Tipp: Freiberufler oder Gewerbe? Worauf Sie achten müssen

Spätestens, wenn die erste Steuererklärung fällig ist (eigentlich schon eher, nämlich bevor das erste Honorar geflossen ist), sollten sich Selfpublisher über ihren eigenen Status klar werden. Muss ich als Autor*in ein Gewerbe anmelden? Die gute Nachricht: Nein. Autorinnen und Autoren sind klassischerweise Freiberufler, wie es explizit der Paragraph 18 des Einkommenssteuergesetzes festlegt. Daraus ergeben sich folgende Pflichten:

  • Vor der Aufnahme der freiberuflichen Tätigkeit müssen Sie diese beim Finanzamt anzeigen. Eine Gewerbeanmeldung (beim Gewerbe- oder Ordnungsamt) ist nicht notwendig.
  • Sie müssen Ihre Einnahmen in der Einkommenssteuer versteuern, als Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit. Dazu müssen Sie eine simple Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) vorlegen (als Gewerbetreibender müssten Sie ab bestimmten Gewinnen doppelte Buchführung betreiben, Bilanzen aufstellen und Gewerbesteuer zahlen).
  • Sie müssen Ihren Kund*innen Umsatzsteuer berechnen, dürfen sich aber auch gezahlte Mehrwertsteuer rückerstatten lassen. Es sei denn, Sie nehmen weniger als 22.000 Euro pro Jahr ein. Dann können Sie sich als Kleinunternehmer*in von der Umsatzsteuer befreien lassen. Ob sich das lohnt, können Sie hier prüfen.

Vorsicht: Freiberufler sind Sie unter Umständen dann nicht mehr, wenn Sie eigene Bücher selbst verkaufen, also etwa mit einem Bauchladen (unwahrscheinlich), auf Ihrer Website oder auch bei Lesungen. Solche Einnahmen sind dann gewerblicher Natur. Fallen sie mehr als in einem geringen Umfang an, müssten Sie zusätzlich (!) ein Gewerbe anmelden. Das ist generell kein Problem, Sie müssen dann nur Einnahmen und Ausgaben der beiden Tätigkeiten sauber trennen. Wie wenig “gering” bedeutet, ist nicht klar definiert, fragen Sie dazu am besten die Dame oder den Herrn vom Finanzamt.

Vorsicht, die zweite: Hauptberuflich tätige Autorinnen und Autoren können (und müssen) sich bei der Künstlersozialkasse (KSK) versichern. Diese zahlt den Arbeitgeberbetrag der Sozialversicherung, also Kranken- und Rentenversicherung. Sie sparen im Monat also etwa die Hälfte der Beiträge. Allerdings kann eine parallele gewerbliche Tätigkeit hier schaden, wenn sie damit mehr als die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro im Monat verdienen: Ihre KSK-Mitgliedschaft ist dann gefährdet.

Freiberufler haben übrigens einen weiteren Vorteil: sie werden nicht wie Gewerbetreibende Zwangsmitglied in der IHK.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

10 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    Ich spinne mit dem Gedanken nächstes Jahr mein Buch fertig zu schreiben und zu veröffentlichen.
    Muss ich mich direkt als Freiberufler melden oder kommt es hier auf die Einnahmen an?
    Das ich es in der Steuererklärung angeben muss ist mir klar. Aber bis zu einer gewissen Grenze kann ich ja steuerfrei etwas dazu verdienen.
    Muss die Meldung als Freiberufler also zwingend direkt sein?

  2. Bücher im Selbstverlag zu veröffentlichen und zu verkaufen, sollte auch einem Freiberufler möglich sein. Ein Maler darf doch auch ohne seine Bilder verkaufen und eine Band ihre eigenen CDs. Die spannende frage, was ein geringer Umfang ist, wird hier näher beantwortet: https://www.mediafon.net/meldung_volltext.php3?id=498ed701b1182&akt=news_recht

    Aus dem verlinkten Artikel:
    ” Die Schriftstellerin darf ihr Buch selbst verlegen und darf es auch auf Lesungen verkaufen, solange Selbstverlag und Eigenvertrieb sich auf eine ”der schriftstellerischen Tätigkeit dienende Funktion” beschränken und keine ”neue Erwerbsgrundlage darstellen”. ”Die bloße Verwertung eigener schriftstellerischer Erzeugnisse im Rahmen des Üblichen”, so heißt es in einem Urteil des BFH vom 11.5.1976, ”ist . . . in der Regel der freiberuflichen Tätigkeit zuzuordnen””.

    Korrigiert mich bitte, wenn das veraltet sein sollte.

  3. Hallo, erstmal danke für die vielen nützlichen Informationen, haben mir schon oft geholfen. Eine Frage: Wenn ich eine ISBN beantrage und das Buch in das Verzeichnis lieferbarer Bücher eintrage, dann können Buchläden ja bei mir bestellen. Zählt das dann auch nicht mehr als Freiberuflich? Ich gehe jetzt von einer Veröffentlichung über createspace aus.
    Außerdem: Wenn ich stattdessen bei BoD mein Buch vermarkte (Die übernehmen ja dann alles vom Druck bis zum Verkauf), wäre das entsprechend eine Alternative?

  4. Matthias Matting Ok vielen Dank. Noch eine letzte Frage. Ich bin nur nebenberuflich als Freiberuflicher Autor tätig anssonsten habe ich eine Vollzeit 8 Stunden/ Tag Bürotätigkeit. Ist mit "anderen Einnahmen" nur die Einnahmen aus der Freiberuflichen Autoren Tätigkeit gemeint oder alle anderen Einnahmen (regulärer 8 Stunden/ Tag Bürojob+ freiberuflicher Autor)? Danke 🙂 .

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