Allgemeine Stagnation? GfK-Zahlen zum deutschen E-Book-Markt

Glaubt man den Zahlen der GfK, die der Börsenverein heute präsentiert hat, stagniert die Entwicklung des E-Book-Marktes in Deutschland. Der Umsatzanteil betrug demnach 4,7 Prozent, eine leichtes Plus von 4,5 Prozent im Vorjahr. 5,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 10 Jahren sollen E-Book-Käufer sein, genauso viele wie 2014.

Wer selbst E-Books verkauft (und ich habe diese Entwicklung sowohl auf Verlags- als auch auf Selfpublisher-Seite verfolgt), den hinterlassen diese Zahlen ratlos bis ungläubig. Entweder ist die Methodik der GfK mangelhaft – oder. Tja, keine Ahnung, was hier als “oder” stehen könnte. Tatsache ist, dass die E-Book-Verkäufe sowohl bei Tolino als auch bei Amazon im Vergleich zum Vorjahr weitaus stärker als um 0,2 Prozentpunkte gestiegen sind. Mit den Zahlen von vor einem Jahr erreicht man inzwischen deutlich schlechtere Verkaufsränge.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

6 Kommentare

  1. Wie ChrisChris richtig sagt, ist das vermutlich ein statistischer Effekt. Wenn Sie bei gleicher verkaufter Stückzahl ein schlechteres Ranking haben, dann wurden insgesamt mehr Stück zu niedrigeren Preisen verkauft.
    2015 wurden noch viele 99c eBooks mit urheberrechtsfreien Inhalten verkauft. Dieser Hype dürfte 2016 vorbei sein. Dann gehen entweder die Stückzahlen zurück, oder die Leser greifen verstärkt zu höherwertigen Titeln, was zu steigenden Umsätzen führen wird.

  2. Mich beschleicht allmälich das Gefühl, Sie sind der erklärte Selfpublishing Papst! Herzlichen Glückwunsch zu Ihren Aktivitäten. Ich habe schon jetzt sehr viele nützliche Tipps von Ihnen bekommen! Daaaankeeee!!!!!

  3. Als Interessenvertreter von Verlagen als Hersteller, des bei E-Books völlig bedeutungslosen Zwischenbuchhandels und des bei E-Books ähnlich bedeutungslosen stationären Buchhandels bringt eine Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zwangsläufig genau die Ergebnisse hervor, die man von einer Studie im Auftrag eines Lobbyvereins eben erwarten kann. Natürlich kommt da kein Loblied auf die Erfolge von E-Books raus, denn E-Books machen die meisten der vertretenen Handelsstufen schließlich praktisch obsolet. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft würde schließlich auch keine Studienergebnisse veröffentlichen, laut denen die Kapitalismuskritik wächst. 😉
    Allein schon die Stichprobenauswahl ergibt keinen Sinn – diese soll laut Artikel schließlich repräsentativ für die “deutsche Wohnbevölkerung” sein, und die überalterte Wohnbevölkerung ist nun mal nicht deckungsgleich mit Buchkäufern, denn während sich die unzähligen alten Männer vielleicht mal ein, zwei Sachbücher im Jahr kaufen, steuern junge Frauen, von denen es auf die gesamte Wohnbevölkerung gesehen weit weniger gibt als alte Männer, einen x-mal höheren Umsatzanteil in der Buchwelt bei. Und gerade bei denen wird eher zum E-Book gegriffen.
    Hinzu kommt noch, dass von Umsätzen die Rede ist, und wenn hundert E-Books für jeweils 3 Euro verkauft werden und 100 Taschenbücher für jeweils 10 Euro, dann haben diese hundert E-Books auch nur 23 Prozent der gesamten Umsätze generiert (300 von 1300 Euro). Mit Umsätzen zu arbeiten ist bei so einer Studie daher eine Farce – erst recht, da der Gewinnanteil bei E-Books aufgrund des fehlenden Materialeinsatzes um ein Vielfaches höher ist als bei Büchern aus Papier.

  4. Ebooks schwächeln, sind rückläufig, der Aufschwung ist vorbei und ähnliche Meldungen veröffentlicht der Börsenverein doch eigentlich regelmäßig.
    Das mag sogar sein – für die Ebooks aus Verlagen, denn nur die hat man dabei im Blick.
    Die Bücher von Indie-Autoren werden gar nicht berücksichtigt.
    Dafür wissen die Leser inzwischen, dass sich die Indies professionalisiert haben und man auch dort Bücher findet, die sich hinter Verlagsbüchern nicht zu verstecken brauchen – und die nur einen Bruchteil kosten.

    Also kauft man bei Indies – die eben das beobachten, was Sie auch anmerken: Unsere Zahlen sind weder rückäufig noch stagnieren sie, im Gegenteil! Wir freuen uns über immer mehr zufriedene Leser.

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