle Texte, die den Mindestzugriff erfüllt haben zu melden und erhalte dann gegen Ende 2017 eine Auszahlung?

    Danke für die Aufklärung.
    Viele Grüße
    Stephan

  5. “Wenn Ihr Buch nur bei CreateSpace / Amazon erhältlich ist, brauchen Sie den Aufwand gar nicht erst zu treiben.” Das stimmt nicht! Ich habe ein Reisehandbuch bei AMAZON CreateSpace verlegt und bei der VG Wort als Sachbuch gemeldet. Ich wurde aufgefordert, erstens 1 Exemplar zur Ansicht zur Verfügung zu stellen und zweitens den Nachweis zu erbringen, dass von dem Buch eine bestimmte Mindestanzahl in Deutschland verkauft wurde. Letztes konnte ich “beweisen” durch Vorlage meiner CreateSpace-Abrechnungen. Nach Prüfung des Buches seitens der VG Wort wurde es als zu 50% “wissenschaftliches” Buch eingestuft. Letzter Akt: für 2013 wurden mit 200 € überwiesen. Mühe hat sich also gelohnt. Beste Grüße!

    1. Ich bin in einer ähnlichen Situation. Unser Buch “Guerilla SEO” vermittelt Wissen, mit dem die Leser Suchmaschinenoptimierung – ganz einfach – selber machen können. Es könnte also wohl auch als teilweise wissenschaftliches Buch gesehen werden. Meine Frage: Wie hoch ist die “bestimmte Mindestanzahl” in Deutschland verkaufter Bücher? Vielen Dank!

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