Kobo Aura One im Test: Elektronisches Hardcover statt Taschenbuch

Mit dem Aura One investiert Kobo (gehört zum japanischen Handelsriesen Rakuten) in Bildschirm-Größe: Statt der üblichen 6 Zoll misst das Display des neuen E-Readers. Nur 1,8 Zoll mehr – doch tatsächlich sieht der neue Kindle Oasis neben dem Aura One wie ein Zwerg aus. Rein was die Maße des “Papiers” betrifft, ist der Vergleich Hardcover versus Taschenbuch absolut passend. Allerdings fühlt sich der Aura One nicht an wie ein Hardcover – er liegt gut in der Hand, verrutscht nicht und ist dabei kaum schwerer als der Kindle Paperwhite (230 / 205 Gramm).

Beim Lesen führt der größere Bildschirm zunächst dazu, dass ich die von mir bisher genutzte Schriftgröße als klein empfinde. Ich schalte also eine Stufe höher. Dadurch passt am Ende doch nicht viel mehr Inhalt auf den Schirm als bisher – nur ist das Lesen weniger anstrengend. Die Auflösung von Paperwhite, Oasis und Aura One ist übrigens identisch; mehr als 300 dpi sind wohl auch kaum sinnvoll, gedruckte Bücher sind ja auch nicht höher aufgelöst.

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Die Bildschirmbeleuchtung hat Kobo beim Aura One um ein Feature namens “Natürliches Licht” ergänzt. Es reduziert den Anteil blauen Lichts, sobald der Uhrzeiger einer von Ihnen definierten Schlafenszeit näher rückt. Das soll Sie davor bewahren, vom blauen Lichtanteil wach gehalten zu werden. Ich brauche so etwas nicht – aber allein das Wissen darum hilft vielleicht schon beim Einschlafen.

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Kobo-typisch ist die Bedienung des Geräts: alles sehr hübsch, aber ohne Geschwindigkeits-Rekorde. Der Prozessor ist zwar sehr flott, die Oberfläche scheint aber immer ein paar Millisekunden nachzuhängen. Neues Lesematerial gibt es im Kobo-Shop (per WLAN) oder per Kabel aus allen anderen ePub-Shops (inklusive denen der Tolino-Allianz). Der Bibliotheks-Dienstleister Overdrive ist ebenfalls integriert, der jedoch in Deutschland bisher nur wenige öffentliche Bibliotheken versorgt. Hier ist die Onleihe Marktführer. Auch Onleihe-Titel kann man auf dem Aura One lesen, wenn man sie vom Computer darauf überträgt.

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Praktisch: der Kobo Aura One ist wasserdicht. Sie können ihn also ruhig mit in die Badewanne nehmen. Erweitern lässt sich das Gerät nicht – es sind aber etwa 6,8 Gigabyte frei für eBooks. Das sollte geradezu ewig reichen. Ebenfalls hilfreich: Kobo lässt Zugriff auf Ihr Konto bei Pocket zu. Dort können Sie Internet-Inhalte zum späteren Lesen speichern, die Sie dann auf den Aura One synchronisieren können. Perfekt für längere Reisen ohne Netzanbindung. An die Steckdose müssen Sie beim Aura One öfter als bei den meisten kleineren Konkurrenten – je nach Beleuchtungs- und WLAN-Nutzung haben Sie zwei, drei Arbeitstage Komplett-Leseezeit oder einen Monat, wenn Sie nur eine halbe Stunde pro Tag schmökern.

Fazit: Ja, Der Kobo Aura One bietet deutlich mehr Bildschirmfläche als die Konkurrenz, und das zum günstigen Preis von 230 Euro (der Kindle Oasis kostet mehr!). Das kann hilfreich sein, wenn Sie Titel mit festem Layout darauf lesen (etwa Comics). Belletristik profitiert davon jedoch kaum, und das Gerät ist durch seine Größe ein bisschen weniger handlich als die 6-Zoll-Modelle.

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat ĂĽber 50 BĂĽcher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. FĂĽr sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der MĂĽnchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet auĂźerdem als Kolumnist fĂĽr das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor fĂĽr SPACE, Federwelt und Telepolis. SchlieĂźlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Comments

  • Eigentlich ein guter Test, aber die Bemerkung in Fettschrift “Dadurch passt am Ende doch nicht viel mehr Inhalt auf den Schirm als bisher” verstehe ich ĂĽberhaupt nicht. Klar passt weniger drauf, wenn Sie die Schrift vergrössern. Tatsache ist aber, dass die gleich grosse Schrift nicht kleiner ist als bei einem 6″ eReader und bei gleich grosser Schrift praktisch so viel Text auf eine Seite geht, was zum Lesen angenehmer ist, in etwa der Darstellung eines gedruckten Buches entspricht und nur die Hälfte an Umblättern erfordert.
    Weshalb diese eReader immer mit dem Kondle verglichen werden, verstehe ich auch nicht so ganz. Die Kindle sind sicher gut haben aber überwiegend Nachteile. Dass man nur bei Amazon einkaufen kann und deshalb der Markt nicht spielt, ist nur einer. Dass sie zudem teurer sind, macht das auch nicht besser. Dass es aber unmöglich ist, sich Bücher zu leihen und man alles kaufen muss, das geht dann wirklich ins Geld (ich lese 80-100 Bücher im Jahr).
    Seit 2 Jahren habe ich den PocketBook 8″. Leider ist das Nachfolgemodell nicht mit einem schärferen Bildschirm ausgerĂĽstet, weshalb ich mich jetzt fĂĽr dieses Gerät entschieden habe. Ein 6″ Reader kommt bei mir gar nicht mehr in Frage.

    • es sollte heissen… praktisch doppelt so viel Text. Vielleicht kann man das noch korrigieren

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