Charaktere schon vor Beginn des Romans vorstellen – Charaktere einführen (Teil 6 und Ende)

Charaktere einzuführen beschränkt sich nicht auf die Stellen im Roman, an denen die Charaktere auftauchen. Es beschränkt sich nicht einmal auf die Passagen, wo über die Charaktere gesprochen oder erzählt wird.

Gerade (aber nicht nur) für Selfpublisher ist es wichtig, hier auch über den Rand hinauszudenken – über den Rand ihres Romans. Je früher Sie den Leser an einen Charakter, insbesondere an die Hauptfigur, Ihres Romans binden, desto stärker kann diese Bindung werden. Statt sich also in Ihrer Werbung bei und vor Erscheinen Ihres Buchs zu sehr auf die Story zu fixieren, sollten Sie auch darüber nachdenken, ob Sie dem potenziellen Leser nicht schon mal eine Begegnung mit dem Helden oder der Protagonistin Ihres Romans gestatten. Schließlich sind es in vielen Romanen die Charaktere, die den Leser am meisten interessieren. Das gilt insbesondere für Mehrbänder, Reihen und Serien, die mit der Kraft und der Qualität ihrer Hauptfiguren stehen oder fallen.

Das Gute und Erfolgversprechende daran: Wenn der Leser Ihre Romanheldin schon kennt, bevor er überhaupt das Buch aufschlägt, findet der Leser schneller den Zugang zu dieser Figur, er findet schneller in den Roman hinein.

Wenn Sie es sogar in Ihrer Werbung schaffen, dass ein potenzieller Leser sich bereits für den Protagonisten interessiert, ja, ihn vielleicht sogar bereits mag, vergrößern Sie Ihre Chancen, dass er das Buch überhaupt kaufen wird.

Eine überzeugende Hauptfigur könnte das stärkste Verkaufsargument für Ihr Buch sein! Wäre doch schade und unklug, das nicht auszunutzen. Zumal Sie ja praktisch kein Risiko eingehen.

Wie Sie diese Einführung ausgestalten, bleibt Ihrer Kreativität überlassen. Das könnte eine Kurzbeschreibung der Romanfigur auf Ihrer Website sein bis hin zu einem Buchtrailer, wo Sie den Charakter sprechen oder sogar selbst auftreten lassen.

Was sich anbietet und recht wenig Arbeit macht: Verwenden Sie zur Charaktereinführung Auszüge aus der Backstory, dem Voice Journal, aus Charakterinterviews und anderen Texten, die Sie über die Charaktere geschrieben haben, die aber keinen Platz im Roman finden. Sprich: Die dafür geschriebenen Texte können Sie noch sehr sinnvoll verwerten.

Falls Sie eine Reihe schreiben, könnten Sie den Leser zwischen zwei Bänden beispielsweise mit einer Anekdote über den Protagonisten auf dem Laufenden halten und damit zugleich auch neue Leser ansprechen.

Bei all dem gilt: Im Zweifel ist weniger mehr. Denn der Leser will ja noch seine Fantasie bemühen dürfen, wenn er das Buch aufschlägt, er will noch nicht alles wissen. Vielen Charakteren tut ein Nimbus von Rätselhaftigkeit gut. Auch sollten Sie behutsam sein und keine Geheimnisse Ihrer Charaktere ausplaudern, die dem Leser die Freude nehmen, die Romanfigur auf ihrem Weg durch die Geschichte zu begleiten.

Wann, wo und wie auch immer Sie Charaktere einführen, sollten Sie ihnen ein scharfes Profil geben. Wischiwaschitypen sind gleich wieder vergessen, sie funktionieren im Roman selbst ebenso wenig wie als Werbeträger für das Buch.

Je klarer umrissen ein Charakter auftritt, desto deutlicher werden dem Leser auch die Veränderungen, die sich im Lauf der Handlung im und mit diesem Charakter ereignen. Veränderungen sind das Zauberwort für jeden Roman. Sie zeigen nicht nur an, dass etwas geschieht. Sondern sie beweisen auch, dass das Geschehene so stark und wichtig ist, dass es die Kraft hat, einen Menschen zu verwandeln. Welche Veränderung erscheint Ihnen größer: Eine wolkige Masse verwandelt sich in einen Elefanten oder eine Maus verwandelt sich in einen Elefanten?

Geben Sie uns Charaktere, mit denen wir mitfiebern, mit denen wir leiden und lachen, geben Sie uns real wirkende Menschen, die ruhig ein bisschen überlebensgroß sein dürfen, die Dinge tun, die wir gerne tun möchten, uns aber nicht trauen, oder die stellvertretend für uns Leser große Abenteuer bestehen. Und geben Sie uns diese Figuren so schnell wie möglich, denn umso länger haben wir, Zeit mit ihnen zu verbringen und unsere Beziehung zu ihnen zu entwickeln. Sorgen Sie für einen ersten Auftritt, den ein solcher Charakter verdient hat.

Stephan Waldscheidt

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