7 Punkte, wie Amazon KDP (und andere eBook-Plattformen) sich verbessern könnten

Den folgenden Beitrag habe ich vor fast drei Jahren veröffentlicht, zufällig stieß ich wieder darauf – und stelle fest, dass einige, aber nicht alle Anregungen umgesetzt wurden. Dafür fallen mir ein paar neue Punkte ein, die Amazon verbessern könnte. Oder aber Tolino Media und die deutschen Distributoren – damit könnten sie sich einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten.

US-Bestseller-Autor Hugh Howey unterbreitet Amazon in seinem Blog ein paar interessante Ideen, wie Amazon sein KDP verbessern könnte. Nicht alles ist für den deutschen Markt geeignet – und andere Probleme hat KDP in den USA nicht, mit denen der Service hierzulande Autoren beschäftigt. Deshalb hier meine Liste der Dinge, die Amazon (und natürlich jede andere eBook-Plattform) zugunsten unabhängiger Autoren verbessern könnte:

1. Wer leiht mein eBook erst und kauft es dann?

Eine Idee von Hugh Howey. Ihr Vorteil: Sie könnte Autoren davon überzeugen, dass KindleUnlimited gar keine so schlechte Idee ist. Oder auch nicht. Unabhängige Autoren sollten ihre Entscheidungen aufgrund von Fakten treffen können.

Erweiterung 2017: Skoobe sollte in die Tolino-Shops integriert werden – und jede Ausleihe sollte das dortige Ranking beeinflussen. Ein schwieriges Thema, weil die Tolino-Landschaft so heterogen ist, aber E-Book-Leihe wird als Thema bleiben. Besser jetzt als wenn es zu spät ist.

2. Warum gibt ein Käufer mein eBook zurück?

Etwa 1 bis 2 Prozent aller eBooks werden im Mittel zurückgegeben. Dabei kann der Käufer einen Grund angeben – doch den erfährt der Autor nicht. Schade! Hugh Howey schlägt außerdem vor, dem Autor zu verraten, wie weit ein Buch gelesen wurde. Das dürfte, schätze ich, deutsche Leser eher abschrecken, auch wenn es natürlich interessant wäre.

3. Leser sollten signierte Bücher anfordern können

Wenn ein Autor bei KDP und Createspace veröffentlicht, sollte es doch möglich sein, als besonderen Service Lesern auf Wunsch signierte Bücher anzubieten. Createspace-Titel werden ja stets auf Bestellung gedruckt.

2017: Gilt natürlich auch für BoD oder ePubli.

4. Eine verbesserte Statistik

Derzeit ist es unmöglich, bei KDP echte Verkaufsstatistiken der eigenen Titel anzusehen – Kobo kann das. Schön wäre es auch noch, könnte man Print- und eBook-Verkäufe im Vergleich betrachten.

2017: wer KDP Print nutzt, kann die Zahlen bei KDP jetzt vergleichen. Auch die Statistiken sind übersichtlicher geworden.

Großer Wunsch 1: Leihzahlen für KindleUnlimited (nicht nur gelesene Seiten)!

Großer Wunsch 2: Transparentere Bestsellerlisten in deutschen E-Book-Shops.

5. Amazon sollte sozialer werden – sozial im Sinne eines sozialen Netzwerks.

Leser sollten ihren Lieblingsautoren folgen können und dann zum Beispiel über jede Neuerscheinung informiert werden. Noch besser: Autoren sollten sich per Newsletter an ihre Leser wenden können.

2017: Folgen-Funktion ist implementiert. Eigene Newsletter nicht. Die Tolino-Händler dürften sich gern ein Vorbild nehmen.

6. Ein verbessertes Kategorien-System

Derzeit ist es Zufall, bei einer Veröffentlichung in KDP die wirklich passende Kategorie zu treffen. Das angebotene System sollte erstens mit der Realität übereinstimmen. Und zweiten gehört die Wirklichkeit überarbeitet: Zu viele Kategorien sind schlichtweg überlaufen, andere bleiben ungenutzt. Das führt dazu, dass Autoren bewusst eigentlich unpassende Kategorien nutzen. Das sollte Amazon dann auch unterbinden. In eine Reiseführer-Rubrik gehören Reiseführer, keine Romane…

2017: Das System wurde überarbeitet, nach wie vor gibt es aber viele falsch einsortierte Titel.

7. Createspace-Titel ab ins VLB

Derzeit ist der Abstand zwischen dem lokalen Buchhandel und Createspace auch deshalb so groß, weil durch die US-ISBN die Titel dort nicht ins Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) eingetragen werden können. Das sollte sich ändern, wie auch immer – anderenfalls können selbst engagierte Buchhändler ihren Kunden kaum helfen.

8. KindleUnlimited und die Betrüger

Vor drei Jahren gab es noch kein KU. Vermutlich wären mehr Verbesserungen umgesetzt worden, hätte man nicht die Ressourcen für die Bekämpfung des KU-Missbrauchs aufwenden müssen. Trotzdem gibt es nach wie vor zu viele Fälle, in denen das System ausgetrickst wird. Das frustriert viele Autoren.

Haben Sie noch weitere Vorschläge? Dann immer her damit…

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

8 Kommentare

  1. Ich habe inzwischen auch einige Buchprojekte realisiert, erst nur ebooks über Amazon, dann auch Gedrucktes über CreateSpace und dazwischen einiges bei Quayou oder Vahlen (siehe https://drstefangeorg.wordpress.com/veroeffentlichungen/). Ich sehe die oben beschriebenen Nachteile auch, insbesondere die Belieferung des deutschen Buchhandels betreffend. Aber die Prozesse sind auf jeden Fall einfach und gut verständlich, was ich als sehr positiv empfinde.

  2. Ich fände es vernünftig, wenn generell allen KDP-Autoren Werbetools wie Kindle Deal etc zur Verfügung stehen würden, um so die Bücher einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Diese Tools sind im Moment leider meist nur Topautoren und amazoneignen Verlagen vorbehalten. Und ich stimme zu, ein Riesenproblem sind die Kategorien, die oftmals zwar anwählbar sind, aber auf Nachfrage dann leider nicht zur Verfügung stehen.

  3. Ach, da könnte man doch noch viel mehr machen. Das Interface zum Beispiel freundlicher gestalten und mehr Möglichkeiten bieten – z.B. eine ständige Voransicht der Buchseite beim Erstellen. Man könnte das Forum für die Publisher nicht aussehen lassen wie die Beratungsstelle der evangelischen Kirche im Internet vor zehn Jahren. Amazon sollte überdies diesen Bereich strenger kontrollieren, von Spam befreien und mehr Spaß in die Community bringen, mit Aktionen, Mentoring etc. Was die Autorenseite anbelangt, so könnte sie wirklich mehr denen aus den sozialen Netzwerken entsprechen. Die klickt sich, wie eine Artikelbeschreibung eines Mixers. Wieso unterbindet man Möglichkeiten wie Cross-Media einzubauen, Channels zu bewerben in denen man tätig ist und die Verlinkung auf andere Bücher? Das sind alles Maßnahmen, die zu einer höheren Umsatzrate des Buches führen könnten. Es wäre im direkten Interesse der Plattform. Weiterhin wäre es nicht zu verachten, wenn der Support für die Selfpublisher ausgebaut werden würde. Klar, jeder googelt und findet unter anderem diese Seite hier – aber wenn man eben nicht nur die Bibel studiert, sondern auch mit einem anderen Menschen reden will, ist Amazon seiner Cash-Cow untreu. Hierzulande muss noch einiges passieren, bis der Dienst wirklich ansprechend und interessant gestaltet wird. Bis jetzt ist das eher ein Rohbau. Funktional und entsprechend eingeschränkt.

  4. VLB und Create Space – Wie ist das eigentlich: Man kann doch bei CreateSpace auch Bücher mit eigenen ISBNs, also deutschen Nummern, machen lassen. Könnte man dann diese Bücher ins VLB eintragen lassen, auch wenn sie nur über CS zu haben sind? Und wie und wo bestellt ein Buchhändler dann diese Bücher?

  5. In jedem Fall der Punkt mit den Kategorien.
    Allerdings hat man hier auf der Seite doch auch schon den Tipp bekommen, sich selbst in eine “exotische” Kategorie einordnen zu lassen, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, oder erinnere ich mich da falsch? ^^
    Mir wäre es sehr recht, wenn Belletristik sehr viel breiter gefächert wäre. Es gibt bei a.com wesentlich mehr Auswahl, die Sinn macht. Liebesromane sollten differenziert werden, da hat doch jeder andere Lese-Vorlieben. Oder auch Science-Fiction, da gibt es bei com auch Steampunk, das fehlt in Deutschland vollkommen.
    Ich werde dann meinen nächsten Roman in die Reiseführer einsortieren, er spielt in New York und es kommen Sehenswürdigkeiten vor. Oder in Partnerschaft/Lebenstipps, dort wimmelt es auch von Romanen.

  6. Signierte Bücher willst du dir wirklich von Createspace abnehmen lassen? Was spricht dagegen, auf der eigenen Homepage, bei Facebook, bei Twitter, sogar auf der Author Central-Seite darauf hinzuweisen – und sie selbst zu verschicken?
    Damit bekommst du auch einen direkten, persönlichen Kontakt zum Leser und kannst ihn den einen oder anderen Punkt selbst fragen. 🙂

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