Neue Geschäftsbedingungen bei Neobooks

Mit neuen AGBs verändert Neobooks zwar nicht die Konditionen (es bleibt bei 70 Prozent vom Nettoerlös), wohl aber die Art der Geschäftsbeziehung zu den Autoren. Neobooks-Betreiber iLab wird nun nämlich zum Kommissionär, der auf Rechnung des Selbstverlegers handelt. Der Link zu den alten AGB ist leider inaktiv, aber mit Hilfe des Google-Caches lässt sich ein Direktvergleich durchführen.

Das klingt zunächst unproblematisch. Eine interessante Frage ist jedoch, ob und wie sich das auf den Freiberufler-Status des Autors auswirkt. Bekanntermaßen ist der Verkauf von Büchern (Produkten) in größerem Umfang eine gewerbliche Tätigkeit. Bisher war es so, dass der Autor gewissermaßen die Inhalte an den Distributor Neobooks geliefert hat. Erst dieser hat dann Bücher an Endkunden (oder andere Händler) verkauft.

Wenn nun aber der Kommissionär zwar im eigenen Namen, aber explizit auf Rechnung des Selfpublishers verkauft, dann wird (zumindest meinem begrenzten juristischen Verständnis nach) der Selfpublisher womöglich zum gewerblichen Anbieter, muss ein Gewerbe anmelden, IHK-Mitglied werden, Gewerbesteuern zahlen (ab einem gewissen Umsatz…) und so weiter… Vielleicht findet sich ja unter den Lesern der Selfpublisherbibel ein Experte, der diese Überlegung widerlegen kann (ich hoffe es).

Matthias Matting
  • Matthias Matting
  • Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

3 Comments

  • Liebe Autoren, damit wir es ganz genau wissen, haben wir nochmal in unserer Abteilung für Rechte und Steuern nachgefragt, was die Regelung zum Gewerbebetrieb anbelangt.

    Hier die Antwort:
    „Unseres Erachtens sind die Erlöse, die die Autoren aus dem Verkauf ihrer ebooks über neobooks erzielen auch nach den geänderten AGBs weiterhin grundsätzlich als Einkünfte aus selbständiger (schriftstellerischer) Tätigkeit zu qualifizieren und nicht als Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Zutreffend ist zunächst, dass die Herausgabe und der Verkauf von eigenen schriftstellerischen Erzeugnissen im Selbstverlag in nicht unerheblichem Umfang nach Ansicht der Finanzgerichte als eine gewerbliche Tätigkeit zu qualifizieren ist und der Schriftsteller insoweit einen Gewerbebetrieb begründet. Allerdings lagen den Urteilen der Finanzgerichte Sachverhalte zu Grunde, in denen der jeweilige Verfasser seine Werke jeweils selbst beworben, vertrieben und im eigenen Namen verkauft hat. Auf der Grundlage der neuen AGBs vertreibt neobooks die Werke aber nicht als Vertreter in Namen und auf Rechnung der Autoren, sondern als Kommissionsagent im Namen von neobooks. Gegenüber den Endkunden tritt der Autor nicht in Erscheinung, sondern nur neobooks. Vielmehr ist es dem Autor nach den AGBs untersagt, die konkreten mit der von i-lab zur Verfügung gestellten Software produzierten Werke anderweitig als über die i-lab GmbH zu vertreiben. Aus alledem folgt, dass der Autor selbst auch nach den neuen AGBs tatsächlich keine Verlagstätigkeit ausübt, sondern diese von i-lab erbracht wird. Insoweit haben sich durch die neuen AGBs und die Umstellung auf das Kommissionsmodell keine Änderungen ergeben. Dies zeigt sich auch daran, dass der Erlösanteil des Autors gleich hoch geblieben ist und sich hier keine Änderungen gegenüber dem vorherigen Rechteüberlassungsmodell ergeben haben.
    Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass die Erlöse der Autoren aus dem Verkauf ihrer ebooks über neobooks für Zwecke der Besteuerung weiterhin als Einkünfte aus selbständiger (schriftstellerischer ) Tätigkeit zu qualifizieren sein sollten und der Verkauf der ebooks über neobooks für den jeweiligen Autor keine gewerbliche Tätigkeit und keinen anmeldepflichtigen Gewerbebetrieb für den Autor begründen sollte. Wir empfehlen den Autoren jedoch, diese Frage mit Ihrem persönlichen Steuerberater oder dem für sie zuständigen Finanzamt direkt abzuklären.“

    Das hört sich jetzt wahnsinnig kompliziert an, aber wenn man sich das mal in Ruhe durchgelesen hat, dann ist es dann eigentlich nicht. Wir müssen alle Eventualitäten in Betracht ziehen, und die Finanzämter sind auch sehr unterschiedlich zueinander. Aber relevant ist v.a. für alle unsere Autoren der letzte Absatz.
    Gerne versuchen wir für alle weiteren Fragen zur Verfügung zu stehen, aber wir können nach wie vor keine steuerrechtlichen Auskünfte geben.
    Wir bemühen uns aber natürlich alle Probleme und Unklarheiten zu beseitigen.

    Viele Grüße,
    Evi Holzmair von neobooks

  • Mein juristisches Halbwissen in die Waagschale …
    Ein Kommissionär ist derjenige, der die Transaktion durchführt. Es findet de facto nach wie vor kein direkter Verkauf von Autor an Shop statt. Nur eigentlich müsste es dann so laufen, dass iLab erst einmal ALLES an Honorar an den Autor auszahlt und ihm DANN seine Provision in Rechnung stellt.
    Das sieht mir nach einem hingedeichselten Konstrukt aus, bei dem die Arbeit und die Rechtsunsicherheit beim Autor hängen bleibt.

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