Autoren-Tipp: Wie Sie herausfinden, ob jemand Ihr Buch geklaut hat

Plagiate gibt es, seit es Bücher gibt. Für lange Zeit hatten Autoren überhaupt keine Rechte. Das Urheberrecht ist eine Erfindung der Neuzeit. Insofern können wir eigentlich froh sein – und doch ärgert es natürlich insbesondere den Urheber ungemein, wenn fiese Gesellen den kürzeren Weg gehen und abschreiben, statt sich selbst Gedanken zu machen.

Wie kommt man derartigen Kopien auf die Schliche? Heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren, und das haben wir den Scan-Initiativen von Google & Co. zu verdanken. Als man Plagiate nur nachweisen konnte, indem man Hunderte Bücher durchblätterte, wären die meisten der aktuellen Vorkommnisse wohl nicht ans Licht gekommen.

Am einfachsten sind Plagiate zu entdecken, wenn frei im Netz verfügbare Texte (etwa Fanfiction) ins eBook übertragen wurde. Aber auch bei sehr vielen, früher nur auf Papier erhältlichen Titeln hilft inzwischen eine Suche bei Google Books. Das Quellmaterial dazu finden Sie etwa bei Amazons “Blick ins Buch”. Suchen Sie sich Stellen aus, die keine Personen- oder Ortsnamen enthalten, denn findige Abschreiber ändern diese gern. Eventuell müssen Sie mehrere Sätze testen, weil manchmal auch die Wortstellung im Satz verändert wird.

Online-Plagiatefinder wie Plagscan oder Plagiatspruefung.de  helfen im Fall von Belletristik übrigens nur selten. Sie gehen so vor, dass sie nach und nach einzelne Sätze eines Textes an Google schicken und die Fundstellen zusammenfassen. Wird dann ein bestimmter Prozentsatz überschritten, gilt der Text als verdächtig. Ich habe beide Angebote mit den aktuellen Plagiatsfällen getestet – ohne Treffer. Diesem Text hier aber, den ich mir (Indianer-Ehrenwort) gerade selbst ausgedacht habe, weist Plagiatefinder immerhin sechs verschiedene Fundstellen nach. Faktisch liegt das daran, dass die verglichenen Satz-Schnippsel wohl einfach zu kurz sind.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

3 Comments

  • Es wird ĂĽberall geklaut. Sevac und Literotica war fĂĽr Storydiebe leider schon immer ein gefundenes Fressen. Während diese Plattformen selbst gegen Plagiate auf ihren Seiten vorgehen, können sie halt nichts gegen das Kopieren auf andere Orte unternehmen.
    Früher war der Diebstahl meist nur im Rahmen von Werbeseite. Inzwischen lohnt sich halt das Ebookgeschäft.

    Allerdings sind längst nicht nur Onlinegeschichten betroffen. Im Gegenteil. Dort ist das Risiko erwischt zu werden ja relativ hoch.
    Dem letzten Fall waren es neben Netzgeschichten aber auch sehr viele alten (Heft-)Romane betroffen. Werke die 20 Jahre oder älter sind, und häufig nur noch am Flomarkt exisitieren. Gerade hier ist das finden eines Plagiats viel schwerer. Da es nicht so viele Ebookleser gibt, die sich noch an Texte erinnern, die sie vielleicht vor 30 Jahren mal gelesen haben.

  • So wie ich “den Markt” einschätze, werden hauptsächlich Erotik-Titel geklaut.
    Mittlerweile haben die Plagiatoren diverse Möglichkeiten gefunden, wie sie unentdeckt kopieren können.
    Dazu kommt, da sehr viele dieser Titel sind extrem kurz, wird oft nicht mehr als die Titelei in der Leseprobe angezeigt – und vielleicht die ersten zwei Seiten. Diese lassen sich dann in der Tat recht schnell soweit verändern, dass sie durch das Suchraster rutschen.
    Was auch immer wieder gerne gemacht wird: Titel von anderen Self Publishern aus dem Englischen zu übersetzen. Hier unterschätzen die Plagiatoren aber, dass es sehr viele Genre-Leser gibt, die auch fremdsprachige Bücher lesen.
    Die Chancen, dass solche Fälle aufgedeckt werden sind also gar nicht mal so gering, wie man annehmen könnte, wie der Fall Sybilla Lockhart aus dem letzten Jahr zeigt.

    • Hallo, ich gehe auch im Sachbuch Bereich von einigen Plagiaten aus. Aber “Plagiat” auch im Sinne von einfach umgeschrieben – aus mehreren BĂĽchern geklaut und neu zusammengesetzt – frisches Cover und dann veröffentlichen. Im Bereich Erotik bedienen sich “Autoren” dann an sevac.com und anderen. Hier dĂĽrfte ein groĂźer Prozentsatz bei Amazon nicht aus der Feder des Autoren stammen, sondern von solchen Plattformen. Je unbekannter der Blog oder die Webseite, je häufiger findet man die Inhalte in EBooks wieder.

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