Schreib-Tipp: Was Spannung ist und wie Sie  durch Tauziehen mehr davon in Ihren Roman bekommen

Spannung ist etwas Nebulöses, Ungreifbares, das irgendwie durch Romane wabert, aber letztlich nicht definiert werden kann.

Glauben Sie an diesen Unsinn? Viele Autoren tun das. Was man ihren Romanen anmerkt. Tatsächlich lässt sich Spannung bewusst erzeugen und beeinflussen. Sie lässt sich sogar definieren – und das ganz simpel.

Spannung ist ein ungelöster Konflikt.

Das war’s schon. Das ist der ganze Zauber. Aber in dieser simplen Erkenntnis steckt mehr Sprengkraft als im Plutonium-Isotop 239Pu.

Für die Nicht-Kernforscher unter Ihnen ein anderes Bild: Spannung ist die Spannung des Seils beim Tauziehen. Sie entsteht nur dann, wenn mindestens eine der Parteien am Seil zieht und die andere zumindest nicht loslässt.

Die meiste Spannung kommt auf, wenn …

1. … beide ziehen;

Für Ihren Roman heißt das: Sorgen Sie bei jedem Konflikt dafür, dass es tatsächlich für alle Beteiligten ein Konflikt ist.

Dafür haben Sie grob zwei Möglichkeiten:

  • Beide wollen dasselbe, aber nur einer kann es haben. Beispiel: Zwei Frauen wollen denselben Mann heiraten.
  • Beide wollen ein Ziel erreichen, das das Ziel des anderen ausschließt. Beispiel: Der Schurke will die Raffinerie in die Luft sprengen. Der Held will, dass die Raffinerie ungesprengt bleibt.

Gegenbeispiel: Ein Krimineller geht mit Pistole in die Bank, um sie auszurauben. Die Frau am Schalter hat Ärger mit ihrem Chef und einen Hass auf die Bank. Sie gibt dem Räuber das Geld nur zu gerne.

Hier zieht der Bankräuber kräftig, während die Schalterdame einfach ihr Seil durch die Finger gleiten lässt.

2. … beide in etwa gleichstark sind;

Für Ihren Roman heißt das: Suchen Sie möglichst Konflikte auf, deren Ausgang nicht von vornherein feststeht. Wenn der Hulk gegen ein drei Wochen altes Meerschweinchen kämpft, ist der Ausgang klar. Kämpft der Hulk allerdings gegen Iron Man in seinem Hulk-Buster-Anzug, kann Spannung aufkommen.

Besonders spannend wird es dann, wenn derjenige, den der Leser gewinnen sehen will – also in der Regel den Protagonisten – schwächer ist als sein Gegner. Beim Leser stellt sich die dramatische Frage: Wird der Protagonist das Tauziehen gewinnen, obwohl er schwächer ist? Und wie will er das anstellen?

3. … beide so fest ziehen, wie sie können;

Ganz grundsätzlich heißt die Forderung: Beide sollten gewinnen wollen.

Das ist ein kniffligerer Punkt. Es kann gute Gründe geben, warum einer der Beteiligten sich zurückhält. Vielleicht will er seine ganze Kraft noch nicht zeigen, seine besten Tricks noch zurückhalten oder den Gegner (noch) verschonen. Was dann Punkt 2 relativiert.

Auch können Sie als Autor einen der Gegner aus dramaturgischen Punkten zurückhalten. Um dem Protagonisten eine Niederlage in einer Schlacht zu bescheren. Und ihn im Finale, im Höhepunkt, dann doch triumphieren zu lassen.

Hier geht es mir noch um etwas anderes. Sobald ein Charakter sich bei einem Konflikt zurückhält, kann beim Leser der Eindruck entstehen, der Sieg ist ihm nicht wichtig genug. Was sofort die Spannung aus dem Konflikt herausnimmt. Denn wenn einem Charakter der Sieg nicht so sehr viel bedeutet, wirkt auch der Konflikt selbst weniger wichtig oder drängend. Woran sich die Frage anschließt, warum der Autor oder die Autorin diesen Konflikt überhaupt zeigt.

4. … beiden der Sieg sehr wichtig ist.

In Ihrem Roman geht es bei diesem Punkt um die Einsätze: Was steht für die Charaktere auf dem Spiel? Was verlieren sie, wenn sie den Konflikt verlieren? Je mehr auf dem Spiel steht, desto größer kann die Spannung werden.

In einem Dialog zwischen Elfie und ihrem Boss geht es darum, ob Elfie zwei Stunden früher nach Hause kann. Geht es ihr da nur um Entspannung, weil sie letzte Nacht zu lange gefeiert hat? Geht es ihr darum, ihren todkranken Bruder in der Klinik zu besuchen, um da zu sein, wenn er operiert wird? Oder muss sie sofort nach Hause, weil ein gefährlicher Eindringling im Haus ist und ihre kleine Tochter ganz allein? Was sie dem Boss aber nicht sagen kann, weil der womöglich mit dem Eindringling zusammenarbeitet?

Die Einsätze wirken sich auf die anderen Punkte aus. Je mehr für beide auf dem Spiel steht, desto fester werden die Gegner ziehen. Keiner wird, wie im Gegenbeispiel aus Punkt 1 die Bankangestellte, einfach nicht ziehen. Beide werden, Punkt 3, so fest ziehen, wie sie können.

Bei den Einsätzen erkennen Sie dann auch einen Ansatz für Punkt 2: Ein Unterschied in den Kräften kann durch einen höheren Einsatz wettgemacht werden. Wenn es für den Stärkeren nur darum geht, seine neue Hose nicht schmutzig zu machen, bei dem Schwächeren aber ums Überleben, wird der Schwächere über sich, über seine eigentlich geringeren Kräfte, hinauswachsen. Und dem Stärkeren einen guten Kampf liefern.

Und Sie Ihren Lesern einen noch spannenderen Roman.

Stephan Waldscheidt

 

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StephanWaldscheidt

One Comment

  • Stimmt Matthias ich mag übrigens meisten die Gegenspieler lieber als die Helden und das gilt nicht nur für die Lecter Reihe von Thomas Harris. In einem Stephen King Roman stand mal an regnerischen Tagen bin ich Tad Beaumant an regenerischen Tagen bin ich The Stark. Gemessen daran bin ich ein Regentagentyp. Meine Werke haben fast immer ein böses Ende.

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