Kompliziert und bequem statt einfach und fehleranfällig: mit Softcover eBooks produzieren – für Techniker

Ein interessantes Konzept für die Produktion von eBooks verfolgt das Softcover-System: Hier hatten die Programmierer nicht das Ziel, den Prozess möglichst einfach zu gestalten. Wer Softcover nutzen will, braucht eine gewisse Lernkurve – und wird dafür mit einem bequemen und universellen Verfahren belohnt, das digitale Bücher als ePub, Mobi, PDF und HTML auswirft.

Softcover beruht auf der Programmierumgebung Ruby. Es ist bisher nur für MacOS und Linux verfügbar, die Unterstützung anderer Betriebssysteme ist aber geplant. Schon bei der Installation sollte man sich vor der Kommendozeile nicht fürchten. Das System läuft fortan als Server im Hintergrund. Das hat den praktischen Vorteil, dass man zum Beispiel auch problemlos ein Tablet als sekundären Bildschirm für die Ausgabe benutzen kann.

Beim Schreiben werden sich all die am wohlsten fühlen, die auch ihre Website gern mit dem HTML-Editor befüllen. Gearbeitet wird mit den unterschiedlichsten Kommandos (Markups), die unter anderem der Seitenbeschreibungs-Sprache Latex entlehnt sind. Softcover greift direkt auf eine Latex-Variante zurück, um aus dem Layout am Ende ein druckfertiges PDF zu erzeugen. Das Kindle-Format wird mit Hilfe von Amazons KindleGen kompiliert.

Ist erst einmal alles eingerichtet und sind die nötigen Befehle erlernt, ist der Ablauf aber deutlich reibungsloser als bei der Verwendung irgendeiner Kombination aus Word und eBook-Editor. Ein einziger Befehl erzeugt dann ePub, Mobi, PDF und HTML, auf Wunsch sogar mit separaten Leseproben. Ein besonderer Bonus des Systems besteht darin, dass damit gebaute eBooks mit einem Befehl auch auf der Website des Anbieters veröffentlicht werden können. Wer sich technisch ein bisschen fit fühlt, sollte sich Softcover ansehen – es ist übrigens kostenlos.

Die Homepage von Softcover
Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

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  • Wer bei der Installation auf OSX 10.9.2 gleich beim ersten Schritt wegen Fehlermeldungen nicht mehr weiter kommt, dem sei diese Lösung ans herz gelegt. Anstatt des Befehls sudo gem install softcover bitte den folgendes verwenden:
    sudo ARCHFLAGS=-Wno-error=unused-command-line-argument-hard-error-in-future gem install softcover

  • Genau so oder so ähnlich sieht die Zukunft des digitalen Publizierens aus, nur idealerweise mit zwei kleineren Unterschieden zu dem Konzept von Softcover: erstens sollte der ganze Ablauf XML-basiert sein, um von den mächtigen XML-Verarbeitungswerkzeugen voll profitieren zu können, während XML von Haus aus ja nicht ohne Grund die technologische Grundlage für das Web und für E-Books ist. Zweitens würde ich nicht die rein künstliche Einschränkung treffen, nicht auch die Benutzerfreundlichkeit durch drübergebaute GUI-Tools zu vereinfachen und eine einfach bedienbare Schnittstelle für die Einspeisung von Dateien aus Textverarbeitungsprogrammen wie OpenOffice/LibreOffice vorzusehen. Glücklicherweise ist diese Software frei lizenziert, sodass immerhin letztgenannte Verbesserung noch vorgenommen werden kann oder auch der Austausch von Daten mit diesem System machbar ist. Ich selbst arbeite an etwas recht ähnlichem:

    Automatische Erzeugung von EPUB und PDF aus derselben HTML-Quelldatei

    Letztendlich kommt es aber nicht so sehr darauf an, ob jetzt diese oder jene Lösung allgemeine Verbreitung findet, sondern dass überhaupt frei lizenzierte Software für diese Aufgaben entsteht, sodass das digitale Publizieren mit und im Internet für jedermann ermöglicht/vereinfacht wird und das Potential davon voll ausgeschöpft werden kann. Es sei noch angemerkt, dass der Name „Softcover“ im Hinblick auf SEO denkbar ungünstig gewählt ist… Eine Alternative zu Softcover ist übrigens Booktype von Sourcefabric.

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