Autorinnen und Autoren als Kleinunternehmer – was zu beachten ist

Wenn Sie Ihre Brötchen mit Schreiben verdienen, sind Sie normalerweise Freiberufler. Das heißt, Sie brauchen kein Gewerbe anzumelden, müssen Ihre Tätigkeit aber beim Finanzamt anmelden. Wenn es um die Umsatzsteuer (beim Verkauf an Endverbraucher auch Mehrwertsteuer genannt) geht, sind Sie aber trotzdem Unternehmer. Und Unternehmer haben Pflichten – unter anderem die, Umsatzsteuer auf Ihre Leistungen zu berechnen.

Dafür gibt es eine Ausnahme. Falls Ihre Umsätze im vorigen Jahr unter 17.500 Euro und im aktuellen Jahr voraussichtlich unter 50.000 Euro liegen, können Sie die so genannte Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen. Wichtig: herangezogen wird nicht Ihr Gewinn, sondern Ihr Umsatz, also die Summe all Ihrer Einnahmen.

Kleinunternehmer brauchen keine Umsatzsteuer zu berechnen – und dürfen das auch gar nicht. Vorsicht: sobald Sie auf einer Rechnung Umsatzsteuer ausweisen, verlassen Sie den Kleinunternehmer-Status. Damit entfällt auch die Notwendigkeit von Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Einmal jährlich ist eine Umsatzsteuer-Erklärung fällig, mit der Sie Ihr Kleinunternehmertum quasi “beweisen”. Falls Sie darauf über 17.500 Euro Umsatz erklären, sind Sie im folgenden Jahr kein Kleinunternehmer mehr. Im Gründungsjahr reduziert sich die Grenze je nach Startmonat anteilig.

Als Kleinunternehmer sollten Ihre Rechnungen stets den Hinweis enthalten: “Kein Umsatzsteuerausweis aufgrund Anwendung der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UStG.

Vorteile des Kleinunternehmer-Status

  • Keine Umsatzsteuer berechnen zu müssen, bringt Ihnen mehr Geld – zumindest, wenn Sie direkt an Endkunden verkaufen. Falls Sie also Bücher für je 10 Euro über die eigene Website anbieten, können Sie die kompletten Einnahmen behalten. Anderenfalls müssten Sie 7 Prozent Umsatzsteuer abführen. Beim Verkauf über Drittanbieter (Amazon, Tolino, Neobooks…) sparen Sie allerdings nicht, denn diese müssen immer Umsatzsteuer abführen.
  • Sie brauchen keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben.

Nachteile des Kleinunternehmer-Status

  • Sie können sich für Ihre Investitionen (Computer, Lektorat, Coverdesign, Werbung…) die Umsatzsteuer nicht vom Finanzamt zurückholen. Je nach Umfang Ihrer Einkäufe und Art der Ausgaben kann sich bei Autoren sogar ein Minus ergeben, obwohl Sie Gewinn machen. Das liegt daran, dass Sie für schriftstellerische Arbeit nur 7 Prozent Umsatzsteuer berechnen müssen, aber für Ihren Computer oder für Werbung 19 Prozent Umsatzsteuer gezahlt haben.
  • Google- und Facebook-Werbung sind 19 Prozent teurer (siehe unten).

Besonderheiten bei Autorinnen und Autoren

Die Kleinunternehmer-Regelung gilt nur im Inland. Falls Sie direkt über Amazon oder Apple veröffentlichen oder Werbung bei Google oder Facebook schalten, machen Sie Geschäfte mit Unternehmen in EU-Ländern beziehungsweise im sonstigen Ausland. Dabei gibt es zwei Fälle:

  • eBook-Verkauf bei Amazon / Apple usw.: Sie erbringen eine innergemeinschaftliche Dienstleistung (“sonstige Leistung”) für diese Unternehmen. Amazon und Co. müssen auf Ihre Leistungen (Honorare) Umsatzsteuer abführen, in dem Land, in dem sie ihren Sitz haben (sog. “Reverse Charge”-Verfahren). Das müssen Sie in der Rechnung berücksichtigen (Details hier). Umsatzsteuer fällt aber für Sie nicht an.
  • Werbung bei Google etc.: Google und Facebook (Sitz in Irland) erbringen eine innergemeinschaftliche Dienstleistung (“sonstige Leistung”) für Sie. Sie (!) müssen auf Googles Leistungen (Werbung) Umsatzsteuer abführen, und zwar in Ihrem Heimatland, also Deutschland / Österreich / Schweiz (ebenfalls sog. “Reverse Charge”-Verfahren). Das heißt, Sie müssen auf den Rechnungsbetrag noch 19 Prozent Umsatzsteuer aufschlagen (!) und diese an Ihr Finanzamt abführen. “Normale” Unternehmer können diese 19 Prozent anschließend gleich wieder als Vorsteuer abziehen, es handelt sich also für diese um ein Nullsummenspiel. Kleinunternehmer jedoch bleiben auf den 19 Prozent sitzen. Facebook- und Google-Werbung ist damit für Kleinunternehmer stets 19 Prozent teurer als auf der Rechnung ausgewiesen!

Für beide Fälle benötigen Sie eine Umsatzsteuer-ID, die Sie beim BZST beantragen können. Die Vergabe der Umsatzsteuer-ID bewirkt nicht, dass Sie umsatzsteuerpflichtig werden. Sie können sie auf Rechnungen z.B. auch statt ihrer normalen Steuernummer verwenden.

Von Matthias Matting

Matthias Matting, geboren 1966, ist Physiker und Journalist und einer der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren. Er hat über 50 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht und ist Autor des offiziellen Amazon-Bestsellers 2011. Für sein Buch “Reise nach Fukushima” erhielt Matthias Matting den 2011 erstmals ausgeschriebenen Buchpreis “derneuebuchpreis.de” in der Kategorie Sachbuch. Matting war als Programmleiter eBook bei der Münchner Verlagsgruppe tätig. Er arbeitet außerdem als Kolumnist für das Nachrichtenmagazin FOCUS und als Autor für SPACE, Federwelt und Telepolis. Schließlich gibt er auch Online-Kurse sowie Seminare an der Akademie der Bayerischen Presse.

20 Kommentare

  1. Wenn ich den Artikel richtig verstehe, heißt es dann:

    1) Ich melde mich bei meinem Finanzamt als Freiberufler (Schriftsteller) an
    2) Ich nehme gleichzeitig die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch (wenn ich meinen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfülle)
    3) Ich bitte dann auch explizit darum, dass mir zusätzlich eine Umsatzsteuer-ID übermittelt wird
    4) Ich stelle einmal jährlich eine Rechnung an Amazon aus, in der ich meine Ust-ID angebe. (—> Ust-ID ist aber kein Pflicht, da ich Kleinunternehmer bin).

    Ich bin in diesem Fall dann ein Freiberufler, aber auch gleichzeitig Kleinunternehmer, der einen Umsatzsteuer-ID bekommen kann, ohne dann umsatzsteuerpflichtig zu werden? Und ich muss auch KEINE Umsatzsteuer-Voranmeldung durchführen, obwohl ich einen Ust-ID beantragt habe? —> Ist das so ungefähr richtig?

    Vielen Dank für den ausführlichen Artikel!!

  2. Guten Tag Herr Matting, ich bin kleinunternehmer (Übersetzer) aber ich schreibe auch Geschichte (Nicht auf Deutsch, aber) und werde ich bald in in anderen Länder (USA, Italien) Bücher und auch Drehbücher anbieten, im Ausland weil in einer anderen Sprache geschrieben sind, wohne aber in Berlin, nun ein Portal im Ausland, Italien, wird einige Bücher von mir als e-book bieten und verkaufen, die Frage ist: was passiert mit Mehrwersteuer? Normalerweise ein Kleinunternehmer in Deutschland stellt keine Mehrwertsteuer auf die Rechnungen. soll ich an Finanzamt mitteilen dass ich meine Bücher anbieten werde? Und die Mehrwertseuer… ? Lieben Dank, habe viele gefragt und habe nie eine deutliche Antwort bekommen…

  3. WIe schaut es für Kleinunternehmer aus, die keine Steuer erheben und ihr Buch ans Verzeichnis lieferbarer Bücher melden bzw. via Buchhandel vertreiben wollen?
    Die Buchhandlungen müssen doch vermutlich auch Steuern bezahlen auf ihren Anteil beim Verkauf.
    Wie muss das kommuniziert werden, bzw. muss ein Hinweis auf bestehende Kleinunternehmerregelung auf jedem Buch / Preisschild beigefügt werden?
    Merci vielmals!

  4. Guten Tag,
    Vielen Dank für Ihre Ausfürungen. Aber ich bin mir immer noch nicht ganz im Klaren, was für mich gilt.

    Ich werde ein Buch auf den Markt bringen über einen BOD-Verlag. Dieser vertreibt die Bücher über seine eigene Plattform und auf Amazon etc. Muss ich dafür überhaupt etwas unternehmen, also mich irgendwo beim Finanzamt melden etc?

    Zweiter Fall: ich ordere dort einige Bücher als Eigenexemplare und verkaufe diese zum Ladenpreis weiter. Muss ich hier nun etwas anmelden oder nicht?

    Herzlichen Dank für Ihre Hilfe,
    O.H.

  5. Matthias Matting Oh, danke für die Information!
    Wenn ich nun als Kleinunternehmer für Werbung (z.B. bei Google) die 19% selbst draufschlagen muss, soll ich dies erst am Ende des Jahres in der Abrechnung an das Finanzamt bezahlen, oder sofort bei Rechnungsstellung, und wenn ja, dann unter welchen Angaben/Formular (Umsatzsteuervoranmeldung ist es ja nicht)?

  6. Ich finde diesen Beitrag leider sehr verwirrend.
    "Für beide Fälle benötigen Sie eine Umsatzsteuer-ID"
    Wenn ich also eBooks bei Amazon und co verkaufen will, brauche ich sowieso eine U-ID und kann somit kein Kleinunternehmer sein?
    Also bringt mir dies doch als Self-Publisher überhaupt nichts?

    1. Hallo und vielen Dank für den Einblick in den Bürokratie-Dschungel! Ich habe auch folgendes leider nicht verstanden: Wenn ich über Amazon, also KDP, ein E-Book veröffentliche, brauche ich auf jeden Fall eine Umsatzsteuer-ID? Und dann läuft es so wie in dem verlinkten Artikel mit der Rechnung an Amazon?

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