Metadaten-Analyse: Warum verkaufen sich diese Bücher nicht? (4. Teil)

Ursachen, warum  ein Buch nicht wie erwartet läuft, gibt es wie Sand am Meer. Ein paar mögliche Gründe hatte ich in “Warum verkauft sich mein Buch nicht wie erwartet”  aufgeführt. Wie es  ganz konkret bei drei Titeln aussieht, erfahren Sie im folgenden.

Buch  1:

Das Buchcover kommt relativ technisch daher. Es strahlt – anders als der Titel – keine Faszination aus und hat ein paar handwerkliche Schwächen. Der Klappentext  beginnt vielversprechend und deutet auf epische Science Fiction à la Hyperion-Gesänge hin. Aber nach den ersten drei Sätzen springe ich als Leser ab – plötzlich werde ich mit Handlungssträngen und Namen überhäuft, sodass ich die letzten beiden,  wieder klareren Sätze gar nicht mehr erreiche. Eine  der Leser-Bewertungen verrät, warum: Die Handlung baut auf  der eines Vorgänger-Romans auf. Ich kann nicht beurteilen, ob man  diesen wirklich vorher gelesen haben sollte; die Rezension hinterlässt mich insofern unsicher. Generell sind drei Rezensionen noch nicht genug, um auf den ersten Blick Vertrauen  zu vermitteln. Das ist umso wichtiger, als der Preis mit 4,99 € im mittleren  Segment liegt und das E-Book nicht in KindleUnlimited leihbar ist.

Buch 2:

Wenn ein neuer Leser über das Buch stolpert, wird er wegen des Titels (“Rückkehr nach …”) zunächst vermuten,  dass es sich um den zweiten oder letzten Band einer Serie handelt, und wird woandershin weiterblättern. Das Hauptproblem des Buches dürfte aber die unklare Genrezuordnung sein. Dass es sich um Fantasy mit romantischen Elementen handelt (den im Klappentext verwendeten Begriff Romantasy kennt vermutlich auch nicht jede Käuferin), verraten weder Cover noch Titel. Das Cover wirkt zudem seltsam unzusammenhängend, die Typografie willkürlich. Der Klappentext setzt den  Eindruck fort, da er an manchen Stellen Ballast enthält (“Nina muss nur mutig genug sein und den Aufbruch zu einer Reise ins Ungewisse wagen”), an anderen  verwirrend formuliert ist (“Das Erbe ermöglichte Nina den Neuanfang. Hat es gleichzeitig die Macht, alles Erreichte wieder zu zerstören?”).

Buch 3:

“Wir Mäuse” ist ein Kinderbuch. Und das ist schon ein wichtiger Teil des Problems, denn Kinderbücher werden noch immer vorwiegend im stationären Buchhandel und als Geschenk gekauft – diesen Teil des Marktes erreicht man als Selfpublisher nur unter erheblichem Aufwand (Auflagendruck, Barsortiment, Klinken putzen …). Aber das heißt nicht, dass sich nicht hier noch etwas optimieren ließe. Das Cover passt auf jeden Fall gut. Der Untertitel muss nach den  Amazon-Bestimmungen eigentlich auf dem Cover zu sehen sein. Problematisch ist der Klappentext. Er gibt die komplette Handlung inkl. Auflösung wieder. Das ist ein Spannungskiller. Außerdem enthält er einen Grammatikfehler (“zusammen mit unheimlichen grünen Lichter”), was bei kritischen Eltern und  Großeltern gegen den Kauf spricht. Das E-Book hat übrigens noch keinen Verkaufsrang, wodurch es in keiner der Kategorien sichtbar ist. Das ließe sich durch einen einzigen Kauf ändern.

Sie wollen ebenfalls eine neutrale Meinung hören? Dann zeigen Sie mir Ihr Buch (Belletristik oder Sachbuch). Senden Sie mir bitte den Buchtitel mit ASIN oder ISBN an matting at matting punkt de. Das Buch selbst benötige ich nicht; die Betrachtung  erfolgt rein aus Sicht des Käufers vor seiner Entscheidung. Datenschutzhinweis: Ihre E-Mail wird bis zu einer eventuellen Veröffentlichung gespeichert und danach gelöscht.

(hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3)

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Kategorisiert in Alle, Wissen

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

3 Kommentare

  1. Bei “Wir Mäuse” fiel mir auf: Das Buch hat 11 mal 5-Sterne-Rezensionen, darunter kein einziger verifizierter Verkauf, falls ich da nicht etwas übersehen habe. Wieso kauft es dann nicht jemand anderes bei so vielen sehr guten Bewertungen?

  2. Zu Solijon: Klingt wie etwas, das mich interessieren könnte, aber wenn der Rezensent recht hat, und es zu einer Reihe gehört, hätte ich das gerne gekennzeichnet und verlinkt. (Den Kundensupport über Amazon-Author-Central kontaktieren, falls Hilfe benötigt wird). Falls es so gedacht ist, dass der Roman auch für sich allein gelesen werden kann, dies am besten deutlich kennzeichnen (“Ein eigenständiger Roman im Universum von…”). Was den Klappentext angeht, schließe ich mich Matthias Matting an: der sollte ein Anreißer sein, keine Zusammenfassung.

  3. Zu dem Buch “Wir Mäuse” fällt mir noch etwas auf: Das Lesealter ist mit 6-12 Jahren angegeben. Meine Tochter ist 11. Eine Mäusegeschichte mit “niedlichem” Cover würde sie sicher seit sie in der 2. Klasse ist nicht mehr lesen. Derzeit sind zB die Woodwalker, Gregs Tagebücher, Krabat, Elena, etc. “in”. Alles Bücher mit weitaus mehr Seiten, mehr Spannung und anderen Themen. Im Grundschulalter waren Bibi und Tina, das magische Baumhaus, die drei Fragezeichen Kids und Sternenschweif sehr gefragt. Da sind die Cover zwar etwas kindlicher, die Geschichten nicht so umfangreich, aber doch weit von 58 Seiten und Mäuschen entfernt.
    Von der Aufmachung des Covers und der Geschichte würde ich es als Mutter eher für Kindergartenkinder und evtl. noch für Kinder in der 1. Klasse kaufen. Wenn ich dann die Altersempfehlung sähe, würde ich allerdings gar nicht kaufen, weil ein Buch für 6-12 Jahre alte Kinder für Kindergartenkinder wohl noch nichts ist. Und die älteren Kinder haben von sich aus kein Interesse mehr an dem Buch. Ich glaube auch, dass der Altersbereich zu weit gefasst ist. 6 ist Leseanfänger. 12 ist Preteen. Zwei vollkommen andere Welten.

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