Amazon-Createspace-Titel bei Thalia günstiger kaufen

Sie wollen ein über Createspace, das Print-on-Demand-Angebot von Amazon, verlegtes Buch kaufen? Dann sollten Sie zuerst bei Thalia nachsehen – denn dort ist das Buch voraussichtlich günstiger als bei Amazon selbst. Das ist anscheinend eine Folge der Globalisierung des Buchmarkts: Thalia (aber auch Buecher.de oder Hugendubel) beziehen Titel über den Katalog des Großhändlers Ingram. Und Ingram wiederum nimmt seit einiger Zeit auch von Createspace hergestellte Titel ins Programm auf, sofern bei diesen die “Expanded Distribution” aktiviert ist.

Das Ergebnis: die Werke tauchen mit 1-2 Wochen Lieferzeit auch im Thalia-Shop auf. Das ist leicht an den US-ISBNs der Werke erkennbar, die zu Createspace gehört. Insgesamt betrifft das rund 10.000 Titel; als Verlag gibt Thalia eine Firma “St Paul Pr” an, die im Netz unauffindbar ist.

Autoren könnten darüber eigentlich ganz froh sein, und auch vom deutschen Buchhandel ist man eine derartige Offenheit gegenüber Amazon nicht gewohnt. Leider gibt es ein Problem: die Preisbindung. Da es sich um dasselbe Buch handelt, das einmal von Thalia und einmal von Amazon verkauft wird, verletzt offenbar einer der Händler das Gesetz. Amazon dürfte es in diesem Fall nicht sein…

Autoren brauchen aber wohl keine Befürchtungen zu haben – da sie den Preis korrekt festgelegt haben, dürften sie von Abmahnungen nicht betroffen sein. Wenn im Zuge der globalisierten Geschäfte Preise (und auch Umlaute) verloren gehen, haben die Verkäufer das Problem.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

11 Kommentare

  1. Die Suche bei Thalia nach St Paul pr ergibt nur mehr 8 Ergebnisse. Ist dieser Distributionskanal wieder ‘verebbt’??

  2. Wieso sollte die Preisbindung hier eine Rolle spielen?
    Ein ausländischer Verlag meldet Werke mit ausländischer ISBN und ausländischer Währung und ohne Preisbindungskennzeichen.
    Da bin ich echt neugierig…

    1. Ein deutscher Händler importiert deutschsprachige Werke mit vom Rechteinhaber festgelegtem Preis – eindeutig ein Verstoß gegen die Preisbindung (nachlesen!). Es gibt übrigens kein “Preisbindungskennzeichen”, und eine ISBN ist auch nicht notwendig, damit die Preisbindung gilt.

  3. Ich kann die Preise für “expanded distribution” unabhängig von den Preise für amazon.de oder amazon.co.uk festlegen. Trägt man bei Amazon.com einen entsprechenden Preis ein, steht auch bei “expanded distribution” eine höhere royalty als 0,00 $.

    Und genau da dürfte auch das Problem liegen. Vermutlich reicht Ingram den US-Preis weiter, der unterscheidet sich aber eben vom Preis bei Amazon. Der Fehler liegt bei den deutschen Händlern, die den Preis vermutlich einfach nach Wechselkurs und US-Preisangaben bei CreateSpace festlegen, statt den vom Autor für Deutschland festgelegten Preis (der ja nicht beim VLB aber bei Amazon öffentlich einsehbar ist). Vermutlich wird diese Öffentlichkeit dazu führen, dass die Titel aus den Katalogen verschwinden.

  4. Klingt spannend, aber wenn ich Expanded Distribution freischalte, steht bei Royality 0,00$. Das ist ziemlich wenig. Damit dort etwas Lohnenswertes steht, muss ich den Listenpreis deutlich erhöhen, aber ob die Leser das Buch dann noch kaufen?

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