Endlich Eulen in Athen! Was sich mit der gesetzlichen E-Book-Preisbindung ändert (Tipp: Nichts)

Gerade kam meine bessere Hälfte von der Arbeit.

  • “Hast du schon gehört? eBooks fallen nun auch unter die Buchpreisbindung!”
  • “Äh, ja, das ist so ungefähr klar, seit es eBooks gibt. Es stand nur nicht so direkt im Gesetz.”
  • “Aber dann kannst du doch keine Preisaktionen mehr machen?”
  • “Doch. Preisbindung heißt bloß, dass ein Buch überall gleich viel kosten muss. Preisänderungen sind erlaubt.”
  • “Und was soll dann der Beschluss?”

Tja, da hatte ich keine Antwort parat. Es kam ja im Radio, und vermutlich wird es die Tagesschau auch melden. Also ist es wohl wichtig, zumindest subjektiv (oder die Journalisten-Kollegen haben nicht recherchiert). Aber es ist so ziemlich der sinnloseste Kabinettsbeschluss der letzten Monate (und immerhin hat es auch nur ein knappes Jahr gedauert). Statt sich endlich um die Senkung der Mehrwertsteuer für eBooks zu kümmern, verankert man eine Regel, die es eh schon gab. Das ist ungefähr dasselbe, wie zu verbieten, BMWs zu stehlen. Die darf man nämlich auch schon bisher nicht klauen. Aber steht das denn im Gesetz?

Und was ändert sich nun? Nichts. Weder richtet die Gesetzesänderung etwas gegen vermeintliche oder echte Monopolisten in der Buchbranche aus noch behindert oder fördert sie Autorinnen und Autoren, Verlage und Buchhändler in ihrer künftigen Arbeit. Denn es ändert sich ja, wie gesagt, nichts.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

5 Comments

  • Sorry, ich habe mich unpräzise ausgedrückt: Bisher galt die Buchpreisbindung nicht eindeutig auch für E-Books, zumindest war das umstritten. Siehe z. B. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/-a-1075453.html

  • @Rudolf Winzen: Aktuelles BuchPrG:
    § 5 Preisfestsetzung
    (1) Wer Bücher verlegt oder importiert, ist verpflichtet, einen Preis einschließlich Umsatzsteuer (Endpreis) für die Ausgabe eines Buches für den Verkauf an Letztabnehmer festzusetzen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen.

  • Irrtum! Es ändert sich schon etwas: Die Verleger sind in Zukunft *verpflichtet*, einen Buchpreis festzulegen; bisher ist es ihnen nämlich freigestellt. (Wenn denn das Gesetz so verabschiedet wird; bisher ist es ja nur ein Gesetzentwurf.)

    • Äh, nein, das war bisher auch schon so.

    • Aktuelles BuchPrG:

      § 5 Preisfestsetzung

      (1) Wer Bücher verlegt oder importiert, ist verpflichtet, einen Preis einschließlich Umsatzsteuer (Endpreis) für die Ausgabe eines Buches für den Verkauf an Letztabnehmer festzusetzen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen.

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