Autoren-Tipp: Distributor oder Direkt?

Mit Firmen wie ePubliBookrix, Xinxii, Neobooks, BoD oder auch Narcissus buhlen inzwischen viele Unternehmen um die Gunst von Autoren – mit dem Angebot, Ihr neues eBook auf alle verfügbaren Plattformen zu bringen. Sie müssen sich nur einmal die Arbeit machen, und trotzdem ist Ihr Werk überall erhältlich. Das klingt doch vielversprechend? Schließlich haben Sie mit all den anderen Tätigkeiten eines Self Publishers eh genug zu tun…

Doch so wie Bequemlichkeit und Komfort für diesen weg sprechen, gibt es auch Gründe dagegen. Nicht zuletzt das liebe Geld: Wer sich die Arbeit selbst macht, braucht nichts vom Honorar abzugeben. Vor der Entscheidung sind deshalb Recherche (etwa in unserem eBook-Distributoren-Vergleich) und Abwägung eigener Prioritäten nötig.

Was für die Nutzung eines Distributors spricht

  • Bequemlichkeit: Statt auf vier oder fünf Websites geben Sie alle Daten Ihres Buches nur einmal ein. Sie brauchen auch nur einen einzigen Account und müssen sich nur mit einer Bedien-Oberfläche befassen.
  • Einfachheit: Distributoren unterstützen Sie in der Regel bei der korrekten Erstellung eines eBooks, etwa mit einem Online-Editor.
  • Übersicht: Alle Daten der belieferten Plattformen laufen bei Ihrem Distributor ein, auch das Honorar erhalten Sie nur aus einer Hand.
  • Marktanteile: Manche Plattformen (insbesondere Tolino) erreichen Sie nur über Distributoren – Sie verpassen anderenfalls also etwa ein Drittel des Marktes.
  • Marketing-Hilfe: Da die Distributoren prozentual beteiligt sind, haben sie ein Interesse daran, Ihre eBooks gut zu verkaufen. Potenzielle Hit-Titel werden da durchaus auch mal beworben – die Unternehmen kennen die Manager der eBook-Plattformen meist.
  • Community: Die meisten Distributoren bringen ihre Nutzer untereinander in Kontakt – das kann Autoren helfen, ihre eigene Arbeit zu verbessern.

Was gegen die Nutzung von Distributoren spricht

  • Kontrolle: Sie behalten den direkten Zugriff auf Ihr eBook, können die Beschreibung direkt im Buchladen verändern, Preise zeitnah anpassen etc.
  • Honorar: Es bleibt mehr Netto vom Brutto, weil Sie nichts abgeben müssen. Das gilt aber nicht für jede Preisklasse – siehe auch “Netto-Auszahlung bei Distributoren
  • Exklusiv-Boni: Insbesondere Amazon bietet interessante Vergünstigungen an, wenn Sie sich über das KDP-Select-Programm exklusiv an den Anbieter binden. Diese Boni können unter Umständen sogar den kleineren Marktanteil aufwiegen.
  • Aktualität: Von der Anzeige der Verkaufszahlen bis zur Auszahlung des Honorars geht ohne Distributor alles schneller.

Welche Gründe für Sie am wichtigsten sind, müssen Sie selbst entscheiden. Das hängt von vielen Faktoren ab – etwa von Ihrem Wissensstand oder Ihrer Bereitschaft, sich in neue Systeme einzuarbeiten. Einen Bestseller, das zeigen die Charts immer wieder, können Sie auf beiden Wegen landen.

 

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

4 Kommentare

  1. Eine Frage, die mich bei dieser Überlegung umtreibt, ist auch die der Abrechnung – Stichwort Steuererklärung, Belege und Rechnungen von zig Plattformen etc. Wie sieht denn das in der Praxis aus, ist das ein relevanter Faktor?

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