Selfpublishing auf lange Sicht: Wie Sie als Sachbuch-Autor und Experte ihre Plattform aufbauen

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Ein 100 Seiten dickes Sach- oder Fachbuch zu schreiben, ist oft aufwändiger als ein dreimal so dicker Fantasy-Roman. Denn das Wissen, dass Sie dem Leser vermitteln, müssen Sie ja selbst erst einmal recherchieren. Der Schreibprozess selbst ist da der kleinere Aufwand. Vermutlich sind Sie durch die Änderungen bei KindleUnlimited genauso unzufrieden mit Ihren Amazon-Umsätzen wie ich es war – und haben vielleicht schon begonnen, auch andere Plattformen zu bedienen.

Zweifellos ein wichtiger Schritt. Aber bleiben Sie nicht dabei stehen. Ihr Ziel sollte es sein, sich mit der Zeit eine Plattform aufzubauen, die klar zeigt, wofür Sie als Experte stehen. Das Spannende daran: Sie haben dann deutlich mehr Möglichkeiten, Ihre Recherchen zu verwerten. Außer eBooks und Bücher zu Ihrem Thema zu verkaufen, könnten Sie auch Seminare geben, in Webinaren von ihren Erfahrungen berichten, journalistisch über Ihre Themen schreiben oder auch Online-Kurse verfassen.

Wichtig ist dabei, dass Sie keines dieser Themen isoliert betrachten – Sie brauchen eine Rundum-Strategie. Auf Ihren Seminare können Sie Ihre Bücher anbieten, im eBook auf den Onlinekurs verweisen und so weiter. Doch im Zentrum steht immer ihre Website samt deren Präsenz in den sozialen Netzwerken. Im folgenden skizziere ich Ihnen kurz, wie Sie generell vorgehen sollten, ausgehend von der Tatsache, dass Sie bereits ein Buch geschrieben haben (sonst wären Sie wohl nicht hier).

1. Analyse

Finden Sie zuerst einmal heraus, wofür Sie stehen. Was ist Ihr Lieblingsthema? Wofür brennen Sie? In dieser Disziplin sind Sie besonders gut – und vor allem überzeugend. Dass Sie ein Thema eigentlich langweilt, merkt Ihr Publikum sehr schnell.

2. Priorisierung

Vermutlich gibt es nicht nur ein einziges Thema, das Ihnen Spaß macht. Ich interessiere mich zum Beispiel für Quantenphysik, aber auch für Selfpublishing (klar), für technische Gadgets und für Tanzen (das wussten Sie vermutlich noch nicht). Sie können aber nicht mehrere Themen gleichzeitig so beackern, wie es nötig ist. Beginnen Sie mit dem Thema, mit dem Sie schon am weitesten in Richtung Plattform vorgedrungen sind, zu dem Sie also schon die besten Voraussetzungen mitbringen. Keine Sorge, um die anderen Themen kümmern Sie sich später, wenn Ihnen langweilig wird.

3. Präsenz im Web

Besorgen Sie sich eine passende Internet-Adresse und beginnen Sie, regelmäßig über Ihr Lieblingsthema zu schreiben. Optik und Plattform spielen hier noch keine große Rolle. Es wäre aber besser, wenn Ihre Plattform Ihnen gehört. Also lieber eine eigene Website als ein Blog bei einem Bloghoster. Tauschen Sie sich mit anderen am Thema interessierten Menschen aus. So lernen Sie nicht nur selbst hinzu, sondern erfahren auch, was die brennenden Probleme Ihres Faches sind. Leisten Sie Hilfestellung, fragen Sie bei Bedarf aber auch gern selbst um Hilfe. Dieser Prozess dauert lange, vielleicht ein Jahr, womöglich noch länger. Aber die Zeit verfliegt, wenn Sie Spaß daran haben. Vergessen Sie nicht, einen Newsletter anzubieten.

4. Inhalte in Form gießen

Nach gewisser Zeit kennen sowohl Google als auch die an Ihrem Fach Interessierten Ihren Namen und Ihre Seite. Ihr Newsletter hat vielleicht 200 oder 300 Abonnenten. Und Sie haben bereits jede Menge Inhalte gesammelt. Nun können Sie diese allmählich in eine Form gießen. Welche – das müssen Sie erst noch herausfinden.

Eignet sich ein Online-Kurs, oder sollten Sie lieber einen Nachfolger zu dem Buch schreiben, mit dem Sie gestartet sind? Das hängt von Ihnen ab und von Ihrer Erfahrung mit bestimmten Medien. Nicht jeder ist zum Beispiel der geborene Online-Lehrer.

5. Die Form variieren

Ihr Buch läuft gut? Dann ist es an der Zeit, auch mal eine neue Form zu testen. Versuchen Sie es mit einem Online-Kurs, falls Sie bisher nur Bücher geschrieben haben. Auch wenn Sie Ihre Stimme nicht gern hören – springen Sie über Ihren Schatten. Es wäre doch schade, wenn das gesammelte Wissen nur halb genutzt würde.

Bieten Sie aber auch Verlagen ein Buch zu Ihrem Thema an. Der Verweis auf eine gut besuchte Website wirkt hier Wunder. Und der Verlag liefert nicht nur einen Vorschuss, sondern durch seinen Namen auch weitere Glaubwürdigkeit. Bieten Sie Vorträge auf Konferenzen zu Ihrem Thema an. Versuchen Sie, von Anfang an dafür Honorar zu erhalten. Das wird Ihnen nicht immer gelingen, zeigt dem Veranstalter aber Ihren Wert.

Überlegen Sie, ob Sie vielleicht andere zu Ihrem Thema beraten können.

6. Das Feld im Auge behalten

Betrachten Sie Ihr Engagement langfristig. Manchmal verändern sich die Nebenbedingungen. KindleUnlimited ändert die Zahlungsbedingungen, der Buchmarkt schrumpft, Webinare finden nur noch in 3D-Welten statt: Setzen Sie nie auf nur ein Pferd und kümmern Sie sich frühzeitig um Alternativen.

7. Ein neues Thema wählen

Manchmal passiert es auch, dass sich immer weniger Menschen für ein Thema interessieren. Wenn Sie vom Schreiben und Recherchieren leben wollen, sollten Sie das tote Pferd nicht mehr reiten. Das heißt nicht, dass Sie liebgewonnene Themen wegwerfen müssen. Ich interessiere mich privat auch noch sehr für den Commodore 64, schreibe aber keine Artikel oder gar Bücher mehr dazu, denn die Zielgruppe ist einfach zu klein. Manchmal – man denke an die Schallplatte – erleben Themen aber auch eine Renaissance, und dann sind Sie wieder zur Stelle.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

2 Kommentare

  1. Im Sachbuch scheint mir von zentraler Bedeutung zu sein, seine Zielgruppe zu kennen und in ihren Köpfen spazieen zu gehen. Nur wer Teil seiner Zielgruppe ist und sich mit ihr vernetzt, hat letztlich Erfolg. Du beweist das ja sehr anschaulich durch deine SP-Arbeit.

    Ob ich allerdings einen Tanz-Ratgeber von dir lesen würde, wage ich zu bezweifeln 😉

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