Hässliches Cover, zu viele Fehler im Lektorat: Was tun, wenn ein Auftrag nicht gelingt?

Man kann noch so sorgfältig nach der perfekten Lektorin, dem erfahrensten Layouter oder der begabtesten Grafikerin suchen – es wird unweigerlich auch mal passieren, dass das Ergebnis nicht so ausfällt wie erhofft. Das bedeutet oft Ärger, fast immer Zeitverlust und manchmal auch finanzielle Einbußen. Dieser Artikel stellt Ihnen hilfreiche Tipps vor, wie Sie den Ärger wieder aus der Welt schaffen.

Was ist passiert?

Wenn Ihnen Ihr Dienstleister das Ergebnis seiner Arbeit übergeben hat, sollten Sie sie prüfen. Nicht nur aus rechtlichen Gründen und auch, wenn Sie dem Menschen blind vertrauen: Denn jeder hat mal einen schlechten Tag, und Sie sollten es nicht Ihren Leser*innen zumuten, etwa einen Haufen Tippfehler zu monieren. Falls Sie dabei feststellen, dass Ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden, halten Sie zunächst einmal inne und beantworten Sie sich zwei Fragen.

  1. Was genau haben Sie als Ihre Erwartung an das Arbeitsergebnis mitgeteilt?
  2. Ist Ihre Erwartung realistisch?

Wünsche, die ein Designer nicht kennt, kann er nicht erfüllen. Und unrealistische Forderungen wie zum Beispiel völlige Fehlerfreiheit eines Manuskripts sind eben das, unrealistisch. Gerade beim Lektorat hängt das Ergebnis sehr vom Input ab. Falls Ihr Manuskript 2000 Fehler hatte und davon 95 Prozent entfernt wurden, dann ist das eine ziemlich gute Quote, obwohl immer noch 100 Fehler darin stecken.

Falls Sie also bei Punkt 1 zu wenig erzählt haben oder auf Frage 2 mit Nein antworten müssen, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als das Gespräch zu suchen.

Entscheidend: Werk- oder Dienstvertrag

Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, ist ein Gespräch immer eine gute Idee. Streit macht schlechte Laune, ein Rechtsstreit kostet außerdem noch Geld und endet nicht immer wie gewünscht. Nur wenn Ihr Gegenüber überhaupt nicht zum Reden bereit ist, sollten Sie weitere Schritte in Betracht ziehen.

An dieser Stelle wird dann wichtig, welche Art von Vertrag Sie geschlossen haben: einen Dienst- oder einen Werkvertrag? Bei einem Dienstvertrag verpflichten Sie sich, eine Vergütung zu zahlen und dafür eine bestimmte Dienstleistung zu erhalten. Das Ergebnis der Arbeit spielt hier keine Rolle. Die Vergütung ist fällig, wenn die Dienstleistung erbracht wurde. Bei einem Werkvertrag hingegen verpflichtet sich der Dienstleister, ein Werk herzustellen, und Sie verpflichten sich, das Werk abzunehmen und zu bezahlen. Im Unterschied zum Dienstvertrag garantiert der Auftragnehmer für die einwandfreie Beschaffenheit des Werkes. Wenn dieses nicht den Anforderungen entspricht, können Sie eine Nachfrist setzen und bei Nichterfüllung schließlich auch die Bezahlung mindern.

Die Abgrenzung ist hier leider nicht immer ganz einfach. Ein Cover dürfte zum Beispiel eher in einem Werk- als in einem Dienstvertrag entstehen. Ein Buchlayout hingegen könnte einen Dienstvertrag als Grundlage haben. Beim Lektorat wird’s kompliziert. Manche Lektor*innen nehmen deshalb von vornherein in ihre AGB auf, dass sie nach Dienstvertrag tätig werden. Aber selbst dann könnte man sich noch mit anwaltlicher Hilfe streiten. Ein Dienstvertrag liegt auf jeden Fall immer dann vor, wenn sich das Ergebnis gar nicht garantieren lässt – wenn Sie sich also zum Beispiel ein Horoskop erstellen lassen… Ein Autorenvertrag ist in diesem Sinne übrigens in der Regel ein Werkvertrag.

Das Problem: ein Dienstvertrag stellt Sie als Auftraggeber*in deutlich schlechter als ein Werkvertrag. Bei einem Dienstvertrag müssen Sie im Grunde nachweisen, dass die Dienstleitung nicht erbracht wurde. Falls Ihnen das gelingt, müssen Sie trotzdem zahlen, können dann aber Schadensersatz geltend machen. Bei einem Werkvertrag hingegen können Sie zunächst eine Frist zur Nachbesserung setzen und dann das Honorar mindern.

Ärger lieber vermeiden

Ein Tipp zum Schluss: Am besten fahren Sie natürlich, wenn Sie Ärger von vornherein vermeiden. Deshalb:

  • Machen Sie möglichst genau aus, was Sie erwarten und was der Auftragnehmer erbringen soll.
  • Legen Sie das Vereinbarte schriftlich nieder.
  • Planen Sie genug Zeit für Nacharbeit ein.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Kommentare

  1. “Gerade beim Lektorat hängt das Ergebnis sehr vom Input ab. Falls Ihr Manuskript 2000 Fehler hatte und davon 95 Prozent entfernt wurden, dann ist das eine ziemlich gute Quote, obwohl immer noch 100 Fehler darin stecken.” Sorry, aber das Lektorat ist gar nicht zuständig dafür, Fehler zu entfernen. Wer das von seinem Lektor haben will, der muss ausdrücklich Lektorat + KORREKTORAT vereinbaren. Seriöse Lektoren werden das dann (wenn überhaupt!) einen extra Korrektoratsdurchgang anbieten.

  2. Auch ganz wichtig: Möglichst eine Arbeitsprobe vereinbaren. Zumindest im Lektorat und Korrektorat lässt sich anhand einer Arbeitsprobe – vielleicht 20 Seiten – schon feststellen, ob die Bearbeitung im Sinne des Auftraggebers ist. Und wenn man als Auftraggeber nicht zufrieden ist, dann vielleicht lieber jemand Neues suchen. Schwieriger ist es beim Coverdesign. Was kann eine Graphiker innerhalb einer zumutbaren Zeitspanne erstellen, sodass daran die Qualität des fertigen (noch zu erstellenden) Covers ersichtlich ist. Hier hilft dann eher ein Blick auf schon fertige Cover (Referenzen).

  3. gutes Design muss nicht teuer sein, aber für den ersten Eindruck gibt es kein zweite Chance. Von einem guten Cover hängt der Erfolg eines Buches ab. Teuer muss nicht immer gut sein, am besten fährt man damit wenn man den Inhalt des Buches kurz und prägnant sich im Cover spiegeln lässt. Zu mir kommen oft Leute und sagen mach mal dies und das und das passt dann nicht zum Buch. Es gibt eben auch beratungsresistente Menschen. Ebenso bei den Preisen. Wenn ich ein Bild mit Lizenz verwende ist es natürlich teuerer als wenn Oma mir da was malt. Zwischen 100 und open End für eine Handzeichnung sollte man schon berappen, dann klappt es auch meistens zumindest für das Print Werk

  4. Zu "Ärger lieber vermeiden" könnte ich noch ergänzen:
    Planen Sie vorab genügend Zeit ein.

    Gerade unerfahrene Self-Publisher bringen oft eine gewisse Ungeduld mit und erwarten Arbeiten hier und jetzt und perfekt und gleich. (Profis sind in der Regel deutlich gelassener)

    Keinen zu knappen Zeitplan kalkulieren. Es kann auf beiden Seiten immer was dazwischen kommen, es kann Missverständnisse geben, es können Informationen fehlen. Es erleichtert auch dem Dienstleister die Arbeit ungemein, wenn er mit Luft zum Atmen arbeiten kann.

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