Schreib-Tipp: Was Spannung ist und wie Sie  durch Tauziehen mehr davon in Ihren Roman bekommen

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Spannung ist etwas Nebulöses, Ungreifbares, das irgendwie durch Romane wabert, aber letztlich nicht definiert werden kann.
Glauben Sie an diesen Unsinn? Viele Autoren tun das. Was man ihren Romanen anmerkt. Tatsächlich lässt sich Spannung bewusst erzeugen und beeinflussen. Sie lässt sich sogar definieren – und das ganz simpel.

Autoren-Tipp: Die Grundlagen des Erzählens oder: Wie ich letzten Sommer von einer Ente attackiert wurde

Beginner's luck

Es gibt zwei Arten von Romanen. Solche, die vor allem eine Geschichte erzählen wollen. Und solche, bei denen die Geschichte Nebensache ist. Letztere nennt man gelegentlich »anspruchsvolle Literatur« – »Literaturbetriebsliteratur« nennt sie mein Agent.

Ein Herzensprojekt: Der Mann, der nie Glück hatte

Ab und zu (und viel zu selten) finde ich neben dem Schreiben über das Schreiben auch noch Zeit, das zu tun, wofür ich Ihnen hoffentlich schon hilfreiche Tipps liefern konnte: einen Roman zu verfassen. Schon lange ging mir nämlich eine bestimmte Geschichte im Kopf herum. Es ist die Geschichte von Martin, der ein echter Pechvogel ist. Er merkt schon als Kind, dass ihm das Schicksal nicht wohl gesonnen ist, er richtet sich darauf ein – und das Leben erfüllt seine Erwartungen.

Martin ist “Der Mann, der nie Glück hatte”, und ab sofort für 3,99 Euro bei Amazon zu haben (auch kostenlos in KindleUnlimited). Es ist ein ruhiges Buch, auch wenn es dramatische Ereignisse schildert. Am besten ist es in der Dämmerung zu lesen, denn es mäandert ein bisschen zwischen Wirklichkeit und Phantasie, ohne jemals zu Fantasy zu werden. Ob es ein gutes Buch ist, das müssen die Leser entscheiden. Ich habe dabei aber ein gutes Gefühl.

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Autoren-Tipp: Der Roman als Best-of

Überlassen Sie der Leserin oder dem Leser das Ausschmücken Ihrer Geschichte

Kaum ein Satz taucht mit größerer Sicherheit in meinen Text-Gutachten für Roman-Autoren auf:
Ein Roman ist keine Gesamtwerksausgabe, sondern ein Best-of.

Autoren-Tipp: Entfesseln Sie die Power, die in jedem Ihrer Sätze steckt – so erschaffen Sie einen mitreißenden Lesefluss

Erst wenn jeder Satz wirkt, als würde er zwingend aus dem vorhergehenden folgen, schaffen Sie für den Leser einen Fluss – eine Geschichte, die eben mehr ist als bloß eine Menge nebeneinanderstehender Sätze. Das gilt insbesondere innerhalb eines Absatzes.

Autoren-Tipp: Wo König Zufall regiert und es Zeit wird für einen Umsturz

Das Leben ist eine Kette von Zufällen, stimmt’s? Vielleicht sind Sie der Ansicht, dass es von einem höheren Wesen bestimmt wird? Von der Konstellation der Sterne? Was liegt näher, als das – nennen wir es neutral – Schicksal auch in Ihrem Roman wirken zu lassen? Sollte ein Roman dadurch nicht realistischer werden? Oder mehr noch: Sollte Ihr Roman das Wirken des Schicksals nicht sogar zwingend brauchen?

So logisch der Gedanke klingt, so falsch und zugleich fatal wirkt er sich auf Ihren Roman aus. König Zufall ist kein guter Herrscher.

Ein Beispiel. Kommissar Glowatzki ermittelt den Mord an Linda K. Er geht Hinweisen nach, befragt Zeugen und Tatverdächtige, sammelt Informationen. Da stolpert er in der Asservatenkammer über einen nicht weggeräumten Karton. Als er ihn ins Regal stellen will, fällt er ihm herunter – und heraus kullert ein Briefbeschwerer. Mit einem Briefbeschwerer der gleichen Serie wurde Linda K. erschlagen! Der Briefbeschwerer hier gehörte einem ehemaligen Tatverdächtigen für den Mord an Germano B., Samuel Collenbusch. Collenbusch wurde damals aus Mangel an Beweisen nicht angeklagt. Doch jetzt kann Glowatzki ihn, dank des neuen Hinweises, als Mörder von Linda K. überführen.

Entfesseln Sie die Power, die in jedem Ihrer Sätze steckt: So führen Sie das innere Auge Ihres Lesers

(Bild: deposit

Um einen möglichst flüssigen Text zu schreiben und eine entsprechend nahtlos zu lesende Geschichte zu erschaffen, sollten Sie auch jeden einzelnen Ihrer Sätze seinen Teil dazu beitragen lassen. Das gelingt Ihnen dann am besten, wenn Ihre Sätze einer inneren Logik folgen. Neben einer kausalen Logik, etwa bei Wenn-dann-Konstruktionen, sind das vor allem der Bildlauf einer räumlichen und die Chronologie einer zeitlichen Logik.

1. Die räumliche Logik Ihrer Sätze

Sehen wir uns ein Beispiel an. Es stammt aus C. C. Fischers Roman »Erlösung« (Blessing 2011):

Die Scheinwerfer des Mercedes erfassten die halb zerfallene Steinmauer des Friedhofs und ein Eisenkreuz und dahinter die Kapelle auf dem Hügel am Ende des morastigen Feldwegs.

Stellen Sie sich vor, Sie wären der Kameramann, der den Film im Kopf des Lesers aufzeichnet. Jeder Fehler, den Sie begehen, bedeutet, dass der Film im Leserkopf reißt. Der Autor des Textauszugs hat an dieser Stelle einen solchen Riss verursacht. Denn er führt das Leserauge in die Irre.

Schreibtipps für Autoren: Bessere Romane schreiben mit … KISS

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Im letzten Artikel der Reihe (Ich habe da eine Idee für einen Roman) habe ich auf die Gefahren hingewiesen, die zu wenige Ideen mit sich bringen. Das andere Extrem kann jedoch ebenfalls zur Falle werden.

Ich kenne das selbst leider zu Genüge. Da hat man sich einen interessanten Plot zurechtgelegt, und beim anschließenden Schreiben fällt einem noch dieser neue Charakter ein, jener Subplot bietet sich an und folgender Umweg muss ebenfalls dringend gegangen werden. Und dann schießen die Einfälle erst so richtig ins Kraut … Was das aus einem Roman machen kann, verdeutlicht am besten ein Bild eines Hauses.

Sie als Architekt (planen) und Baumeister (schreiben) in Personalunion haben die Pläne gezeichnet und die Baumaterialien vorbereitet. Alles passt zusammen, die Statik stimmt und genug Mauersteine sind auch vor Ort. Aber während Sie die Außenwand auf der Südseite hochziehen, kommt Ihnen noch die Idee zu einem kleinen Anbau hier. Und auf den Anbau muss natürlich ein Dach. Mit einer Luke. Auf die aber fällt zu viel Sonne, also bauen Sie das Stockwerk darüber ein bisschen breiter. Und ein Türmchen auf der Westseite wäre doch auch allerliebst. Vielleicht eine Dachterrasse mit Pool? Unbedingt. Irgendwann treten Sie mal wieder ein Stück zurück von Ihrem Bau und stellen entsetzt fest, dass das auf den Plänen so gefällige Häuschen jetzt aussieht wie der Bastard von Neuschwanstein und dem Bauhaus – kaum denken Sie das, stürzt einer der sieben neuen Türme ein und begräbt den Südanbau unter sich. Was wiederum die Statik so durcheinanderbringt, dass der gefüllte Pool durchs Flachdach bricht und das Wasser das Erdgeschoss flutet.