Was es mit dem Steuerformular 1042-S von KDP auf sich hat

Alle Jahre wieder: Amazons KDP-Dienst verschickt an viele Nutzer gerade E-Mails mit dieser Betreffzeile: “WICHTIG: Steuererklärungsformular für Ihr KDP-Konto jetzt verfügbar” (oder auch: “Tax Return Document Now Available for your KDP Account”). Tatsächlich ist das für die allerwenigsten deutschen KDP-Nutzer wichtig.

Sie haben eine solche Nachricht bekommen? Schön, dann hatten Sie im vergangenen Jahr E-Book-Einnahmen auf Amazon.com. Das Formular führt lediglich diese Einnahmen auf sowie darauf eventuell abgeführte US-Steuern. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Der Steuerbetrag in Feld 7 bzw. 7a beträgt exakt 0, das heißt, Amazon hat keine Steuern für Sie an die US-Steuerbehörde IRS abgeführt. Sie haben dann offenbar das Steuerformular W8-BEN korrekt ausgefüllt. Die gute Nachricht: Sie brauchen dann gar nichts zu tun.
  • Der Steuerbetrag ist größer als 0. Wenn Sie das Steuerformular gar nicht oder nicht korrekt ausgefüllt haben, führt Amazon pflichtgemäß 30 Prozent Ihrer Einnahmen an die US-Steuerbehörde ab. Schön für den amerikanischen Staat, gerade in Krisenzeiten. Wenn Sie zu den Spendern gehören, sollten Sie sich zwei Dinge vornehmen:
    1. Füllen Sie schnellstens das Steuerformular korrekt aus.
    2. Fragen Sie (falls es mehr als ein paar Cent sind) Ihren Steuerberater, ob sie sich die 30% auf Ihre deutschen Steuern anrechnen lassen können. Da Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA hat, müsste das eigentlich funktionieren (ohne Garantie!)

Also noch einmal zusammengefasst: auf dem Formular 1042-S führt Amazon Ihre E-Book-Einnahmen auf der US-Website Amazon.com ein, die sehr wahrscheinlich eher niedrig ausgefallen sind. Falls der Betrag in Feld 7 / 7a genau “0” beträgt, haben Sie keine US-Einkommenssteuer gezahlt, weil Sie zuvor das W8-BEN-Formular korrekt ausgefüllt haben. Wenn der Betrag in Feld 7 größer als 0 ist, aber nicht so groß, dass es Sie wirklich interessiert, brauchen Sie ebenfalls nichts zu tun. Nur falls Sie sich die gezahlte Steuer unbedingt auf Ihre Einkommenssteuer in Deutschland anrechnen lassen wollen, geben Sie das Formular bitte Ihrem Steuerberater.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Alle, Amazon, News Verschlagwortet mit

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Kommentare

  1. Danke für die Infos! Dein Blog hat mir bei vielen Fragen schon extrem weitergeholfen. Nun sitze ich gerade an meiner Einkommensteuererklärung und frage mich, ob ich die Royalties aus USA und Luxemburg in der Anlage AUS angeben muss.

  2. Lieben Dank für diesen Artikel. Ich dachte, dass das so ist, wie du das beschreibst, wollte das aber bestätigt haben. Und das trifft nicht nur auf Deutsche zu, sondern auf alle Nicht-Us-Amerikaner, deren Heimatstaat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA hat. So auch für Österreicher.

  3. Vielen herzlichen Dank!!! Habe mir das Buch als Dankeschön gekauft und eine Rezension geschrieben. Wer sich so gut auskennt und andere damit informiert, hat es verdient, dass man ihn belohnt. PS: Der Link auf Selfpublisher-Bibel gedruckt führt auf “Seite nicht gefunden” bei eBook-Vermarkten.

  4. Noch ergänzend: Das Steuerabkommen zwischen den USA und der BRD, auf dem diese Formulare beruhen und das bewirkt, dass Ausländer ihre US-Steuer angerechnet bekommen, wurde erst 2015 abgeschlossen. Das bedeutet, selbst bei korrekt ausgefülltem W8-BEN, hat man in den Jahren 2011 – 2014 30% Steuern an die USA abgeführt, sofern man in den USA in dieser Zeit Ebooks verkauft hatte. Erst durch dieses Abkommen sind es seit 2015 0% Steuern in den USA. Wer also schon länger in den USA Umsätze hat, kann sich die 30% Steuern für diese Jahre heute noch zurückholen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.