Crowdfunding für Self Publisher: Wenn Leser zu Verlegern werden

Bisherige Crowdfunding-Plattformen arbeiten nach einem Prinzip, das einer Vorabfinanzierung der Herstellungskosten (oder eines Teils davon) durch Leser beziehungsweise Fans entspricht. Wer Geld zusichert, erhält das Produkt und (fast immer) noch eine kleine Belohnung, je nach Betrag des Fundings (siehe Crowdfunding für eBooks).

Dieses Prinzip will die Plattform Pentian.com ändern. Das aus Spanien stammende Unternehmen hat auf seinem Heimatmarkt angeblich schon acht Prozent der Self Publisher überzeugt. Nun ist Pentian auch auf dem US-Markt gestartet.

Die grundsätzliche Idee: Wer hier Geld gibt, erhält dafür nicht nur das fertige Buch, sondern auch einen Anteil am Gewinn. Insgesamt bekommen alle Unterstützer zusammen maximal 50 Prozent der Gewinne, 40 Prozent gehen an den Autor und der Rest verbleibt als Gebühr bei Pentian. Der Leser wird damit im Grunde zum Verleger – er finanziert das Erscheinen des Buches und geht damit ein Risiko ein. Bücher erscheinen im übrigen gedruckt UND als eBook. Den weltweiten Vertrieb übernimmt dabei Pentian.

Allerdings erhält der Unterstützer (anders als ein richtiger Verlag) kein Mitspracherecht bei Cover und Inhalt. Die komplette Umsetzung verbleibt beim Autor (und damit auch die kreative Freiheit). Der Unterstützer hat nun allerdings ein primäres Interesse daran, dass sich das Werk auch gut verkauft – und ist damit gut beraten, das über seine eigenen Möglichkeiten nach Kräften zu fördern.

Die Homepage von Pentian.com
Die Homepage von Pentian.com
Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

7 Comments

  • Klingt eigentlich recht interessant. Allerdings frage ich mich, inwieweit man als Autor das Aussehen des Buches beeinflussen kann. Immerhin besteht ein Buch ja nicht nur aus einem Cover. Ich zum Beispiel würde mir wünschen, dass ich die Printversion selbst setzen kann mit einer Schrift, die mir gefällt. Eventuell sogar zwischen verschiedenen Papieren und Formaten wählen. Auf die Schnelle ist das bei Pentian.com für mich leider nicht ersichtlich.

    • Im Artikel steht: “Die komplette Umsetzung verbleibt beim Autor (und damit auch die kreative Freiheit).” Ich würde deshalb mal davon ausgehen, dass Autor und Aufbereitungsdienstleister die Ausgestaltung und Herstellung komplett selbst übernehmen.

      • Ja, das habe ich auch gelesen. Dass es eine Art Aufbereitungsdienstleister gibt, davon gehe ich aus, da die meisten Autoren wohl Grafik-Laien sind. Dann schickt man sein Word-Dokument irgendwo hin.

        Würde man jedoch als Grafiker sein Buch selbst setzen, ginge es normalerweise direkt zum Drucker. Ich wollte gern wissen, ob das mit Pentian.com auch möglich wäre. Für mich (als Grafiker und Autor) ist das eben nicht so selbstverständlich.

    • Ja, das ist bei Crowdfunding für Buchprojekte wohl noch eine recht unbeantwortete Frage – wenn man ein fertiges PDF anliefern kann, ob auch nur die Finanzierung der physischen Herstellung ebenfalls in Frage kommt.

  • Das ist so nicht richtig, dass der Leser ein Risiko eingehen würde, ganz im Gegenteil – es handelt sich um eine komplett risikolose Form des Publizierens, da nämlich die Investoren beim Crowdfunding ihr Geld zurückerhalten, wenn die veranschlagte Summe nicht zustandekommt. Wenn die Summe zustandekommt, sind die Produktionskosten schonmal komplett abgedeckt, das Ergebnis tritt direkt die Gewinnspanne an. Wenn sich nicht genügend Interessenten finden, wird das Projekt auch nicht umgesetzt, keine der beteiligten Parteien braucht unnötige Aufwendungen zu leisten.

    • Doch, der Leser geht in diesem Fall (nicht beim Crowdfunding allgemein, aber hier) ein Risiko ein – er bezahlt deutlich mehr, als er für ein entspr. Buch bezahlen würde – weil bei jeder Stufe ein höherer Anteil am Gewinn zugesagt wird. Ob der Backer seinen Einsatz zurückerhält, ist gerade bei erfolgreichem Funding unsicher.

      • Oh, verstehe, vielen Dank für diese Klarstellung im Hinblick auf die konkrete Anwendung des Crowdfunding-Modells in diesem Fall. Wenn freilich über die Finanzierung der reinen Umsetzung hinaus per höherer Investment-Stufe auf die Höhe des Gewinns und Anteile daran spekuliert wird (wo eine feste Print-Auflage im Gegensatz zu E-Book und Print-on-Demand womöglich auch noch den Break-Even infolge höherer Kosten nach hinten verschiebt), kann der Gesamteinsatz eines Investors in der Tat deutlich über dem Preis des einzelnen Exemplars liegen, sodass erst später mit dem Verkauf der Exemplare der Gewinnbereich erreicht wird. Es handelt sich also um eine für die Crowd eher nachteilige Ausgestaltung von Crowdfunding.

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